SUCHE

Gebäude der EZB in Frankfurt (© Getty Images)
Rentenmärkte
09.03.2018

„Trotz des aus europäischer Sicht negativen Ergebnisses der Italien-Wahl zeigten die Rentenmärkte kaum eine Reaktion“, sagt HSH-Analystin Sintje Boie.

Bundesanleihen und Treasuries notieren im Vergleich zur Vorwoche per saldo nahezu unverändert. Dabei hat sich einiges getan. Italien hat am 4. März ein neues Parlament gewählt. Das Mitte-Links-Parteienbündnis unter dem sozialdemokratischen Parteichef Matteo Renzi und Ministerpräsident Paolo Gentiloni hat seine Mehrheit verloren. Populistische Parteien wie die 5-Sterne-Bewegung sowie die rechte Lega haben spürbaren Aufwind erhalten, wobei die 5-Sterne-Bewegung stärkste politische Kraft geworden ist. Die Mitte-Rechts-Koalition aus Silvio Berlusconis Forza Italia, Lega und zwei kleineren rechten Parteien hat die meisten Stimmen erhalten, doch für keine der Parteien oder Bündnisse reicht es für eine Regierungsmehrheit. Schwierige und langwierige Koalitionsverhandlungen stehen an - möglicherweise unter Beteiligung einer der großen populistischen Parteien - doch die Märkte reagieren recht gelassen auf den Wahlausgang.

Sicherheit gibt die deutliche Zustimmung der SPD-Mitglieder zum ausgehandelten Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD. So steht der Neuauflage einer Großen Koalition in Deutschland nichts mehr im Wege, so dass Angela Merkel Mitte März erneut zur Bundeskanzlerin gewählt werden und eine neue Bundesregierung ihre Arbeit - rund sechs Monate nach der Wahl - aufnehmen könnte. Damit kann wieder an europapolitischen Themen gearbeitet werden. Frankreich hatte einige Reformvorschläge gemacht. In Ermangelung einer neuen Regierung in Deutschland waren diese aber bisher unbeantwortet geblieben.

Die EZB dürfte sich auf ihrer Zinssitzung vom 8. März noch mit großen Ankündigungen in Bezug auf einen Ausstieg aus ihrem Anleiheankaufprogramm zurückhalten. Wir rechnen damit, dass die Anleihekäufe spätestens zum Jahresende beendet werden. Ob allerdings schon Ende September Schluss damit ist oder sie diese in reduziertem Volumen noch bis Jahresende verlängert und dann einstellt, dürfte die Notenbank erst auf ihrer Zinssitzung im April oder Juni bekannt geben. Auch ihre forward Guidance mit Blick auf den Leitzins und die Bindung von QE an ein spürbares Anziehen der Inflationsrate dürfte sie erst zu diesem Zeitpunkt ändern. Möglicherweise nimmt sie allerdings den "easing bias" aus ihrer Kommunikation. Dieser bezeichnet die jederzeit wieder mögliche Aufstockung und Verlängerung der Käufe, wenn es denn nötig ist.

Ein weiteres Highlight ist der US-Arbeitsmarkt für Februar. Beschleunigt sich das Lohnwachstum weiter, dürfte das die Diskussionen im Markt über ein stärkeres Anziehen der Inflationsrate und schnellere Zinsanhebungen der Fed anheizen. Der Stellenaufbau sollte erneut bei rund 200.000 liegen, die Arbeitslosenquote bei vier Prozent. Ein guter Arbeitsmarktbericht dürfte für Renditeanstiege sorgen. Die tatsächliche Einführung der US-Importzölle auf Stahl und Aluminium Anfang März sollte Unsicherheit reduzieren und daher in die gleiche Richtung wirken - vor allem weil einzelne Handelspartner ausgenommen werden könnten.