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09.03.2018

„Die neuesten US-Zölle könnten zu einer Spirale von Gegenmaßnahmen und einem Handelskrieg führen“, befürchtet HSH-Chefvolkswirt Dr. Cyrus de la Rubia.

Das Wachstumsmodell Deutschlands und der EU ist in Gefahr. Die EU-Länder sind über tiefgehende internationale Wertschöpfungsketten auf den globalen Handel angewiesen. Erfolgt nach Trumps Ankündigung nun auch offiziell der Beschluss zu Zollsätzen auf Stahl und Aluminium - wird also die Globalisierung durch protektionistische Schritte der USA zurückgedreht, wird das jeder im europäischen Binnenmarkt zu spüren bekommen, direkt oder indirekt. Die EU sollte darauf gegebenenfalls mit Gegenmaßnahmen reagieren. Die Aktionen müssten sich aber ausschließlich gegen die USA richten, man sollte nicht der Versuchung nachgeben, insgesamt protektionistischer zu werden.

Konkret geht es darum, dass die USA kurz davorsteht, Zölle zum Schutz ihrer Stahl- und Aluminiumindustrie in Höhe von 25 Prozent bzw. zehn Prozent zu verkünden. Die von den USA geschützten Sektoren müssten hierzulande mit deutlichen Absatzeinbußen und gleichzeitig fallenden Stahlpreisen rechnen. Denn andere Exportländer werden verstärkt in den EU-Markt dringen und der hiesigen Industrie Konkurrenz machen.

Was soll die EU tun? Die traditionellen Lehrbücher der Außenwirtschaft empfehlen uns, gar nicht zu reagieren, um Wohlfahrteinbußen zu verhindern. Führt die EU wie geplant Zölle auf amerikanische Güter ein, müssen Konsumenten für diese Produkte mehr bezahlen und verlieren Kaufkraft. Lässt man die USA jedoch gewähren, dürfte sie dies ermuntern, auch andere Sektoren zu schützen. Eine robuste Antwort ist daher richtig.

Es gibt jedoch eine Maßnahme, auf die die EU unbedingt verzichten sollte: Das Hochziehen neuer Zollmauern gegenüber anderen Stahl- und Aluminiumexporteuren, die auf der Suche nach neuen Absatzmärkten verstärkt die EU ansteuern. Angenommen, die USA beschränkten auch den Import deutscher Autos in die USA: Werden deutsche Automobilfirmen in diesem Fall nicht alles unternehmen, um ihre Vehikel verstärkt in anderen Ländern zu verkaufen? Würden wir dann verständnisvoll nicken, wenn die betroffenen Staaten ihrerseits höhere Zollsätze verlangten? Nein, eine derartige Spirale darf auf der globalen Ebene gar nicht erst entstehen.

Nun mag man einwenden, dass die USA so oder so am längeren Hebel sitzen, da das Land relativ wenig exportiert (etwa zwölf Prozent des BIP) und daher nicht so verletzlich ist wie etwa Deutschland (22 Prozent des BIP, Exporte in Nicht-EU-Länder). Das ist Unsinn. Denn die USA haben einen deutlich höheren Direktinvestitionsbestand in der EU (2,7 Billionen US-Dollar) als umgekehrt die EU in den USA (1,9 Billionen US-Dollar). Was sollte die EU-Kommission daran hindern, mit neuen Regulierungsmaßnahmen, Bestimmungen und Steuergesetzgebungen amerikanischen Unternehmen das Leben schwer zu machen?

Aus einem Handelskrieg geht niemand als Gewinner hervor. Wenn sich dieser aber nicht mehr verhindern lässt, muss alles getan werden, um ihn rasch wieder zu beenden. Das gelingt in diesem Fall vermutlich nur, wenn gezielte Gegenmaßnahmen ergriffen werden, die für die USA schmerzhaft sind. Den Rest muss dann die Lobby-Arbeit amerikanischer Unternehmen leisten, die sich in diesem Fall für den Abbau der Zollsätze einsetzen dürften. Das könnte für die EU und Deutschland mit einer Durststrecke verbunden sein. Nur so aber kann ein langfristiges Zurückdrehen der Globalisierungsuhr verhindert werden.