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Mario Draghi machte Schritte in Richtung QE-Ausstieg (©Getty Images)
Rentenmärkte

Erster „Minischritt“ der EZB in Richtung QE-Ausstieg

16.03.2018

Außenpolitische Risiken und Handelsstreitigkeiten belasten die weltweiten Renditen“, meint Sintje Boie, Analystin der HSH-Nordbank.

An den Staatsanleihemärkten auf beiden Seiten des Atlantiks bröckeln die Renditen. Zwar hat die EZB auf ihrer Zinssitzung am 8. März einen ersten „Minischritt“ in Richtung eines Ausstiegs aus ihrem Anleiheankaufprogramm (QE) vorgenommen. So hat sie den „easing bias“ aus ihrer Kommunikation gestrichen, der eine Aufstockung und Verlängerung der Anleihekäufe jederzeit möglich macht. Allerdings präsentiert sie sich weiterhin recht vorsichtig bei ihrem Ausstieg aus dem Anleiheankaufprogramm. Die Notenbank möchte ausrechend sicher sein, dass sich die Inflationsrate mittelfristig an ihr Preisziel von knapp 2 Prozent annähert. Erst dann könnte sie ihre Netto-Anleihekäufe beenden. Wir sind der Auffassung, dass die EZB diese spätestens zum Jahresende einstellt. Über Ende September hinaus könnte sie diese mit reduziertem Volumen weiterlaufen lassen, um Spekulationen über eine erste Zinsanhebung in der Eurozone weiter in die Zukunft zu verschieben. Die Kommunikation über einen Endzeitpunkt der Käufe könnte im Juni erfolgen.

Der US-Arbeitsmarktbericht für Februar ist mit einem Beschäftigtenplus von 312.000 Menschen und einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent ziemlich gut ausgefallen. Zudem wurde der Beschäftigungszuwachs des Vormonates nach oben revidiert. Der Lohnanstieg hat sich allerdings mit einem Plus von 2,6 Prozent zum Vorjahr wieder etwas abgeschwächt. Doch das konnte die Stimmung an den Finanzmärkten nicht aufheitern. Die beschlossenen US-Importzölle auf Aluminium und Stahl haben Sorgen vor weiter reichenden Handelsstreitigkeiten und damit einem drohenden Handelskrieg aufkommen lassen. Wir rechnen damit, dass die US-Zölle zwar ähnliche Reaktionen bei anderen Handelspartnern auslösen könnten – was die Stimmung und das Wachstum belasten könnte. Von einem Handelskrieg gehen wir jedoch nicht aus. Die Sorge vor einem solchen Handelskrieg jedoch lastet momentan auf den Staatsanleiherenditen. Dazu kommen weitere politische Risiken: Querelen in der US-Regierung, die zur Entlassung von Außenminister Rex Tillerson geführt haben, und die zunehmenden Streitigkeiten zwischen Großbritannien und Russland um einen Mordanschlag auf einen russischen Doppelagenten.

Auch die kommende Woche bietet ordentlich Zündstoff. Am 21. März tagt die Fed und dürfte die Zielspanne für ihre Fed Funds Rate um 25 bp auf 1,50 bis 1,75 Prozent erhöhen, die erste von drei von uns erwarteten Zinsanhebungen in diesem Jahr. Die anderen beiden dürften im Juni und im September folgen. Das könnte die US-Zinsen weiter steigen lassen. Darüber hinaus werden die vorläufigen Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen der Eurozone für März sowie der ifo-Geschäftklimaindex veröffentlicht. Zuletzt haben erste Rückgänge auf ein nicht mehr ganz so hohes Wachstumstempo hingedeutet. Daher dürfte man hier künftig genau hinschauen. Beim Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs am 22. und 23. März in Brüssel steht eine ganze Reihe von Themen auf der Agenda, unter anderem die zäh verlaufenden Brexit-Verhandlungen. Ein Durchbruch ist hier aber wohl weiter nicht zu erwarten.