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Kommentar

Drei oder vier Zinsschritte, das bleibt die Frage

23.03.2018

„Angesichts des schwachen Lohnwachstums gehen wir weiterhin von nur drei Zinsschritten der Fed in 2018 aus“, sagt HSH-Chefvolkswirt Dr. Cyrus de la Rubia.

Ungewohnt. Dem neuen US-Notenbankchef Jerome Powell bei seiner ersten Zinspressekonferenz zuzuhören und zuzuschauen, war ungewohnt. Nicht nur, weil man mittlerweile die Art seiner Vorgängerin Janet Yellen kannte und sie zu interpretieren wusste. Sondern auch, weil auf dem Chefsessel der Fed in den letzten Jahrzehnten stets Ökonomen saßen, die es durchaus liebten, über Outputlücken, Phillipskurven und Kernraten der Inflation zu sprechen. Powell hingegen ist Jurist und das Aufblitzen von Leidenschaft für volkswirtschaftliche Themen fehlte beim neuen Fed-Präsidenten komplett - anders noch, als insbesondere bei Janet Yellen und Ben Bernanke. Das äußerte sich beispielsweise in relativ knappen Antworten und einer insgesamt kurzen Pressekonferenz von nur 45 Minuten - keine Zeit, um in die Verästelungen und Unterkomponenten saisonbereinigter Daten und Ähnlichem einzutauchen.

Ein paar Dinge konnte man dennoch aus der Pressekonferenz mitnehmen. Abgesehen davon, dass der Leitzins wie erwartet von 1,25 bis 1,5 Prozent auf 1,5 bis 1,75 Prozent angehoben worden ist, zeigte sich eine leichte Verschiebung hinsichtlich des zukünftigen Leitzinspfades. Basierend auf optimistischeren Prognosen für das BIP und die Arbeitslosenrate, halten die Fed-Mitglieder im Mittel einen Leitzins von 2,9 Prozent in 2019 für angemessen (bisher: 2,7 Prozent). Für 2020 gehen sie sogar von einem Leitzinsniveau von 3,4 Prozent aus (bisher: 3,1 Prozent). Powell beeilte sich gleichzeitig, die für 2020 auf 3,4 Prozent hochgesetzte mittlere Projektion zu relativieren, da Prognosen über einen derart langen Zeitraum nur einen begrenzten Wert hätten.

Schutzzölle: Sorge über Handelspolitik

Zwei Themen spielten in diesem Zusammenhang noch eine Rolle: Die Steuerreform und die am Freitag (23.3.) zu implementierenden US-Zölle für Aluminium und Stahl. Hinsichtlich der Steuerreform äußerte Powell die vage Hoffnung, die Maßnahmen könnten die Investitionen anregen, die dann ihrerseits zu einem höheren Produktivitätswachstum führen sollten. In Bezug auf die Zölle stellte der Fed-Chef fest, dass viele Unternehmen sich Sorge über die Handelspolitik machen würden, wie man Gesprächen mit den Betroffenen entnommen habe. Darüber hinaus zog sich Powell darauf zurück, dass die Fed keine Handelspolitik betreibe und er daher Themen wie einen möglicher Handelskrieg mit China nicht kommentieren werde. Fehlen durfte auch nicht die Frage, ob er fürchte, angesichts der anstehenden Zwischenwahlen im November von der Regierung unter Druck gesetzt zu werden, auf weitere Zinserhöhungen zu verzichten. Die kurze Antwort von Powell: Das bereite ihm keine schlaflosen Nächte, die Fed bleibe auf die beiden Ziele Preisniveaustabilität und Beschäftigung fokussiert. Interessant war die im Übrigen relativ ausführliche Einschätzung Powells zur Finanzmarktstabilität. Hier zeigte er sich insgesamt entspannt. Banken und private Haushalte seien deutlich solider aufgestellt als vor der Krise. Die Verschuldung von Nicht-Finanzunternehmen sei etwas höher, aber nicht besorgniserregend. Lediglich bei Aktien und Gewerbeimmobilien könne man einen Preisanstieg feststellen, der von der historischen Norm abweiche. Das ändere aber nichts am Gesamtbild eines nur moderaten Risikos für die Stabilität des Finanzmarktsystems.

Ob in diesem Jahr insgesamt drei oder vier Zinsschritte gemacht werden, dürfte vom Lohnwachstum abhängen. Dies machte Powell klar, als er sinngemäß sagte, dass er den Arbeitsmarkt erst dann als "eng" ansehe, wenn die Löhne stärker anziehen. Vor diesem Hintergrund halten wir zunächst noch an drei Zinsschritten in diesem Jahr fest, zumal wir von einer weiteren politischen Verunsicherung ausgehen, die die Fed von einer rascheren Gangart bei den Leitzinsen abhalten dürfte. Da niemand weiß, ob und wann die Löhne stärker anziehen, geht das Rätselraten weiter. Wenigsten etwas, was die Marktteilnehmer gewohnt sind.