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Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (©dpa)
Vier Fragen an: Mario Ohoven
06.03.2018

Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), sieht durch die Handelspolitik Amerikas negative Auswirkungen auf die transatlantischen Beziehungen und die globalen Märkte

US-Präsident Donald Trump will seine Ankündigung, hohe Importzölle auf Stahl und Aluminium einzuführen, in die Tat umsetzen. Wie beurteilen Sie diese Maßnahme?

Mario Ohoven: In der Entscheidung von US-Präsident Donald Trump sehe ich einen Rückfall in Zeiten des Merkantilismus von vor 250 Jahren. In meinen Augen ist das ein rücksichtsloser Protektionismus und ein ganz klarer Bruch der Regeln der Welthandelsorganisation. Herr Trump scheint Handelskrieg mit Wettbewerb zu verwechseln. Die USA isolieren sich damit in der Welt und stellen verlässliche Partnerschaften vor eine sehr harte Zerreißprobe. Diese Handelspolitik Amerikas hat zweifelsfrei negative Auswirkungen auf die transatlantischen Beziehungen und die globalen Märkte.

Neben China, Kanada und Mexiko richten sich die Zölle auch gegen europäische Verbündete der USA. Welche Folgen drohen Deutschland, insbesondere der mittelständischen Wirtschaft?

Mario Ohoven: Die deutsche Wirtschaft hat 2017 einen Handelsüberschuss von 50 Milliarden Euro gegenüber den Vereinigten Staaten erwirtschaftet. Beim Stahlexport liegen wir auf Platz 8 der größten Exporteure in die USA. Die Vereinigten Staaten sind die größten Abnehmer von deutschem Stahl außerhalb der EU. Etwas über 7 Prozent der deutschen Stahlprodukte gehen in die USA. Betroffen sind aber nicht nur Salzgitter AG und Dillinger Hütte, sondern auch andere Branchen. Deutsche Mittelständler exportieren nach und machen Geschäfte mit Amerika, diese werden abnehmen. Das kann für manche Branchen den Verlust von Arbeitsplätzen bedeuten, zum Beispiel in der Autoindustrie und im Maschinenbau.

Die EU prüft bereits Gegenmaßnahmen. In welchem Rahmen halten Sie diese für sinnvoll?

Mario Ohoven: Die von der EU angekündigten Vergeltungsmaßnahmen halte ich für angemessen. Europa muss jetzt auf die Gültigkeit des Rechts pochen, es darf nicht das Recht des Stärkeren gelten.

Kann sich aus der aktuellen Lage ein regelrechter Handelskrieg zwischen den USA und Europa entwickeln?

Mario Ohoven: Es könnte sehr schnell zu einer weltweiten Stahl- und Aluminiumschwemme und deshalb fallenden Preisen kommen - es droht also ein Preiskrieg durch weltweite Überproduktion. Die USA schaden sich damit in erster Linie selbst. Die US-Autoindustrie etwa verzeichnet hohe Nachfrage-Rückgänge. Trumps "America first"-Doktrin droht zu einer Gefahr für Wohlstand und Arbeitsplätze zu werden. Ein neuer Handelskrieg ist wohl nicht zu vermeiden, wenn Trump nicht zur Vernunft kommt. Ich kann nur an die besonnenen Kräfte der US-Administration appellieren, ihren Einfluss geltend zu machen. Ansonsten droht eine Protektionismus-Welle. Verlierer sind am Ende alle, wie der Brexit zeigt. Denn bei einem Handelskrieg gibt es keine Gewinner.