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Slack expandiert weiterhin stark (©dpa)
Teamwork
14.02.2018

Nach den Start-ups entdecken auch größere Unternehmen die neuen Werkzeuge für die interne Kommunikation. Zum Beispiel Slack.

Wenn es nach den Marktforschern von Gartner geht, dann steht Programmen für die Zusammenarbeit in Unternehmen („Enterprise Social Software“) ein rasantes Wachstum bevor. Dem Analysehaus IDC zufolge soll der Umsatz mit diesen Programmen bis zum Jahr 2019 auf 3,5 Milliarden US-Dollar wachsen. Wenig erstaunlich, dass auf diesem attraktiven Zukunftsmarkt führenden Technologieunternehmen miteinander konkurrieren. Microsoft bietet die Chat-Plattform „Teams“ an, Google tüftelt an zwei Diensten für den schnellen Informationsaustausch, und auch IBM, Cisco und Facebook („Workplace by Facebook“) sind ebenso dabei wie die vom US-Unternehmen Atlassian betriebene Projektmanagementsoftware Trello.

Noch schneller wächst der Dienst von Slack, ein 2009 in Kalifornien gegründetes Start-up, das letzten Finanzierungsrunden zufolge über fünf Milliarden Euro wert ist. Der für die Teamarbeit in Unternehmen ausgelegte Instant-Messaging-Dienst gewinnt jede Woche weltweit 3 bis 5 Prozent neue aktive Nutzer hinzu. Das jährliche Wachstum liegt bei atemberaubenden 500 Prozent.

Die Tools profitieren davon, dass bei allen Vorteilen die Kommunikation via E-Mail in Unternehmen viele Nachteile hat. Zum Beispiel Unübersichtlichkeit. Jeder, der einmal eine Powerpoint-Präsentation an mehrere Mail-Adresse gesendet hat und dann alle Antworten einpflegen muss, kennt das Problem. „Warst du nicht im Verteiler?“ - ein Satz, der in vielen Unternehmen täglich zu hören ist. Hier schaffen Programme wie Slack Abhilfe. Mitarbeiter können sich nach Wahl in Diskussionen ein- und ausklinken. Benachrichtigungen können per Knopfdruck einfach ausgeschaltet werden. Eine Suchfunktion sorgt wiederum dafür, dass wichtige Informationen nicht wie in diversen Maliverläufen mühsam gesucht, sondern per Stichwortsuche schnell auffindbar sind. Diese umfasst auch angehängte Dokumente. Der Zugang zu den Programmen fällt Mitarbeiter meist leicht, denn die Chat-Systematik ist ihnen zumeist von Facebook bekannt. Nicht jeder Mitarbeiter hat zudem Zugriff auf seine unternehmensinternen Mails, wenn er unterwegs ist nicht am Firmen-Desktop sitzt. Auf Diskussionen im Chat-Dienst kann er von überall aus zugreifen, solange eine Internetverbindung steht.

Wildwuchs der Kommunikationskanäle

Unkompliziert Gruppenchats einrichten, Fotos, Videos und Dateien teilen und Kontaktdaten problemlos synchronisieren – so etwas geht allerdings auch mit wie WhatsApp. „Dieser Chatdienst ist aber in den meisten Unternehmen ein „No-Go“, da sich privates und berufliches Chatten vermischen und der Datenschutz nicht gesichert ist“, sagt Nicole Gaiziunas, die regelmäßig Führungskräfte aus Konzernen und mittelständischen Unternehmen zu Themen wie Digital Skills und Digital Culture berät.

Tools wie Slack oder Teamwire würde die Lücke füllen, die WhatApp offenbart. Social Collaboration Tools würden laut der Mitgründerin des Weiterbildungsanbieters XU Corporate Education aber nichts verändern, wenn man sie als Trend-Technologie „verordnet“. „Sie müssen zur Aufgabe und zur Teamkonstellation passen“, so Gaiziunas. Eine Stärke von Slack oder Teamwire sei, dass diese Tools den Wildwuchs der Kommunikationskanäle reduzieren und so zur zentralen Arbeitsplattform im Büro. Firmen wie Airbnb, eBay, CNN und Samsung, aber auch die Harvard University nutzen Slack, um mehr Transparenz, besseres Teilen von Wissen und mehr spontane Kollaboration zu erreichen. „Tools wie Slack sind auch tatsächlich ein gutes Mittel, um in diese Richtung zu gehen“, sagt Markus Albers, „Aber sie haben einen Preis. Noch mehr Kommunikation.“ Mit Tools wie Slack verstärkt sich dem Autor des Buchs „Digitale Erschöpfung: Wie wir die Kontrolle über unser Leben wiedergewinnen“ die verhängnisvolle „Always-On“-Kultur. „Je mehr Menschen am digitalen Gespräch teilnehmen, desto mehr Konversation entsteht“, so Albers. „Je mehr Konversation entsteht, desto mehr wird von allen erwartet, daran teilzunehmen.“

Herrschaftswissen ist fehl am Platz

Einer noch schnelleren Verbreitung der Chat-Dienste in Unternehmen steht ohnehin vielerorts noch die Unternehmenskultur entgegen. Denn die Systematik des Chats beruht auf dem Teilen von Wissen. Sogenanntes Herrschaftswissen ist fehl am Platz. Der Chat bringt also eine Hierarchiefreiheit mit sich, die für einige Führungskräfte in Unternehmen noch gewöhnungsbedürftig ist. Via Mail kann ein Vorstand mit Weisungen arbeiten. Beim Chat ist er Teil eines Diskussionsprozesses und muss hinnehmen, dass seine Idee auch von Kollegen abgelehnt werden, die weit unter ihm in der Unternehmenshierarchie stehen. Unternehmen, die Dienste wie Slack einführen, machen dies darum oft auch vor dem Hintergrund eines umfassenden Change Managements. Gaiziunas zufolge liegt der Fokus bei der Anwendung der Tools derzeit noch sehr auf den klassischen Effizienz-Themen: wie arbeiten Menschen schneller, wie vermeiden sie Informationsverluste, wie bauen sie Knowhow auf, das der Organisation etwa bei Kündigungen nicht verloren geht. „In Zukunft wird es aber auch darum gehen, die Arbeitskraft von Maschinen in dieser Hinsicht zu kennen und punktgenau einzusetzen“, sagt Gaiziunas. Derzeit helfe der „Slackbot“ den Nutzern schon heute per Chat-Dialog bei der Einrichtung des eigenen Accounts. In Zukunft sollen Softwarebots aber noch wesentlich komplexere Aufgabenstränge übernehmen. Führungskräfte müssen dann ständig wissen, welche „Roboter-Kollegen“ ihr Team ideal ergänzen können.

Buchempfehlung

Digitale Erschöpfung: Wie wir die Kontrolle über unser Leben wiedergewinnen

von Markus Albers

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten

Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG