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Niedrige Inflation ist ein temporäres Phänomen (©Getty Images)
Fokus Inflation
16.02.2018

Trotz des kräftigen Konjunkturaufschwungs ist die Inflationsrate in der Eurozone vergleichsweise niedrig und bleibt damit deutlich hinter dem Preisziel der EZB bei knapp 2 % zurück. Die geringe Teuerung ist der Grund für die weiterhin expansive Geldpolitik der Notenbank. Ist die Inflation tot? Oder erwacht sie im Gegenteil gerade zum Leben?

 

Trotz des kräftigen Konjunkturaufschwungs ist die Inflationsrate in der Eurozone vergleichsweise niedrig und bleibt damit hinter dem Preisziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von „unter, aber nahe 2 %“ zurück. Die geringe Dynamik bei der Teuerung ist der Grund für die weiterhin expansive Geldpolitik der Notenbank. Die Währungshüter befürchten zudem, dass die Inflationsrate 2018 und 2019 kaum an ihr Preisziel heranrückt. Erst 2020/2021 könnte sich die Teuerungsrate an den Zielwert allmählich annähern. Warum zieht die Inflation nicht an? Der Streit darüber ist in vollem Gange. Oder anders ausgedrückt: Es gibt eine ganze Reihe von Erklärungsansätzen. In diesem Fokus beleuchten wir die für uns maßgeblichen Treiber des geringen Preisdrucks. Die Arbeitslosenquote geht zwar in der Eurozone zurück, doch das manifestiert sich weder in spürbar steigenden Löhnen noch anziehenden Preisen. Möglicherweise sind die Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt nicht weit genug vorangeschritten. Das bedeutet, die Überkapazitäten auf dem Arbeitsmarkt sind zu erheblich, um zu mehr Preisdruck zu führen. Längerfristig dürfte sich dies jedoch drehen.

Daneben ist der Ölpreis (Brent) im Sommer 2014 massiv gesunken und hat damit maßgeblich zu der Talfahrt der Inflationsrate beigetragen, denn Energie hat einen Anteil von knapp 10 % an der Verbraucherpreisinflation. Am Ölmarkt hat sich ein Trendbruch vollzogen: Die US-Schieferölproduktion suggerierte zunehmend, auf jede Ölpreissteigerung mit einer Ausweitung der Förderproduktion reagieren zu können. Entsprechend verharrte der Ölpreis auf sehr niedrigem Niveau und hielt damit auch die Inflationsrate unten. Auch strukturelle Änderungen – wie die fortschreitende Digitalisierung, die Globalisierung und der demografische Wandel in vielen Industrienationen – tragen zur niedrigen Teuerung bei. Doch längerfristig, wenn die Überkapazitäten auf dem Arbeitsmarkt abgebaut sind, dürfte die Inflationsrate stärker ansteigen – zumal der Ölpreis deutlich nach oben geklettert ist und sich der Effekt struktureller Änderungen abschwächen sollte. Unseres Erachtens ist die Inflation noch lange nicht tot, die Phase eines niedrigen Preisdrucks dauert nur etwas länger an. Und es besteht das Risiko, dass die Inflation sogar schneller als erwartet ansteigt.