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23.02.2018

„Die Wette des Hedgefonds Bridgewater Associates gegen die europäischen Aktienmärkte überrascht“, meint Jan Edelmann, Analyst der HSH-Nordbank.

Der als weltweit größter geltende Hedgefonds Bridgewater Associates wettet gegen die europäischen Aktienmärkte. Mit rund 22 Mrd. US-Dollar ist der von Ray Dalio gemanagte Fonds Short-Positionierungen gegenüber europäischen Firmen eingegangen. Dafür hat sich der Hedgefonds die Aktien der Unternehmen, bei denen dieser mit Kursverlusten rechnet, von Investoren geliehen, um sie im Anschluss wieder zu verkaufen. Fällt der Kurs tatsächlich, wird die Aktie zum günstigeren Kurs zurückgekauft, dem Verleiher zurückgegeben und der Investor behält die Differenz aus Verkaufs- und Kaufwert als Gewinn, abzüglich einer Leihgebühr. Steigen die Aktien hingegen, macht der Spekulant Verluste. Er muss sie teurer zurückkaufen als er sie abgegeben hat. Theoretisch sind so extreme Verluste möglich, wenn das Papier immer weiter an Wert gewinnt. Was die genauen Motive hinter der Wette sind, ist nicht ganz klar. Bridgewater ist normalerweise nicht dafür bekannt, gegen einzelne Werte oder Sektoren zu wetten, sondern verfolgt vielmehr einen Top-Down-Ansatz. Das ist ein Ansatz der auf Konjunkturprognosen oder politischen Entwicklungen beruht und daraufhin entschieden wird, welche Positionen einzugehen sind. Demnach dürften die Wetten gegen den europäischen Aktienmarkt nicht unternehmens- bzw. sektorspezifisch bedingt sein, sondern könnten eher Ausdruck eines Misstrauens gegen die zuletzt wieder in Fahrt gekommene europäische Wirtschaft sein.

Die entscheidende Frage: Wann wird Bridgewater seine Leerverkaufspositionen wieder auflösen? Da unter den betroffenen Unternehmen auch zahlreiche Banken aus Italien dabei sind, kommt natürlich der Verdacht auf, dass die Short-Positionierungen in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den am 4. März dort stattfindenden Parlamentswahlen stehen. Somit würde Bridgewater darauf spekulieren, dass Anfang März ein Parteienbündnis die Mehrheit erringt, das der Einheit Europas einen schweren Schlag versetzen könnte. Dies könnte, die europäischen Aktienmärkte, die den Wahlsonntag bisher nicht im Fokus zu haben scheinen, zumindest kurzfristig belasten. Interessanterweise sind unter den betroffenen Firmen solche, bei denen die wichtigsten Wachstumsmärkte außerhalb der EU liegen bzw. auch in diesen Absatzmärkten größere Niederlassungen besitzen und folglich Umsatz und Gewinn durch eine politische Krise in Europa nur mittelbar in Mitleidenschaft gezogen werden. Sicherlich dürften diese Unternehmen, sollte es bei der Wahl zu einem für Europa wenig kritischen Ergebnis kommen, und die Kapitalmärkte dadurch in den Keller geschickt werden, auch mit Kursverlusten zu kämpfen haben. Diese wären jedoch, wie unter anderem die ersten Handelstage nach dem Brexit zeigen, vermutlich nur von kurzer Dauer. Folglich müssten Dalio und seine Leute sehr schnell auf das Wahlergebnis in Italien reagieren können. Kommt es dagegen anders und wird ein europafreundlicher Kandidat bzw. eine weniger euroskeptische Koalition die Wahl für sich entscheiden, müssten diese ebenfalls sehr schnell auf die Kursentwicklungen in der Folge reagieren können.

Möglicherweise ist die Wette rein ökonomischer Natur und die Analysten des Hedgefonds sehen die wirtschaftliche Entwicklung als nicht nachhaltig an. Dann stellt sich aber die Frage, warum zu einem großen Teil die Unternehmen ausgewählt wurden, die mehr als 50 Prozent des Umsatzes außerhalb der EU erzielen. Dann müsste Ray Dalio gegen die Weltwirtschaft wetten, die sich jedoch gerade in sehr robuster Verfassung befindet und bisher keine Anzeichen einer Abkühlung erkennen lässt. In der Vergangenheit waren laut Bloomberg die Short-Wetten des Hedgefonds nicht immer erfolgreich. In den vergangenen drei Monaten gingen 13 von 20 Wetten schief. Auch diesmal ist die Wette sehr waghalsig.