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Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank
Auf einen Espresso mit

Cyrus de la Rubia über den Crash an den Finanzmärkten

07.02.2018

Viele Unternehmen sind aktuell so hoch bewertet wie selten. Es kann sein, dass die Gewinnerwartungen einfach zu hoch sind,  so Cyrus de la Rubia.

Die Weltwirtschaft läuft gut, dennoch brechen die Börsen ein. Was ist da los?

Dr. Cyrus de la Rubia: Das Phänomen, dass sich die reale wirtschaftliche Situation und die Börsen nicht vollkommen entsprechen, kennen wir. Manchmal sind die Fundamentaldaten gut, die Aktien fallen – das gab es bereits in der Vergangenheit. Ein Grund dafür kann ganz einfach sein: Nämlich, dass der Aktienmarkt einfach überbewertet ist, weil zu viel Geld hineingeflossen ist. Das gilt unserer Auffassung nach derzeit für die USA.

Woran machen Sie die Überbewertung fest?

Dr. Cyrus de la Rubia: Wir messen das an verschiedenen Maßstäben, ein relativ berühmter ist das inflationsbereinigte Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500, das liegt auf einem ähnlichen Niveau wie 1929, in dem Jahr hat es einen legendären Crash gegeben. Viele Unternehmen sind aktuell so hoch bewertet wie selten. Es kann sein, dass die Gewinnerwartungen einfach zu hoch sind.

Ist das in Deutschland im DAX genauso?

Dr. Cyrus de la Rubia: Im DAX sehen wir auch eine gewisse Überbewertung, aber auf einem niedrigeren Niveau als in den USA. In Deutschland bewegt sich das noch in einem Toleranzbereich.

Erleben wir jetzt eine normale Korrektur oder eine Trendwende hin zu langfristig sinkenden Kursen?

Dr. Cyrus de la Rubia: Das ist eine interessante Frage. Ich habe bei meinen Prognosen oft drei Zyklen für verschiedenen Regionen im Blick: den Finanzzyklus mit den Aktienmärkten, den Konjunkturzyklus und den Kreditzyklus. Während ich die Lage beim Finanzzyklus in den USA aktuell kritisch sehe, ist sie beim Kreditzyklus und bei der Konjunktur einigermaßen unbedenklich. Unterm Strich erleben wir deshalb wohl eher eine Korrektur als eine Trendwende.

Wie sehr beeinflusst der in den USA anstehende Zinsanstieg die Aktienmärkte?

Dr. Cyrus de la Rubia: Das spielt natürlich eine Rolle, wobei der Anstieg vorherzusehen war und nicht in großen Schritten erfolgen wird. Und: Der Zinsanstieg reflektiert die gute konjunkturelle Situation. Das bedeutet solide Gewinne sowie stetige Cashflows – insofern ist das für Unternehmen kein bedrohliches Szenario, zumindest dann nicht, wenn sie fair bewertet sind.