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Einen der ersten Marktplätze für Daten: IOTA (@ Getty Images)
Internet der Dinge
16.01.2018

Namhafte Unternehmen setzten auf den Datenmarktplatz von IOTA. Kann dieser das Problem des Datenhandels lösen?

 

Daten gelten als das Gold des 21.Jahrhunderts. Unternehmen wie Amazon, Google, Facebook oder Zalando verstehen die Regeln der Daten- und Plattformökonomie und zielen darauf, jeden Zugang eines Kunden in die digitale Welt zu kontrollieren oder zu besitzen – über ein Gerät oder die Software. Im Zuge jeder Transaktion erhalten diese Unternehmen mehr Daten ihrer Kunden, und können ihnen neue Angebote maßschneidern. Der Deal lautet: Der Kunden „zahlt“ mit Daten, und damit wird der nächste Kauf bequemer.

Was B2C im digitalen Handel schon funktioniert, steht B2B im „Internet of Things“ (IoT) noch ganz am Anfang. Unternehmen horten in Servern und in der Cloud Milliarden von Daten, für die es durchaus einen Markt gibt. Denn längst nicht alle dieser Daten bergen geheimes Unternehmenswissen. Beispiel: Ein Computerprogramm bei BMW wertet spezielle Tests mit Bremssystemen aus, die für Continental interessant wären. Ein Kauf der Daten wäre für Continental wesentlich günstiger als eigene Tests. Doch woher soll Conti wissen, dass diese Daten bereits vorliegen? Nur ein fiktives Beispiel, aber bei Unternehmen oftmals die Regel. Die überwältigende Mehrheit der Daten steckt in sogenannten Datensilos fest. Ein Problem, wenn man bedenkt, dass in den kommenden Jahren rund 75 Milliarden Geräte miteinander kommunizieren sollen – Kühlschränke, Smartphones oder Mikrowellengeräte. Was fehlt, ist ein belastbares Netzwerk, in dem Unternehmen Daten austauschen, verkaufen und bezahlen können. Es bedarf also eines weltweiten, dezentralen Datenmarktplatzes – und einer Währung für die Maschinenökonomie, auf die sich die Unternehmen einigen können.

System ohne Blockchain

Einen der ersten Marktplätze für Daten hat die von dem Norweger David Sønstebø und dem Deutschen Dominik Schiener gegründete IOTA-Foundation eröffnet und bereits Firmen wie Microsoft, Bosch, Fujitsu und die Telekom von der Teilnahme überzeugt. „IOTA“ leitete sich aus den Begriffen „Internet of Things“ (IoT) und „Tangle“ ab und beschreibt eine Einheit der Kryptowährung. „Tangle“ ist ein Datennetzwerk, dass sich von der Blockchain in vielen Punkten unterscheidet. Blöcke mit Daten werden bei IOTA nicht wie in der Blockchain chronologisch miteinander verbunden, sondern einem sich auffächernden Datennetz zugeordnet. Dieses arbeitet nach dem Prinzip eines „Distributed Ledger“ („Verteiltes Kontenbuch“). Im Gegensatz zu einer zentral verwalteten Datenbank bedarf es in diesem Netzwerk keiner zentralen Instanz, die neue Einträge in der Datenbank vornimmt. Neue Datensätze dürfen jederzeit von den Teilnehmern selbst hinzugefügt werden. Ein Aktualisierungsprozess stellt sicher, dass alle Teilnehmer jeweils auf dem neuesten Stand der Datenbank sind. „Distributed Ledgers“ lassen sich in „permissioned“ und „unpermissioned“ Ledgers unterteilen – ein Unterschied zur Blockchain in Bitcoin-Netzwerk, die jedermann offen zugänglich ist. „IOTA ist tatsächlich eine interessante Distributed Ledger-Technologie, und das ganz ohne „herkömmliche“ Blockchain“, sagt Julian Grigo, Referent Digital Banking & Financial Services beim Digitalverband Bitkom.

Suche nach einem universellen Marktplatz für Daten

Dieser „Distributed Ledger“ bei IOTA arbeitet nach Ansicht seiner Entwickler schneller, je mehr Transaktionen stattfinden – also das Gegenteil dessen, was derzeit beim lahmenden Bitcoin-Handel geschieht. Denn neue Bitcoins lassen sich nur noch mit extrem schnellen Prozessoren erzeugen, die in Server-Farmen eigens für diesen Zweck eingebaut wurden. Trotzdem schaffen die Server wenig mehr als 400.000 Transaktionen pro Tag. Aufgrund dieser Ineffizienz ist die Suche nach einer Kryptowährung, welche den Datenhandel bei IoT vorantreiben soll, voll entbrannt.

Fest steht, dass Maschinen eine eigene stabile und skalierbare Lösung brauchen. Da normale Blockchain-Technologien wie beispielsweise die des Bitcoin eine solche hochfrequentierte Skalierbarkeit nicht aufweisen, favorisieren viele Unternehmen das skalierbare „Tangle“-System. “Die Distributed-Ledger-Technologie wird in der Branche von morgen eine wichtige Rolle spielen”, sagte Dr. Ingo Ramesohl von RBVC, einer Kapitalgesellschaft der Bosch-Gruppe bei der Verkündigung einer Partnerschaft mit IOTA. Visionären der Technologie-Branche fordern schon länger einen Marktplatz für die Machinenökonomie. Den Beweis, dass IOTA ein universeller Markt für Daten sein kann, die von Maschinen gesammelt wurden, steht noch aus. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) mahnte kürzlich an, dass die am Datenmarktplatz von IOTA teilnehmenden Unternehmen die Technologe erst gründlich prüfen sollten. Das weist auch in Richtung deutscher Unternehmen wie Bosch und Telekom, die bei Thema Bitcoin sehr skeptisch waren, jetzt aber sehr großes Interesse an IOTA zeigen.