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Das Moia-Fahrzeug fährt rein elektrisch (© MOIA)
Serie Mobilität der Zukunft, Teil 5
24.01.2018

Anbieter wie „Clevershuttle“ und „Moia“ bieten in Großstädten den Service mit Elektro-Fahrzeugen an.

Autoproduzenten wandeln sich zu Mobilitätsdienstleistern – diesen Schritt planen mittlerweile nahezu alle deutsche Hersteller. Das Spektrum reicht von App-basierten Sharing-Modellen über Taxiservices mit intelligenten Algorithmen bis hin zum Ride-Pooling, bei dem sich mehrere Personen ein Fahrzeug mit dem Handy „heranwinken“ können. Die App „myTaxi“ erlaubt seit Dezember das Teilen einer Fahrt: Ein Kunde sieht auf seinem Smartphone, dass zwei weitere Fahrgäste in die gleiche Richtung wollen. Er kann den Taxifahrer bitten, diese aufzusammeln. Das bedeutet für den Kunden zwar einen kleinen Umweg, aber der Preis schrumpft so auf ein Drittel.

Noch preiswerter soll man mit „BerlKönig“, dem Pooling-Service der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) fahren. Nutzer können sich den Shuttle via App zur nächsten Straßenecke bestellen. Nach einer Wartezeit von höchstens zehn Minuten soll der Kunde eingesammelt werden. Ausstiegspunkt ist die dem Ziel des Kunden nächstgelegene BVG-Haltestelle. Der Preis soll zwischen einem BVG-Ticket und dem Berliner Taxitarif liegen. Zum Einsatz kommen neben elektrischen Mercedes B-Klassen mit vier Sitzplätzen allerdings zunächst auch Mercedes-Vans mit Dieselantrieb und acht Sitzplätzen. Es spricht einiges dafür, dass Dank der BVG der Service mehr Bekanntheit erlangt als der Dienst des Berliner Start-ups „door2door“, das bereits seit 2012 als „Allygatorshuttle“ in Berlin und Duisburg mit seinen Fahrzeugen unterwegs ist. „Clevershuttle“ bietet zudem in Berlin, Hamburg, Stuttgart, München, Dresden, Leipzig und Frankfurt am Main Ridepooling mit Wasserstoff-und Elektro-Fahrzeugen an. Auf letztere beschränkt sich Volkswagen mit seinen Ride-Pooling-Dienst „Moia“. Ende des Jahres soll der Realbetrieb in Hamburg starten. Moia sind vollelektrische Fahrzeuge, die bis zu sechs Fahrgästen Platz bieten. Die Sitze verfügen über eine dimmbare Leselampe sowie USB-Ports zum Laden von Smartphones. Mit einem schnellen WLAN zielt VW auf die Business-Klientel. Mit der Moia-App buchen die Kunden ihre Strecken, der Pooling-Algorithmus berechnet dann das Routing in Echtzeit.

Nicht von Tür-zu-Tür, aber beinahe

„Der Kunde bekommt auf dem Smartphone virtuelle Haltestationen angezeigt, die von unseren Experten vorab definiert wurden“, sagte Moia-Manager Christoph Ziegenmeyer gegenüber UP Nord. „Diese virtuellen Haltestellen sollen höchstens 250 Meter vom gegenwärtigen Standort des Kunden entfernt liegen. Unsere aktuelle Testreihe in Hannover hat aber gezeigt, dass es eher 100 bis 200 Meter sind.“ Der Vorab-Check der Haltestellen soll verhindern, dass unpassende Stellen ausgesucht werden, an deren haltende Moia-Fahrzeuge den Verkehr behindern könnten.

Ein bequemer Tür-zu-Tür-Service soll nicht angeboten werden. „Das würde zuviele zeitraubende Umwege bedeuten“, so Ziegenmeyer. „Wir glauben, dass die virtuellen Haltestationen ein guter Kompromiss sind.“ Das Elektro-Fahrzeug hat eine Reichweite von rund 300 Kilometern und kann binnen 30 Minuten auf 80 Prozent Ladekapazität aufgeladen werden. Ein Flottenmanagement kümmert sich um Wartung und Nutzung des elektrischen Fuhrparks.

Das Moia-Fahrzeug wurde von VW Nutzfahrzeuge und VW Osnabrück in der Rekordzeit nur zehn Monaten geplant und entwickelt – auch dies ein Zeichen für den Vorrang, mit dem die Autohersteller derzeit ihre neuen Mobilitätskonzepte angehen.