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Plant die EZB ein Auslaufen von QE? (©dpa)
Rentenmärkte
12.01.2018

„Wichtige Stimmen aus dem EZB-Rat lassen ein Ende von QE für September wahrscheinlicher werden“, so Sintje Boie, Analystin der HSH-Nordbank.

Zum Jahresstart 2018 hat sich zumindest etwas Bewegung am Rentenmarkt gezeigt: Die Renditen der zehnjährigen T-Notes sind in Richtung 2,60 % gelaufen, die deutschen Langläufer sind auf über 0,50 % geklettert. Die zweijährigen T-Notes sind im Zuge der fortgesetzten Zinsanhebungen der Fed schon länger am Steigen, konnten zuletzt ihren Anstieg sogar auf knapp 2 % fortsetzen. Macht sich jetzt endlich der Konjunkturoptimismus in höheren Kapitalmarktzinsen bemerkbar?

Die EZB veröffentlicht heute (11.1.) ihr Sitzungsprotokoll von der Zinssitzung Mitte Dezember. Es dürfte wenig Neues bereithalten, denn die Notenbank hatte sich zum Jahresende stark mit neuen Äußerungen rund um das Anleiheankaufprogramm zurückgehalten. Die wichtigen Entscheidungen waren auf der Oktober-Sitzung getroffen worden: Das Kaufprogramm wurde bis mindestens Ende September 2018 verlängert, allerdings mit um die Hälfte reduziertem Volumen auf 30 Mrd. Euro. Einen offiziellen Endzeitpunkt für das Programm gibt es bislang nicht. Zuletzt haben sich aber einige einflussreiche EZB-Notenbanker, wie zum Beispiel Direktoriumsmitglied Yves Mersch, dahingehend positioniert, dass sie einen zu späten und/oder zu langsamen Ausstieg aus QE (doch) für gefährlich erachten. So würden nach Aussage von Mersch die äußerst niedrigen Zinsen das Sparverhalten ganzer Generationen verändern. Der neue Ton lässt es wahrscheinlicher werden, dass die Käufe Ende September, vielleicht auch schon früher, beendet werden.

Auch die guten Perspektiven für eine Fortsetzung des kräftigen Konjunkturaufschwungs in der Eurozone sprechen für ein früheres Ende. So ist die deutsche Industrieproduktion im November um 3,4 % gegenüber dem Vormonat gestiegen. Im Vormonat war allerdings ein Rückgang um 1,2 % verzeichnet worden. Auch die Exporte zogen in Deutschland im November mit 4,1 % gegenüber dem Vormonat stark an (Importe: 2,3 %). In Frankreich ist die Industrieproduktion mit 0,5 % leicht rückläufig gewesen, für die Eurozone insgesamt ergab sich ein überzeugendes Plus von 1,0 %. Nach einer ersten Schnellschätzung ist das BIP in Deutschland 2017 um 2,2 % gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Berücksichtigt man den Arbeitstageeffekt, würde sogar ein Wachstum von 2,5 % zu Buche stehen. Außerdem wurde ein Haushaltsüberschuss von 1,2 % des BIP im abgelaufenen Jahr in Deutschland erwirtschaftet.

Am Montag ist Martin Luther King Day in den USA, d.h. es kommt dort zu einer verkürzten Handelswoche. Einen Blick wert sind darüber hinaus die endgültigen Inflationszahlen für die Eurozone im Dezember (vorläufig: 1,4 %) sowie die Industrieproduktionszahlen aus den USA, NAHB-Häusermarktindex und Verbrauchervertrauen der Uni Michigan. Darüber hinaus haben die Sondierungen zwischen CDU/CSU und der SPD über die Bildung einer großen Koalition begonnen. Ergebnisse sollen zeitnah vorliegen, über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen muss aber am 21. Januar noch ein SPD-Parteitag entscheiden.