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Der Roboter YuMi ist ein Spezialist für Kollaboration (© Getty Images)
TechCrunchDisrupt
08.01.2018

Bei der Arbeit der Zukunft werden menschliche Fähigkeiten mit denen der Roboter verbunden. Diese Kollaboration hilft dabei, den Verlust an Arbeitsplätzen zu mildern.

Die Umsatzentwicklung der deutschen Robotik- und Automationsbranche hat 2017 neue Rekordwerte erreicht. Hatte das Segment im In- und Ausland im Vorjahr noch einen Gesamtumsatz von rund 12,8 Milliarden Euro erzielt, waren es 2017 bereits rund 13,7 Milliarden Euro. Im Jahr 2016 wurden weltweit rund 1,8 Millionen Industrieroboter gezählt. Bis 2020 soll sich ihre Zahl einer Schätzung des Robotik-Weltverbands International Federation of Robotics (ifr) auf über drei Millionen erhöhen. Die Länder mit der höchsten Roboterdichte weltweit sind dabei Südkorea, Singapur und Deutschland. Hierzulande kamen 2016 auf 10.000 Mitarbeiter 309 Industrieroboter in der Fertigungsindustrie - etwas mehr als in Japan. Beim Spitzenreiter Südkorea waren es mit 631 rund doppelt so viele. „Die Länder mit der weltweit höchsten Dichte an Robotern haben gleichzeitig besonders niedrige Arbeitslosenzahlen“, sagt Ulrich Spiesshofer, Vorstandschef des Industriekonzerns ABB mit Sitz in Zürich auf der Digitalkonferenz TechCrunch in Berlin.

Investitionen in die Ausbildung

Die Schweizer liegen mit einer installierten Basis von 300.000 Robotern weltweit derzeit hinter den japanischen Marktführern Fanuc und Yaskawa auf Rang 3 der Robotik. Spiesshofer trat auf der Konferenz TechCrunchDisrupt in Berlin mit seiner Aussage dem Vorurteil entgegen, dass Roboter gerade in Industrieländer viele Arbeitsplätze kosten würden. „Wir dürfen nicht vergessen, das gleichzeitig viele neue Jobs wie etwa für Roboter-Mechaniker entstehen.“ Die Geschichte habe gezeigt, dass Länder, die auf neue Technologien gesetzt haben, einen überdurchschnittlichen Wohlstand erlangen konnten. „Wir müssen den Menschen die Angst nehmen“, sagte Spiesshofer.“ Am besten gehe das durch verstärkte Investitionen in die Ausbildung. „Wenn Unternehmen mit Robotik ihre Wettbewerbsfähigkeit erhöhen wollen, kommen sie an Angeboten für eine generationenübergreifende Ausbildung nicht vorbei“, sagte Spiesshofer in Berlin. In dem Maße, in dem bei der Arbeit der Zukunft menschliche Fähigkeiten mit denen der Roboter verbunden werden und eine kollaborative Zusammenarbeit ermöglichen, würden auch die Angst vor der Technologie zurückgehen. Die Forschung und Entwicklung im Bereich der Mensch-Maschine-Kollaboration führten bei ABB zur Entwicklung des Zweiarm-Roboters „YuMi“. Der Roboter wurde für eine neue Ära der Automatisierung entwickelt, in der Mensch und Roboter Hand in Hand an einer Aufgabe arbeiten, zum Beispiel bei der Kleinteilmontage. Dass zahlreiche weniger qualifizierte Arbeitsplätze im Zuge der weiteren Verbreitung der Industrieroboter wegfallen, bleibt unbestritten.

Haushaltsroboter boomen

Neben den Industrierobotern setzen sich auch die Service-Roboter zunehmend durch. Im „Robotic Hotel“ im japanischen Nagasaki empfängt eine Roboter-Rezeptionistin die Gäste. Dafür, dass Koffer und Taschen in die Zimmer gelangen, sorgt ein autonom fahrender Gepäckroboter. Laut ifr sollen 2019 sollen weltweit 31 Millionen Haushalts- und 11 Millionen Entertainment-Roboter verkauft werden. Allein der Absatz für professionelle Anwendungen ist 2015 laut Robotik-Weltverband IFR um 25 Prozent in die Höhe geschnellt – mit Medizin, Landwirtschaft und Logistik als Top-Bereiche. Zunehmend sind aber auch privat genutzte Roboter äußerst gefragt, die als unermüdliche Haushaltshelfer oder technische Unterhaltungskünstler ins Haus geholt werden.

Deutschland mit seiner starken Autoindustrie ist von dem Trend zum verstärkten Einsatz von Industrierobotern in besonders starken Maße betroffen. Mehrzweck-Industrieroboter haben 2015 hierzulande einen Produktionswert von 938,5 Millionen Euro erzielt - fast doppelt so viel wie im Jahr 2009, in dem Produktion allerdings auch von den Nachwehen der Finanzkrise beeinträchtigt war. Noch deutlicher zeigt sich der Robotik-Boom beim weltweiten Absatz von Industrierobotern. Wurden im Nachkrisenjahr 2009 weltweit lediglich 60.000 Industrieroboter verkauft, waren es 2015 bereits 254.000. 2016 gingen dabei etwa die Hälfte davon an Besteller aus der Automobil- und Metallindustrie. Dieser Trend blieb auch 2017 stabil.