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Nico Hamm, Leiter des Wealth Managements der HSH (©Sven Wied)
Kapitalmärkte: Ausblick 2018

„Interessante Einzelwerte mit Potenzial finden“

19.12.2017

Nico Hamm, Leiter des Wealth Managements der HSH Nordbank, gibt einen Ausblick auf die Kapitalmärkte 2018. Die Aussichten sind insgesamt positiv, doch einige Firmen müssen ihre Gewinne noch steigern, um die hohen Kurse ihrer Aktien zu rechtfertigen.

Das Börsenjahr 2017 war sehr erfolgreich, der Dax kannte fast nur eine Richtung: nach oben. Er stieg von 11.500 Punkten auf über 13.000 Punkte. Wie bewerten Sie 2017?

Nico Hamm: Das Börsenjahr 2017 war so positiv, wie wir es erwartet haben. Die großen politischen Krisen sind ausgeblieben, die guten Wirtschafts- und Unternehmensdaten haben den Dax und auch andere Börsenindizes nach oben getragen. Dazu kommt, dass es nach wie vor an Alternativen bei der Geldanlage fehlt. Dass der Aufschwung an den Aktienmärkten so linear verlief, das hat mich allerdings etwas überrascht.

Ist die Rallye bei den historischen Höchstständen durch Fundamentaldaten untermauert?

Nico Hamm: Die Wirtschaft in Europa, in China und in den USA ist gut gelaufen. Aber in den Kursen ist auch die Hoffnung enthalten, dass es so weitergeht. Das zeigt sich in den eher hohen Bewertungen vieler Firmen. Einige Firmen müssen ihre Gewinne noch steigern, um die hohen Kurse zu rechtfertigen.

Mit welcher Anlagestrategie gehen sie in das Jahr 2018?

Nico Hamm: Es gibt nach wie vor viel Liquidität, die investiert werden will, vor allem von institutionellen Anlegern. Die Wirtschaft läuft. Eine Investition im Rentenmarkt rentiert sich derzeit aber nicht, denn die Zinsen sind sehr niedrig, sie liegen unter der Inflationsrate und unter den Dividendenrenditen der meisten Aktien – all das spricht für den Aktienmarkt.

Sind auch Kurse jenseits der 13.000er-Marke Einstiegskurse?

Nico Hamm: Ich denke, ja. Im Jahr 2017 waren Anleger erfolgreich, wenn sie auf den Dax oder einen anderen Börsenindex gesetzt haben. Im Jahr 2018 wird es mehr darauf ankommen, interessante Einzelwerte zu finden, die weiteres Potenzial haben. 2018 könnte ein Jahr werden, in dem wir Gewinner und Verlierer der großen Trends wie beispielsweise E-Mobilität oder Robotics sehen. Die Anlegerinnen und Anleger müssen sich die richtigen Unternehmen rauspicken. Das sind jene Firmen, die mit den aktuellen Veränderungen gut umgehen. Ich sehe zwar die großen Aktienindices ebenfalls positiv, wer jedoch konsequent auf hohe Rendite zielt, sollte auch auf Einzelwerte setzen.

Die Europäer erhöhen die Leitzinsen vorerst nicht – das müsste den Dollar stärken. Lohnen sich Investments in amerikanische Papiere?

Nico Hamm: Die Märkte nehmen viele Entwicklungen vorweg, deshalb weiß ich nicht, ob die Leitzinserhöhung in den USA tatsächlich große Auswirkungen auf das Euro-Dollar-Verhältnis haben wird. Die US-Wirtschaft läuft, es bleibt aber eine gewisse Unsicherheit durch die etwas unberechenbare Politik von Donald Trump. Mittelfristig sehe ich zudem den Euro stärker als den Dollar. Ein schwacher Dollar kann die Rendite in US-Investments deutlich schmälern.

Die Zinsen sind in Europa historisch niedrig, weshalb einige Banken Verwahrgebühr – andere sagen: Strafzinsen – eingeführt haben. Wird das 2018 auch Privatkunden treffen?

Nico Hamm: Solange die Europäische Zentralbank von den Banken für Einlagen einen Zins von minus 0,4 Prozent verlangt, stehen die Banken vor großen Herausforderungen. Institutionelle Anleger bezahlen inzwischen Verwahrgebühren. Allerdings glaube ich nicht, dass auch Privatanleger davon betroffen sein werden. Wobei man natürlich auch unterscheiden muss: Ein Privatanleger, der 500 Millionen Euro anzulegen hat, ist anders zu bewerten, als einer, der 2000 Euro auf dem Konto hat.

Lohnen sich 2018 Investments in Schwellenländern wie Brasilien, Indonesien oder Indien?

Nico Hamm: Die Emerging Markets sollte man im Auge behalten und als Beimischung im Depot haben. Allerdings muss man die Länder differenziert betrachten. Brasilien ist sehr von Rohstoffen abhängig, in Indien findet ein großer Umbruch statt. Indonesien ist ein riesiges Land mit Potenzial.

Was ist 2018 mit Gold?

Nico Hamm: Gold ist traditionell eine gute Krisensicherung und Teil einer Anlagestrategie – allerdings nur in überschaubarem Ausmaß, also zwischen fünf bis zehn Prozent des Anlagevermögens.

Sollte man in Bitcoins investieren?

Nico Hamm: Da haben wir enorme Kurssprünge gesehen. Das ist eine spannende Entwicklung, aber wir befinden uns in einem unregulierten Markt. Die Preise, die für Bitcoins aufgerufen werden, kann man nicht greifen. Sind sie fair? Sind sie total überteuert? Das ist schwer zu greifen – ein Investment ist mit einem hohen Risiko verbunden.

Ihre Prognose: Wo steht der Dax Ende 2018?

Nico Hamm: Er steht höher als heute, aber ich erwarte eine geringere Steigerung als 2017. Meine Prognose lautet: um die 14.000 Punkte, begleitet von steigender Volatilität.