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Der Demokrat Doug Jones gewann überraschend in Alabama. (© Imago)
Rentenmärkte
15.12.2017

 „Die Renditen haben keine große Resonanz auf die Fed-Zinsanhebung gezeigt“, fasst Sintje Boie, Analystin der HSH-Nordbank, zusammen.

Die Fed hat auf ihrer Zinssitzung am 13. Dezember wie erwartet die Zielspanne für die Fed Funds Rate um 25 bp auf 1,25 % bis 1,50 % erhöht – die dritte Zinsanhebung in diesem Jahr. Die Renditen der T-Notes sind in Reaktion auf die Entscheidung zurückgegangen, haben sich aber zuletzt wieder etwas erholt. Der Zinsschritt wurde mit zwei Gegenstimmen beschlossen, die für eine unveränderte Zielspanne plädiert hatten. Die Bunds rentieren auf Wochensicht etwas höher, eine große Resonanz auf die Fed-Zinserhöhung ist aber nicht zu beobachten. Für 2018 geht die Fed unverändert von drei Zinsschritten aus.

In der nächsten Woche könnten die Renditen auf beiden Seiten des Atlantiks jedoch stärkere Aufwärtsimpulse bekommen, denn die US-Steuerreform dürfte dann verabschiedet werden. Bei den beiden bestehenden Fassungen von Senat und Repräsentantenhaus zur Steuerreform hat man sich auf einen gemeinsamen Gesetzesentwurf geeinigt, dem aller Wahrscheinlichkeit nach beide Kammern des Kongresses zustimmen werden. Die US-Regierung dürfte ein starkes Interesse daran haben, die Steuerreform noch vor der Weihnachtspause zu verabschieden, da die Senats-Nachwahl in Alabama vom demokratischen Kandidaten Doug Jones gewonnen werden konnte. Alabama ist eigentlich Republikaner-Stammland, doch die sexuellen Missbrauchsvorwürfe schwächten den Kandidaten der Republikaner Roy Moore. Das verschiebt die Mehrheitsverhältnisse im Senat zuungunsten der Republikaner auf 51:49. Auch das Image von Donald Trump dürfte darunter leiden, da er sich hinter Moore gestellt hatte.

Auch die EZB hat getagt (14. Dezember). Große Ankündigungen wurden nicht gemacht. Die EZB hat bereits Ende Oktober bekannt gegeben, ihre Anleihekäufe ab Januar 2018 um die Hälfte auf dann 30 Mrd. Euro pro Monat zu reduzieren. Ein Ende des Anleiheankaufprogramms ist bislang nicht bekannt. Die Käufe sollen erst einmal bis Ende September 2018 laufen. Die größte Aufmerksamkeit hat auf der Überarbeitung der EZB-Projektionen gelegen. Sowohl die Wachstums- als auch die Inflationsprognosen wurden nach oben angepasst - die Inflationsprognosen aufgrund höherer Öl- und Lebensmittelpreise. Die EZB erwartet ein Wachstum von 2,4 % für 2017, 2,3 % für 2018, 1,9 % für 2019 und 1,7 % für 2020. Die Inflationsprognose ist trotz Aufwärtsrevision immer noch recht niedrig: 1,5 % für 2017, 1,4 % für 2018, 1,5 % für 2019 und 1,7 % für 2020. Über die konkrete Zusammensetzung der Anleihekäufe ab Januar – beispielsweise ein höherer Anteil von Unternehmensanleihen – ist nach Aussage von EZB-Chef Mario Draghi nicht diskutiert worden. Konjunkturell ist die Stimmung überschwänglich. Die europäischen Einkaufsmanagerindizes (Markit) für das Verarbeitende Gewerbe und Dienstleistungen sind auf Rekordhochs im Dezember geklettert. Doch nicht nur die Stimmung ist gut, auch die harten Daten ziehen an. So ist die Industrieproduktion in der Eurozone im Oktober um 0,2% im Vergleich zum Vormonat gestiegen.