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Autoturm: Die Dieselaffäre trübt die Zahlen der Konzernbilanz bei VW (©GettyImages)
Aktienmärkte
03.11.2017

„Da wir uns in einer Übergangsphase zur Vollauslastung der volkswirtschaftlichen Kapazitäten befinden, ist mit einem Rückgang der Aktienrenditen zu rechnen“, sagt Jan Edelmann.

Die Rallye an den Aktienmärkten setzte sich auch in der vergangenen Woche ungebremst fort. DAX und Eurostoxx legten um kräftige 3,8 % bzw. 3,3 % zu und liegen nun bei 13.465 und 3.707 Punkten. S&P 500 stieg um 0,7 % und notierte zuletzt bei 2.577. Die Anleger hierzulande und in Europa zeigten sich nicht nur zufrieden mit dem bisherigen Verlauf der Berichtssaison für das dritte Quartal, sondern waren auch erfreut, dass die EZB eine sehr milde Form des Taperings angekündigt hat: Bis September werden pro Monat 30 Mrd. Euro erworben (bisher 60 Mrd. Euro). Damit werden dem Markt zusätzliche Liquidität von 270 Mrd. Euro zufließen. In den USA hingegen waren die Anleger vor allem auf die Unternehmensergebnisse fokussiert. Amerikanische Konzerne konnten die Erwartungen hinsichtlich Umsatz um 0,8 % schlagen. Die Gewinne blieben hingegen um 5 % hinter den Erwartungen zurück.

In Deutschland befindet sich die Berichtssaison für das dritte Quartal noch in der Anfangsphase. Bislang haben 10 der 30 Unternehmen des DAX-Index ihre Zahlen vorgelegt. Interessanterweise konnten vor allem rohstoffintensive Unternehmen ein positives Zahlenwerk präsentieren. Dagegen blieben die Autobauer deutlich hinter den Erwartungen zurück; am 7.11. könnte BMW das Stimmungsbild in diesem Sektor aufhellen.

Das umfangreiche und kostenintensive Maßnahmenpaket der Autoindustrie zur Bewältigung der Dieselproblematik, u.a. durch Umtauschprämien, Software-Nachrüstungen und Preisnachlässe für Erdgas- und Elektrofahrzeuge, dürfte bereits erste Spuren in den Konzernbilanzen hinterlassen haben. Die intakte Weltkonjunktur sollte jedoch auch mit einer steigenden Nachfrage nach Dieselfahrzeugen, vor allem aus den Emerging Markets, einhergehen, was die Absatzzahlen der Autobauer zumindest teilweise kompensieren sollte.

Die sehr gute konjunkturelle Entwicklung spiegelt sich auch in der Stimmung in den deutschen Chefetagen wider. So stieg der ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober auf 116,7 Zähler von 115,3 im Vormonat und hat damit ein neues Rekordhoch erreicht. Dies bedeutete historisch tendenziell eher ein Verkaufssignal für den deutschen Aktienleitindex. In den Jahren 1969, 1991, 2000, 2007 und 2011 war es seine gute Strategie, DAX- Positionen zu verringern, nachdem der Ifo-Index ein Mehrjahreshoch erreicht hatte. Der DAX startete regelmäßig eine Konsolidierung auf einem hohen Niveau, die schließlich in einigen Zyklen sogar in einem DAX-Bärenmarkt endete. Die vielversprechendste Zeit, DAX-Aktien zu kaufen, bieten jedoch weiterhin Perioden mit einem schwachen Ifo-Index im Bereich von 90 oder darunter. Dies ist auch konsistent mit unserer Einschätzung, dass Aktienmärkte immer dann die höchsten Renditen liefern, wenn sich die Kapazitätsauslastung auf relativ niedrigem Niveau befindet, aber die (erwartete) Wachstumsdynamik hoch ist und die Leitzinsen niedrig sind, während die Arbeitslosigkeit hoch ist und somit kaum inflationärer Druck besteht. Wenn sich die Auslastung der volkswirtschaftlichen Kapazitäten der Vollauslastung annähert, sinkt die Rendite von Aktien dagegen allmählich auf niedrigere Niveaus ab. Genau in diese Phase sehen wir die Weltwirtschaft übergehen.