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Was macht die Fed? Der Kurs der US-Notenbank wird mit Spannung verfolgt (©dpa)
Rentenmärkte
20.10.2017

„Die EZB-Sitzung könnte als Impulsgeber dienen und die Renditen endlich nach oben laufen lassen“, sagt Sintje Boie.

Angesichts der angespannten Lage rund um den Katalonien-Konflikt sind die zehnjährigen Bund-Renditen erneut auf unter 0,40 % gesunken, womit die gute konjunkturelle Entwicklung und die sich in Richtung einer etwas restriktiveren Geldpolitik bewegende EZB bislang keine Wirkung auf den Rentenmarkt entfalten konnten. Ministerpräsident Mariano Rajoy hatte dem katalanischen Regionalpräsidenten Carles Puigdemont bis Donnerstagvormittag ein Ultimatum gestellt zu erklären, ob dieser ein unabhängiges Katalonien ausgerufen habe oder nicht. Puigdemont wich diesem Ultimatum erneut aus und drohte im Regionalparlament über die Unabhängigkeit abstimmen zu lassen, wenn die Zentralregierung nicht zu Gesprächen bereit sei. Auf dem US-Rentenmarkt zeigt sich dagegen die Rendite der zehnjährigen T-Notes kaum verändert, während die der zweijährigen nach oben geklettert ist. Hier macht sich die Diskussion um einen Nachfolger für Fed-Chefin Janet Yellen bemerkbar, der wie beispielsweise John Taylor möglicherweise hawkishere Töne beim zukünftigen Zinsanhebungspfad anschlagen könnte als Yellen selbst.

Highlight in dieser Berichtswoche ist die Zinssitzung der EZB am Donnerstag (26.10.). Unseres Erachtens dürfte die EZB eine Reduzierung ihrer Anleihekäufe verkünden. Die Anleihekäufe liegen derzeit bei 60 Mrd. Euro pro Monat und könnten in einem ersten Schritt zu Jahresbeginn 2018 um spürbare 20 Mrd. Euro verringert werden. Im Gegenzug für diesen kräftigen Rückgang dürfte die EZB eine längere Laufzeit ihres Kaufprogramms kommunizieren („lower for longer“). Wir erwarten eine allmähliche Zurücknahme der Käufe pro Monat um 5 Mrd. Euro, so dass diese im September 2018 eingestellt wären. Diesen Fahrplan dürfte die EZB ebenfalls auf ihrer Sitzung ankündigen. An dieser Stelle argumentieren einige Marktbeobachter, dass die EZB keinen Endpunkt ihrer Käufe bekanntgeben wird, um sich ihre Flexibilität zu erhalten und gegebenenfalls die Käufe länger laufen zu lassen und/oder sie wieder auszuweiten. Ein Fahrplan würde aber der „forward guidance“ der EZB zugutekommen. Denn sie hat angekündigt, dass Zinsanhebungen erst lange nach Beendigung der Anleihekäufe eine Rolle spielen werden. Mit einem Endzeitpunkt von QE kann die Notenbank somit Sicherheit geben, wie lange die Leitzinsen noch auf ihrem derzeitigen niedrigen Niveau verbleiben. Die EZB-Sitzung könnte als Impulsgeber dienen und die Renditen endlich nach oben laufen lassen. Risiko ist dabei eine Eskalation des Katalonien-Konfliktes. Neben der EZB-Sitzung sind die ersten europäischen Stimmungsindikatoren wie die Einkaufsmanagerindizes und der ifo-Geschäftsklimaindex für Oktober sowie das US-BIP für das dritte Quartal wichtig. Der Aufschwung in den USA dürfte andauern. Die Fortsetzung des Aufschwungs hat auch das Beige Book grundsätzlich bestätigt – jedoch hinterließen die Hurrikans in einigen Fed-Distrikten ihre Spuren und haben das Wachstum dort temporär gebremst.