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Der Bulle dominiert derzeit das Geschehen an der Frankfurter Börse (© Getty Images)
Aktienmärkte
06.10.2017

„Die Anleger profitieren von einer breiten zyklischen Erholung“, sagt Jan Edelmann.

An den Aktienmärkten ging es in dieser Woche erneut nach oben. Der Dax hat dieser Tage ein neues Allzeithoch erreicht. Er kletterte über die Marke von 12976 Punkten. Der Euro Stoxx 50 als Benchmark-Index der Eurozone legte um 0,2 % auf 3603 Zähler zu. Interessant ist dabei zu beobachten, dass die beobachteten Kursanstiege mit nur einem marginalen Anstieg in den Volatilitätsindizes einhergingen. Der VIX (Volatilitätsindex des S&P 500) notiert mit 9,6 Punkten nahe seinem Rekordtief von 8,6 Punkten aus dem Juli dieses Jahres. Dies ist bemerkenswert angesichts der erheblichen politischen Risiken. Daher stellt sich die Frage, ob die sehr niedrige Schwankungsintensität eine gewisse Selbstzufriedenheit der Investoren ausdrückt oder aber die Investoren das weltwirtschaftliche Umfeld als derart robust ansehen, dass selbst geopolitische Risiken diese nicht aus der Ruhe bringen können.

In der Tat. Die Weltkonjunktur steht unter Dampf. Das globale Wachstum dürfte in diesem Jahr 3,5 % betragen, ohne dass eine etwas stärkere Expansionsrate überraschen würde. Die Wachstumsstärke ist breit gefächert, wobei insbesondere die Eurozone auf der Oberseite überraschte. Alles deutet daraufhin, dass die Produktionslücken der OECD-Volkswirtschaften und China geschlossen sein dürften und der inflationäre Druck zu steigen beginnt. Die Produktionslücke, auch Output Gap genannt, bezeichnet die Abweichung des realisierten Bruttoinlandsprodukts (BIP) vom Produktionspotenzial. Dabei stellt es die gesamtwirtschaftliche Produktion dar, die bei maximaler Beschäftigung aller volkswirtschaftlichen Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital und Boden) hergestellt werden könnte. Dass diese nun geschlossen ist, machen wir an der Entwicklung der Rohstoffpreise fest. Aus der Historie haben wir gelernt, dass vollausgelastete Kapazitäten ein Kaufsignal für Rohstoffe bedeutete. Seit Januar 2016 haben wir eine Outperformance von Rohstoffen relativ zu denen der Aktien beobachtet, so dass die Anleger tatsächlich von einer breiten zyklischen Erholung profitieren.

Mit dem neuen Allzeithoch im DAX (und auch im Dow Jones) stellt sich wiederum die Frage, inwiefern diese hohen Kursniveaus fundamental gerechtfertigt sind. Gemessen an historischen Durchschnittsbewertungen, die im Bereich von 0,9 bis 1,1 (neutrale Zone) liegen (siehe Grafik unten), sind beide Indizes gegenwärtig teuer. Im S&P 500 war die Bewertung in den letzten zehn Jahren nie so hoch, die DAX-Bewertung hingegen liegt weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2015. Wir glauben, dass die höheren Notierungen an den Aktienmärkten in der beobachteten Handelspanne der vergangenen zwei Monate anhalten werden, solange die Kapazitäten der großen Volkswirtschaften ausgelastet sind. Zuwächse sind durchaus denkbar, dennoch dürften die Renditen hinter denen der Vorjahre zurückbleiben, da die sehr positive Entwicklung der Weltkonjunktur die Aktienmärkte bereits größtenteils eingepreist haben.