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Von Trump favorisiert: Stanford-Ökonom John Taylor (©GettyImages)
Rentenmärkte
27.10.2017

„US-Renditen könnten unter dem neuen Chairman noch schneller steigen“, prognostiziert Marius Schad. „Make the Fed Great Again“ mit Taylor, Powell oder doch Yellen? Bund- und Treasury-Renditen wie beflügelt.

In den globalen Rentenmarkt ist deutliche Belebung zurückgekehrt. Starke Fundamentaldaten aus Europa und den USA haben im Vorfeld der wichtigen Notenbanksitzungen die US- und deutschen Renditebenchmarks angeheizt. US-Treasuries und Bunds gehen mit einem Renditeplus von fünfzehn bzw. zwölf Basispunkte aus der Woche und notieren gegenwärtig bei 2,45 % und 0,49 %. Und die Rally könnte angesichts des vollen Terminkalenders und vor wichtigen Personalentscheidungen in der nächsten Woche noch weitergehen.

In den USA zieht die konjunkturelle Expansion ungebrochen ihre Kreise. Die starken Markit PMIs für das Verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungsbereich (24.10.) und die robusten Auftragseingänge für langlebige Wirtschaftsgüter (25.10.) gaben von fundamentaler Seite Unterstützung für ein höheres Zinsniveau. Konsequenterweise stiegen die US-Renditen auf ein Sieben-Monats-Hoch. Diese könnten sich unter dem neuen Fed-Chairman noch schneller erhöhen, denn am Montag sprachen sich die republikanischen Senatoren beim Lunch mit Präsident Trump (24.10.) offenbar für die Nominierung von Stanford-Ökonom John Taylor aus. Eine Orientierung der US-Geldpolitik auf die auf ihn zurückgehende Taylor-Rule, eine geldpolitische Handlungsanweisung für den Zentralbankzins der US-Notenbank, würde mit einem erheblich höheren Zinsniveau einhergehen (aktueller Taylorzins bei 3,74 %). Die Treasuries reagierten auf die Taylor-Spekulation unmittelbar mit einem Plus von fünf Basispunkten. Favorit im Rennen um den Chefsessel bleibt Fed-Gouverneur Jerome Powell, der tendenziell für eine yelleneske Geldpolitik steht. Die amtierende Janet Yellen hat nach zwei Treffen mit Trump auch noch Chancen auf ein neues Vertragspapier, favorisiert der frühere Immobilienunternehmer doch klar einen Kurs des billigen Geldes. Da Yellen und Powell einen deutlich langsameren Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik verkörpern, dürfen starke Renditesprünge auf deren (Re-) Nominierung ausbleiben.

Die jüngsten Konjunkturdaten aus Deutschland unterstreichen den anhaltenden konjunkturellen Boom. Alle drei Komponenten des Ifo-Index expandierten auf Rekordstände für den Oktober und gaben den Bund-Renditen enorme Unterstützung. Die nächste Woche wird von Fundamentaldaten und der Fed-Sitzung (01.11.) bestimmt sein. Die Fed dürfte jedoch wenig Neues verkünden, ein Zinsschritt ist erst im Dezember zu erwarten. Bis dahin bleibt die Personalentscheidung an der Spitze der Notenbank das dominierende Thema. Das BIP für das dritte Quartal (27.10.) und der Arbeitsmarktbericht (03.11.) werden zudem auf der US-Seite die Schlagzeilen dominieren. Zudem stehen die Wachstumszahlen der Eurozone (Q3, 31.10.) sowie die US-ISM-Indizes (01.11.) auf der Agenda.