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Künftig partnerschaftlich verbunden: San Francisco (l.) und Kiel (© Getty Images)
Kiel und San Francisco
28.09.2017

Als erste deutsche Stadt ist es Kiel gelungen, eine Städtepartnerschaft mit San Francisco abzuschließen. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) erklärt im Gespräch mit Unternehmer Positionen Nord was sich Stadt und Region von der Partnerschaft erhoffen und weshalb Google bereits in der Region unterwegs gewesen ist.

Was erhoffen Sie sich von der Städtepartnerschaft zwischen Kiel und San Francisco?

Ulf Kämpfer: Städtepartnerschaften standen früher im Zeichen der Völkerverständigung und der Aussöhnung. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren das wichtige Motive. Jetzt sind wir in einer Phase, in der die Städte eher schauen, wie sie von einer Partnerschaft wirtschaftlich profitieren können. Das ist auch bei unserer Verbindung mit San Francisco ein wichtiger Aspekt.

Was heißt das?

Ulf Kämpfer: Oft geht es schlicht um best practice. Also: Wir beobachten, was andere gut machen, und versuchen, das ebenso umzusetzen. Das Besondere an der Partnerschaft mit San Francisco ist, dass sie eigentlich eine Verbindung zwischen zwei Regionen ist. Der Verein „The Bay Areas“ begreift sich als regionaler Verein. Die schleswig-holsteinische Landesregierung, mit der wir ein Wirtschaftsbüro in San Francisco eröffnen werden, ist ebenso Mitglied wie die Fachhochschule Lübeck, aus Schleswig-Holstein sind viele Institutionen und Einzelpersonen dabei.

Die wirtschaftliche Verbindung scheint bereits gut zu funktionieren. Google war auf Erkundungstour in Kiel und Umgebung.

Ulf Kämpfer: Wir haben in Kiel und im Norden viel zu bieten, nur wissen das noch nicht genügend Leute. Vergangenes Jahr haben wir mit einer Delegation Google besucht. Als wir erzählten, dass wir 100 Prozent erneuerbare Energien in unserem Stromnetz haben und in Kiel das erste fossile Kraftwerk für die Energiewende bauen – das ist eine Gasmotoren-Anlage – wurden unsere Gastgeber hellhörig. Schließlich beschreibt sich Google als der weltweit größte Abnehmer erneuerbarer Energien. Sie fanden unsere Projekte so interessant, dass sie mit einer Delegation zu uns kamen und mehrere Tage im Land unterwegs waren.

Neue Städtepartner: San Franciscos Bürgermeister Edwin M. Lee, Stadtpräsident Hans-Werner Tovar und Ulf Kämpfer besiegelten im Kieler Rathaus die Zusammenarbeit (v.l.n.r.) (© Landeshauptstadt Kiel)

Gibt es bereits andere wirtschaftliche Verknüpfungen?

Ulf Kämpfer: Ja, im Rahmen der Unterzeichnung der Partnerschaft fanden Termine von Vertretern aus dem Medizinbereich statt. In San Francisco findet nächstes Jahr eine internationale Klimaschutzkonferenz statt. Dort ist die Stadt Kiel als Modellkommune vertreten, Expertinnen und Experten des Meeresforschungszentrums Geomar sind ebenfalls eingeladen. Die Technologiebranche und die Start-ups in San Francisco und im Silicon Valley sind einzigartig. Das eröffnet für unsere Unternehmen neue Chancen. Aber wir alle können viel mitnehmen – auch was unsere Herangehensweise an Themen betrifft. Die positive Einstellung, die in San Francisco herrscht, finde ich sehr spannend und ist mir als sozialdemokratischer Oberbürgermeister sehr sympathisch: linksliberal und trotzdem offen für neue Technologien.

Wie wirkt sich diese Einstellung aus?

Ulf Kämpfer: Wir haben kürzlich unsere erste „Digitale Woche Kiel“ organisiert. Viele haben mir davon abgeraten, weil der Vorlauf recht kurz war. Ich wollte aber nicht bis zum nächsten Jahr warten. Mein Ansatz war: Wir machen 2017 eine Beta-Version und lernen daraus – so agieren viele Firmen aus dem Silicon Valley. Im Endeffekt war unsere Veranstaltung ein großer Erfolg.

San Francisco ist begehrt. Wie ist es Kiel gelungen, als einzige deutsche Kommune Partnerstadt zu werden?

Ulf Kämpfer: Der Anfang wurde durch eine persönliche Beziehung gemacht, dazu gibt es in San Francisco eine starke deutsche Community. Aber vor allem ist Kiel auch eine Hafenstadt, deren Wirtschaft immer mehr wissensbasiert ist und die sich stark für den Klimaschutz engagiert. Ein gutes Beispiel dafür ist das Abschalten unseres Kohlekraftwerks. So verringern wir die CO2–Emissionen in Kiel um 70 Prozent. Was man auch nicht vergessen darf: In San Francisco ist der Tourismus die wirtschaftlich wichtigste Branche, Nummer zwei ist die Gesundheitswirtschaft – in beiden Bereichen ist Kiel gut aufgestellt. Da gibt es viele Schnittstellen.

Wie geht die Partnerschaft nun weiter?

Ulf Kämpfer: Es wird weitere Besuche von verschiedenen Delegationen geben, Schulen versuchen, einen Austausch zu organisieren, Unternehmen kommen zusammen. Es tut sich viel. Es gibt jetzt schon etliche Firmen aus der Region, die enge Kontakte ins Silicon Valley haben – die vernetzen sich durch die Partnerschaft auch untereinander und lernen sich besser kennen. Das ist ebenfalls ein positiver Effekt.

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