SUCHE

Stetiger Zuwachs: Windkraft- und Solaranlage in Schleswig-Holstein (© Getty Images)
HUSUM Wind 2017
05.09.2017

Die Fachmesse in Schleswig-Holstein bietet einem Fachpublikum das Forum, sich über neue Entwicklungen und Innovationen im Bereich Windkraft auszutauschen. Diesmal steht auf der Agenda oben die Sektorkopplung und Netzintegration.

In einer Husumer Viehauktionshalle wurde im Oktober 1989 die weltweit erste Messe der Windkraftindustrie veranstaltet, damals mit 20 Ausstellern. Inzwischen ist die alle zwei Jahre stattfindende HUSUM Wind mit rund 650 Ausstellern eine globale Leitmesse der Branche. Parallel haben sich die erneuerbaren Energien zu einer wichtigen Wirtschaftskraft weltweit entwickelt.

Auf der Messe vom 12. bis 15. September erwarten die Organisatoren über 18.000 Fachbesucher. Die HUSUM Wind bietet ein Forum, sich unter anderem über neue Entwicklungen und Innovationen auf dem deutschen und internationalen Markt auszutauschen und findet im zweijährigen Wechsel mit der WindEnergy Hamburg statt.

Alles ist besser, als den wertvollen Windstrom auf Grund mangelnder Infrastruktur verpuffen zu lassen

Thomas Seifried, Projektleiter HUSUM Wind

Beim Sonderthema „Sektorkopplung und Netzintegration" geht es dieses Jahr um intelligente, alternative Verwendungsmöglichkeiten für Windstrom. Anstatt die Windstromanlagen bei Netzüberlastung abzuschalten, kann der Strom beispielsweise zur Hydrolyse, also zur Produktion von Wasserstoff, verwendet werden. „Alles ist besser, als den wertvollen Windstrom auf Grund mangelnder Infrastruktur verpuffen zu lassen“, sagt Projektleiter Thomas Seifried. Die Stromspeicherung ist nach wie vor eine der größten Herausforderungen für die Branche. Die Tatsache, dass bei Überkapazität Stromnetzbetreiber Windkraftanlagen vom Netz nehmen können, sollten Windparkbetreiber deshalb auch bei den Auktionen einkalkulieren. „Es geht darum, eine stärkere Sektorkopplung darzustellen“, sagt Lars Quandel, Leiter Energie & Infrastruktur der HSH Nordbank. „Speicher sind dabei ein Medium, aber gleichzeitig müssten wir die Produktion, den Verbrauch und den Transport mehr in Einklang bringen.“

Erstmals werden auch Altanlagen ein wichtiges Thema der HUSUM Wind sein. „Das Problem, was passiert, wenn bei alten Anlagen die Einspeisevergütung wegfällt, werden wir auf der Messe beleuchten", sagt Messe-Geschäftsführer Peter Becker. Wenn der Weiterbetrieb keinen Sinn macht, müsse geklärt werden, was mit den abzubauenden Anlagen geschieht. „Auch das Thema Recycling ist zum ersten Mal Teil der Diskussion auf einer Windmesse“, sagt Becker.

Die zunehmende Bedeutung von regenerativen Energien spiegelt sich auch in der Bundestagswahl wider. So fand die Frage nach dem Ausbau der erneuerbaren Energien und der dauerhaften finanziellen Förderung durch den Bund Eingang in den diesjährigen Wahl-o-maten. Alle großen Parteien sehen in der Technologie ein wichtiges Element für den Energiemix der Zukunft. Doch CDU/CSU lehnt die Subvention aus Haushaltsmitteln ab und favorisiert eine Finanzierbarkeit aus der EEG-Umlage; auch AfD und FDP sprechen sich gegen Fördermittel aus; auf erneuerbare Energieträger sollen „die Regeln des Marktes“ angewandt werden, wie es im Parteiprogramm der Liberalen heißt. Die SPD dagegen will den Anteil erneuerbarer Energien mittels Bezuschussung durch Bundesmittel stetig erhöhen, genauso wie Grüne und Linke. Spätestens bis 2050 soll die Energieerzeugung CO2-neutral erfolgen“, heißt es im Programm der Sozialdemokraten.

UP Nord berichtet vom Neujahresempfang des Bundesverbandes Erneuerbarer Energien

Bei der Husum Wind wird auch die politische Debatte aufgegriffen. Partnerbundesland ist Nordrhein-Westfalen. NRW sei ein starkes Industrieland mit einer hohen Dichte an Zulieferern für die Branche, sagte Geschäftsführer Becker. „Dort passiert viel in Bezug auf erneuerbare Energien – vielleicht nicht bei den Aufstellzahlen, aber auf jeden Fall im Bereich der industriellen Wertschöpfung.“ Windenergie sei kein alleiniges Aufstell- oder Betreiber-, sondern ein Industrie-Thema.

Nirgendwo wird das so deutlich wie in Husum. Der Standort könne authentischer nicht sein, heißt es auf der Messe-Homepage. „Inmitten von Nordfriesland, der Wiege der Windindustrie, ist und bleibt die HUSUM Wind mehr als nur eine Messe: Atmosphäre, Kongress, Events sowie der besondere Spirit machen sie so einzigartig.“

Auch interessant:

Kurzstudie Windparks

„Kompensation durch Risikoaufschlag“

28.04.2017 Volker Brokelmann über Risiken aus negativen Strompreisen

Weiterlesen
Energiexperte Prof. Dr. Werner Beba (©Jan-Simon Huußmann)
Erneuerbare Energien

„Eine Blaupause für die Energiewende“

08.03.2017 Interview mit Prof. Dr. Werner Beba über das Großprojekt NEW 4.0, das einen revolutionären Ansatz verfolgt.

Weiterlesen Zum Video