SUCHE

Gute Stimmung auf dem Parkett: Der Dax hat sich wieder stabilisiert (© Getty Images)
Aktienmärkte
15.09.2017

„Die weltweiten Risiken gingen zurück. Dies lässt die Risikobereitschaft der Anleger steigen “, meint Analyst Jan Edelmann. DAX zeigt sich wieder erholt. S&P 500 und MSCI World erreichen Rekordstände.

Die weltweiten Aktienindizes haben sich in den vergangenen Tagen in freundlicher Stimmung präsentiert. Der DAX legte im Wochenvergleich um 2,5 % auf 12530 Punkte zu, der Euro Stoxx 50 kletterte um 2,3 % auf 3523 Zähler. Der deutsche Leitindex hat nach sieben Handelstagen mit Kursgewinnen in Folge gegenüber dem Tief von 11869 Punkten Ende August nicht nur diese Verluste ausgebügelt, sondern gar nahezu alle über die Sommermonate hinweg erlittenen Rückgänge wettgemacht. Auch der S&P 500 konnte in den Tagen vor der Fed-Sitzung anziehen und markierte mit 2498 Zählern ein neues Rekordhoch. Auch der häufig als Weltaktienindex bezeichnete MSCI All Country Index erreichte bei einem Stand von 483,79 Punkten ein Allzeithoch.

Vor allem dürfte eine gestiegene Risikobereitschaft der Anleger zu diesem Rebound an den Aktienmärkten beigetragen haben. Bei den größten Risikofaktoren (Nordkorea-Konflikt und US-Schuldenobergrenze) zeichnet sich eine deutliche Entspannung ab. In den USA könnten Aussagen aus dem Weißen Haus, wonach die Steuerreform doch auf einem guten Weg sei und man bald mit einem Entwurf aus dem Kongress zu rechnen sein dürfte, dazu beigetragen haben, dass die Aktienkurse gestiegen sind. Einhellige Meinung scheint zu diesem Thema zu sein, dass ein Unternehmenssteuersatz von 15 % ins Reich der Träume gehört, dennoch dürfte auch bereits eine kleine Steuererleichterung den Beifall der Marktteilnehmer bescheren. Positive Nachrichten zur Steuerreform wurden jedoch immer mal wieder verbreitet. Ohne Zählbares sollte man bei der Bewertung solcher Nachrichten dennoch vorsichtig sein. Die Mischung aus steigender Risikobereitschaft und höheren Aktiennotierungen ließ den Goldpreis in den vergangenen Tagen deutlich fallen. Der Goldpreis notiert gegenwärtig bei 1300 US‑Dollar/Feinunze und damit etwa 50 US-Dollar über dem von uns berechneten Fair-Value. Sollte die Risikobereitschaft der Anleger weiter zunehmen, so ist mit weiteren Rückgängen bei dem gelben Edelmetall zu rechnen.

Angesichts der spürbaren Erholung der Aktienmärkte lohnt sich erneut ein Blick auf unser Über- und Unterbewertungsmodell für den DAX und den S&P 500 (siehe Grafik unten). Die historischen Durchschnittsbewertungen, die im Bereich von 0,9 bis 1,1 liegen, zeigen, dass sich die Indizes in der Zeitreihe tendenziell im Gleichschritt bewegen. Die Fundamentalwerte des DAX haben sich nach einer Zeit der Überbewertung im Vergleich zum S&P 500 wieder gefangen und liegen immer noch im Bereich des Normalniveaus. Dagegen erscheint der S&P 500 nach Erreichen des jüngsten Rekordhochs im Vergleich zum DAX laut unserem Modell als zu teuer. Andererseits ist die Schwankungsintensität an den Märkten so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Dies stellt für viele Privatanleger eine willkommene Entwicklung dar und könnte durchaus auch weitere bisher weniger stark investierte Anleger anziehen. Zwar dürften die Indizes auch in den kommenden Monaten Zuwächse erfahren, allerdings sollten sich von Zuwachsraten im Vergleich zu der in der jüngeren Vergangenheit beobachteten Performance abschwächen. Dies gilt auch im Zusammenhang mit dem von uns für das kommende Jahr erwarteten Anstieg der Bundrenditen als Reaktion auf die Kürzungen des Anleihekaufprogramms der EZB.