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Konzeptfahrzeug von Smart: der Vision EQ (@ Smart)
Autonomes Fahren
28.09.2017

Autonomes Fahren wird Teil eines modernen Flottenmanagements. An die Fuhrparkleiter stellt die Technologie neue Anforderungen. Problematisch ist, dass Autos zwar heute bereits rollende Computer sind, die Eigentumsfrage für Daten aber noch nicht abschließend geregelt ist.

„Unsere Industrie ändert sich wohl wie nie zuvor in ihrer Geschichte“

Dr. Dieter Zetsche, Vorstandsvorsitzender Daimler AG

Der Mensch zieht schon mal mit. Nach einer Umfrage der Marktforscher von Deloitte sind 85 Prozent der Befragten überzeugt, dass sich autonomes Fahren langfristig durchsetzen wird. „Unsere Industrie ändert sich wohl wie nie zuvor in ihrer Geschichte“, sagte Daimler-Chef Dr. Dieter Zetsche auf der Zukunftskonferenz „me Convention“ in Frankfurt am Main. „Autos fahren künftig elektrisch und mit der Umgebung vernetzt selbstständig durch den Verkehr.“ Die Daimler-Tochter Smart stellte auf der IAA in Frankfurt das Konzeptfahrzeug Vision EQ vor. Nach Eingabe des Fahrtziels via App auf dem Smartphone steuert der Zweisitzer das Fahrziel ohne Zutun des Fahrers an.

Auch wenn es sich beim Vision EQ noch um ein Konzeptfahrzeug handelt, sind Technologien rund ums autonome Fahren wie Fahrassistenz-Systeme, Einparkhilfen und integrierte Abstandsmesser nicht mehr aufzuhalten. Für Unternehmen, die sie einsetzen wollen, bedeutet das zahlreiche Herausforderungen. Das autonome Fahren muss ins Konzept eines modernen Flottenmanagements passen. Der Fuhrparkleiter muss zum Beispiel jederzeit den genauen Überblick haben, welche Systeme in welchen Fahrzeugen verfügbar sind. Mehr Telematik im Fahrzeug bedeutet auch mehr Daten und mehr Informationen, die analysiert und überwacht werden müssen – Weiterbildungsmaßnahmen für die betreffenden Mitarbeiter scheinen hier unumgänglich.

Für Unternehmen, deren Mitarbeiter in Firmenfahrzeugen unterwegs sind, sind dabei vor allem der Komfort- und Zeitgewinn interessant. 61 Prozent der Befragten der Deloitte-Studie wären bereit, einen Aufpreis zu zahlen, wenn sie in besonders unangenehmen Verkehrssituationen von der Fahraufgabe befreit würden. Dazu zählen etwa ein Stau mit Stop-and-go-Verkehr, bei dem Staupiloten gute Dienste leisten könnten. Besonders ältere Fahrer finden der Studie zufolge die Suche nach einem Abstellplatz nervenaufreibend. 55 Prozent von ihnen würden dafür zahlen, wenn ihr Fahrzeug diese Aufgabe selbstständig erledigt.

Beim autonomen Fahren zählt man den Automatisierungsgrad von „Level 1“, bei dem der Fahrer wenige Assistenzsysteme zur Verfügung stehen, bis „Level 5“, bei dem sich das Fahrzeug vollautonom auf der Straße bewegt. Daimler rechnet mit solchen vollautonomen Fahrzeugen ab dem Jahr 2030, die niedrigen Level mit immer fortschrittlicheren Assistenzsystemen werden aber viel früher erreicht und sind zum Teil schon heute Realität. Das bringt gerade für Unternehmen Herausforderungen mit sich.

Das Auto als Datenquelle

Problematisch ist zum Beispiel, dass Autos zwar heute bereits rollende Computer sind, die Eigentumsfrage für Daten jedoch nicht abschließend geregelt ist. Der rechtskonforme Umgang mit Daten und der Schutz von Persönlichkeitsrechten hat gleichwohl für Unternehmen eine hohe Bedeutung. Prof. Dr. Volker Lüdemann von der Hochschule Osnabrück erklärt sich das Interesse von Google und Apple an Fahrzeugen auch damit, dass diese neben Smart Home die wichtigsten Datenquellen der Zukunft sind.

Kritiker werfen der vom Dieselskandal erschütterten deutschen Automobilwirtschaft gern vor, Zukunftsthemen wie Elektromobilität oder dem autonomen Fahren verschlafen zu haben. Ein Blick auf eine Statistik des IW Köln lässt diese Einschätzung zumindest beim autonomen Fahren fragwürdig erscheinen. Denn die drei Automobilhersteller und -zulieferer mit den weltweit meisten Patentanmeldungen im Bereich des autonomen Fahrens im Zeitraum von 2010 bis 2016 stammen mit Bosch, Audi und Continental allesamt aus Deutschland. Mit BMW, Daimler und Volkswagen sind drei weitere Unternehmen aus Deutschland unter den zehn weltweit größten Patentanmeldern im Bereich autonomes Fahren.

Laut einer vom ADAC beauftragten Studie des Zukunftsinstituts hat Deutschland alle Chancen, Technologieführer einer vernetzten und digitalen Mobilitätswelt zu werden. „Die digitale Vernetzung von Nutzern, Diensten, Fahrzeugen und Infrastruktur wird zum wichtigsten Treiber. Im Fokus der künftigen Mobilitätswelt steht die gesamte Mobilitätskette und nicht mehr nur ein Verkehrsträger und Verkehrsmittel“, so die Autoren. Das Konzept der vernetzten Mobilität, in die sich das autonome Fahren einfügt, wird wohl dafür sorgen, dass es im ersten Schritt für Unternehmen in großen deutschen Metropolen und erst dann in ländlichen Regionen ein Thema wird. Aber aufhalten lässt sich die Technologie auch in der Fläche nicht.

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