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Die Ruhe nach dem Hurrikan: Land unter in Florida (© Getty Images)
Rentenmärkte
15.09.2017

„Am Anleihemarkt führt gegenwärtig eine Vielzahl unterschiedlicher Faktoren zu Renditenanstiegen“, urteilt Marius Schad. Der Anleihemarkt ist in Bewegung. US-, Bund- und Euro-Peripherie-Renditen verzeichnen starke Zuwächsen. Inflationsdaten warten.

In den Zinsmarkt ist Belebung zurückgekehrt. Die Renditen für Staatsanleihen konnten in der abgelaufenen Berichtswoche vielerorts Zugewinne erzielen. Bund- und US-Renditen legten auf Wochensicht neun bzw. dreizehn Basispunkte zu und liegen nun bei 0,39 % bzw. 2,18 %. Auch in der Euro-Peripherie ziehen die Renditen an. Eine Mischung aus geopolitischer Entspannung, unveränderten konjunkturellem Optimismus und länderspezifischen Entwicklungen half den Renditen auf die Sprünge.

Die zehnjährigen europäischen Staatsanleihen haben eine turbulente Woche hinter sich. Nicht nur die Bund-Renditen zogen kräftig an. Auch spanische (+10 bp auf 1,58 %), portugiesische (+8 bp auf 2,82 %) und französische Staatsanleihen (+9 bp auf 0,69 %) rentieren höher als zur Vorwoche. Händler nehmen dabei teilweise länderspezifische Risiken verstärkt ins Visier. Die Ungewissheit über den Ausgang des Unabhängigkeits-Referendum in Katalonien (01.10.) und dessen Rechtmäßigkeit lassen die Nervosität in den spanischen Anleihemarkt zurückkehren. Die Vorstellung des Arbeitsmarktprogramms der französischen Regierung wurde von massiven Protesten begleitet. Die Peripherie-Spreads blieben zwar relativ konstant, könnten jedoch bei einer Verschärfung der Lage in den Ländern in Bewegung kommen. Neue Nahrung gibt es in der kommenden Woche auf der Seite der Inflation. Der CPI für die Eurozone gibt kommenden Montag (18.09.) Aufschluss über die Preisentwicklung der Eurozone. Ein stärker als erwarteter Preisauftrieb sollte die Renditen für Bunds anziehen lassen.

Die langfristigen US-Renditen sind aus ihrem Rückwärtsmodus gekommen. Die ausbleibenden Gesetzesvorhaben der regierenden Republikaner, zwei Hurrikans im Golf von Mexiko sowie die Spannungen zwischen den USA und Nordkorea haben internationale Investoren zuletzt bei zehnjährigen US-Treasuries verstärkt zugreifen lassen. Der jüngste Renditeanstieg in den Treasuries drückt insoweit eine witterungsbedingte und geopolitische Normalisierung aus, haben die geopolitischen Spannungen zwischen den USA und Nordkorea doch zuletzt keine neue Schärfe erhalten. Zusätzlich hat sich durch den jüngsten Hurrikan die Problematik der US-Schuldenobergrenze vorerst gelöst: Denn im Zusammenhang mit der Verabschiedung der Soforthilfe zum Wiederaufbau in den von den Hurrikans betroffenen Bundesstaaten verabschiedete der US-Kongress auch eine dreimonatige Zwischenfinanzierung bis Dezember. Dies half den US-Renditen aus der Talsohle. Perspektivisch könnten beide Hurrikans auch die Verabschiedung des Trump-Infrastrukturpakets beschleunigen und den US-Renditen zusätzlichen Auftrieb geben. Vor der Fed-Sitzung kommende Woche (19./20. September) wird die heutige Veröffentlichung des US-CPI für den August wichtige Anhaltspunkte zur Inflationsentwicklung bereithalten. Yellen, Fisher & Co. werden nächste Woche nicht an der Zinsschraube drehen, jedoch genauere Details zur Reduktion der Fed-Bilanz verlautbaren. Den nächsten Zinsschritt prognostizieren wir für den Dezember.