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„Living Wall“ am CaixaForum in Madrid (© Getty Images)
Umwelt
23.08.2017

Grünfassaden sorgen nicht für ein besseres Klima, sondern verhelfen Unternehmen auch zu einem positiven Image. Sichtbares und für das Klima nützliches Grün, darauf zielt auch die Strategie zur Fassadenbegrünung, die Hamburg in den kommenden drei Jahren im Rahmen des „Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus“ anstoßen will.

Die katalanische Sparkasse La Caixa ist das drittgrößte Kreditinstitut Spaniens und die größte Sparkasse Europas. Über ihre Stiftung „Fundacio La Caixa“ unterstützt die Bank kulturelle und soziale Organisationen. Das damit geschaffene positive Image, so der Gedanke, färbt auch auf die Bank ab. Im Jahr 2008 trat die Stiftung als Bauherr des CaixaForums in Erscheinung, einem Kulturzentrum im Herzen von Madrid. Zum Touristenmagnet wurde es vor allem durch den vertikalen, an einer Hauswand gepflanzten Garten von Patrick Blanc. Die Konstruktion beherbergt rund 15.000 Pflanzen. Sie verbessert nicht nur das Kleinklima, sondern auch das Image der Sparkasse La Caixa. „Im Wald zu wohnen, ist möglicherweise eine gute Art, die Liebe zur Natur auszudrücken. Aber im Betondschungel zu wohnen ist sehr viel ökologischer. Wer die Natur liebt, der lässt sie möglichst in Ruhe,“ sagt Harvard-Professor Edward Glaeser in seinem Buch „Triumph of the City“.

Kleines Plus fürs Raumklima: Vertikaler Garten im Miniformat bei Merck (© Getty Images)

Das Grün muss also in die Stadt. Diese Erkenntnis hatte in Deutschland in den 80er Jahren zu einem Förderprogramm für Dachbegrünungen geführt. Das Problem ist, dass sich die Pracht der Dachgärten dem Betrachter von unten nicht erschließt – im Gegensatz zu einer „Living Wall“. Deren Schönheit können derzeit Besucher der Internationalen Gartenbau Ausstellung (IGA) in Berlin bewundern. Ein ähnliches Konzept war bereits auf der Internationalen Gartenschau 2013 in Hamburg zu sehen gewesen.

Hamburgs Stadtklima soll besser werden

Sichtbares und für das Klima nützliches Grün, darauf zielt auch die Strategie zur Fassadenbegrünung, die Hamburg in den kommenden drei Jahren im Rahmen des „Experimentellen Wohnungs- und Städtebaus“ anstoßen will. Für das Projekt „Bau nie ohne! Urbanes Grün in allen Dimensionen“ erhielt Umweltsenator Jens Kerstan von Bundesbauministerin Barbara Hendricks einen Förderbescheid über 158.000 Euro. „Mit der Begrünung von Bauwerksfassaden und Dächern können wir die Folgen des Klimawandels wie Hitze und Starkregen, aber auch Beeinträchtigungen durch Feinstaub und Lärm mindern. Die Fassadenbegrünungsstrategie für Hamburg wird einen positiven Beitrag für ein besseres Stadtklima und zum Gesundheitsschutz der Bewohnerinnen und Bewohner leisten“, sagte Hendricks bei der Übergabe. Nachdem die Hansestadt bereits 2014 eine Gründachstrategie gestartet hat, werden nun mit dem Forschungsprojekt „Green Urban Labs“ neue Ideen rund um das Thema Stadtgrün erprobt. Im Programm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ testen zwölf Städte neue Formen für mehr Grün in den Städten, auch Hamburg ist vertreten. Dabei wird die Hansestadt untersuchen, wie Elemente einer grünen Infrastruktur mit vorhandenen baulichen Strukturen verknüpft werden können.

Der Nutzen ist unbestritten. „Mit begrünten Fassaden ließen sich theoretisch ganze Straßenzüge runterkühlen“, sagt Magnus Wessel von der Umweltschutzorganisation BUND. Diesen Weg geht auch Österreichs Hauptstadt Wien, die 2015 einen Begrünungsplan vorgestellt hat. Die in einem Großteil der Stadt vorgeschriebenen Dachbegrünungen sollen durch Fassadenbegrünungen ergänzt werden.

Begrünung geht auch indoor

Besonders spektakulär, aber auch aufwändiger als die gängige Fassadenbegrünung mit Kletterpflanzen sind Vertikal-Beete, wie sie im CaixaForum zu sehen sind. Bei ihnen wird ein gleichzeitig als Bewässerungssystem dienendes Gewebe an die Außen- oder Innenfassade aufgehängt. Daran befestigte Kübel, Pflanztaschen oder kissenartigen Behälter werden anschließend mit Pflanzsubstrat befüllt. Farne, Gräser oder Moose eignen sich dafür in Mitteleuropa besonders. Wegen möglicher Fröste können ohnehin nur Pflanzen verwenden können, die der Kälte standhalten können. Angesichts dieser Wetter-Hypothek ist es wenig erstaunlich, dass die Vertikal-Beete zunächst eine Region mit optimalen klimatischen Bedingungen eroberten: Südostasien. Ganz weit vorn ist Singapur. Der Stadtstaat will seine Bewohnerzahl trotz limitierter Fläche verdoppeln und hat im Rahmen des Projekts „City in a Garden“ Firmen eingeladen, Begrünungskonzepte für Hochhausfassaden zu entwickeln. Der reiche Stadtstaat kann es auch verschmerzen, dass die Modulsysteme bis zu 1000 Euro pro Quadratmeter kosten können. Die laufenden Kosten hängen aber auch stark von der Stockwerkhöhe ab – sie sind für Unternehmen mit einer geringen Zahl von Stockwerken also eher finanzierbar. Wer den Aufwand nicht scheut, wird nicht nur mit dem schönen Anblick, sondern auch einem verbesserten Kleinklima belohnt. Das geht sogar in Innenräumen, wie ein vertikaler Garten im Miniformat beim Pharmaunternehmen Merck zeigt. Ins Gespräch bringt man sich als Unternehmen damit auf jeden Fall. Einen offensichtlicheren Ausdruck von Nachhaltigkeit kann es kaum geben, wenn man als Unternehmen im Wortsinn seine grüne Seite zeigt.