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Hamburg hat ideale Bedingungen für junge Unternehmen (© Getty Images)
Start-up-Szene
30.08.2017

Noch liegt die Hansestadt bei der Zahl der ansässigen Start-ups deutlich hinter Berlin zurück. Aber In keiner anderen Stadt wurden zwischen 2014 und 2016 so viele Unternehmen gegründet wie an der Elbe, und es gibt weiter Indikatoren für Wachstum. Die Bedingungen für junge Unternehmen gerade rund um das Thema E-Commerce sind ideal.

Zum Beispiel SportScheck. Deutschlands größte Sporthandelskette wird demnächst über die eigene Internetseite auch Training in Fitnessclubs anbieten. Zu diesem Zweck hat sich das Tochterunternehmen des Otto-Konzerns am Hamburger Start-up Fitfox.de beteiligt. Die 2013 gegründete Firma vermittelt Sport- und Trainingskurse in Fitnessstudios, für die keine langfristige Mitgliedschaft erforderlich ist. Diese Angebote sollen künftig auch über das Portal von SportScheck abrufbar sein.

Fitfox.de ist eines von rund 600 Start-ups aus Hamburg und ein Beispiel für die aufstrebende Gründerszene an der Elbe. Noch liegt die Hamburg deutlich hinter Berlin zurück; in der Hauptstadt haben sich rund 2000 Start-ups angesiedelt. Aber es gibt Hinweise darauf, dass der Zweitplatzierte aufholt. In keiner deutschen Stadt wurden zuletzt so viele Unternehmen gegründet wie in Hamburg. Das geht aus dem Ende Mai veröffentlichten Gründungsmonitor der KfW hervor – zwischen 2014 und 2016 haben sich hier 253 von 10.000 Erwerbsfähigen pro Jahr selbständig gemacht, in Berlin waren es 238. Auch eine Studie der Unternehmensberatung PwC bestätigt den Aufwärtstrend. Demnach ist Hamburg bei der Digitalisierung der Mobilität die modernste Stadt Deutschlands. Hinzu kommt: In Hamburg gibt es neben dem Hafen, der Logistik- und Luftfahrtbranche viele Werbeagenturen, Medien- und IT-Unternehmen. Internetfirmen wie Google, Facebook, Twitter und Dropbox haben hier Zentralen, auch der Social-Media-Konzern Snap, die Firma hinter der bekannten App Snapchat, wird ein Büro beziehen. Hamburg gilt auch als „Game-City“, weil hier die großen Computerspieleentwickler sitzen.

In Hamburg sind zurzeit rund 600 Start-ups ansässig (© Getty Images)

„Berlin ist der Sandkasten der Start-up-Szene. In Hamburg geht es etwas substanzieller zu“

Sascha Lobo, Internetpionier

„Berlin ist so etwas wie der Sandkasten der Start-up-Szene, eine Art Nichtschwimmerbecken, in dem viel ausprobiert wird. In Hamburg geht es etwas substanzieller zu“, sagt Sascha Lobo, Autor und Vordenker der Internetgemeinde, der in Hamburg schon zwei Firmen mitgegründet hat. „Beide Standorte sind gleich wichtig, Wir brauchen sie unbedingt.“ Stark im Wachsen ist die Hamburger Fintech-Szene. Kreditech, das größte deutsche Finanz-Start-up, hat seinen Sitz an der Elbe.

Aber wirtschaftlich stark und bedeutend haben die Freie und Hansestadt geschichtsträchtige Handelshäuser wie Edeka, Otto, Helm, Cremer, Tchibo und Hawesko gemacht. Sie prägen den Ruf der Handelsmetropole noch heute. Mit gut 110 Milliarden Euro ist das Bruttoinlandsprodukt Hamburgs höher als das ganzer Staaten.

Damit in den disruptiven Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung die Konkurrenzfähigkeit Hamburgs gesichert bleibt, haben es sich Joint-Ventures wie der Next Commerce Accelerator NCA, getragen von der HSH Nordbank und seinen Partnern, zur Aufgabe gemacht, die etablierten Handelsunternehmen mit Experten und Start-ups zusammenzubringen, um sie beim digitalen Wandel zu unterstützen; junge Unternehmen können dabei wichtige Impulse liefern. Die Rahmenbedingungen stimmen. „Hamburg ist für das Thema E-Commerce der ideale Standort. Hier treffen rund 10.000 Handelsunternehmen auf marktführende Dienstleister wie SinnerSchrader, pilot, PublicisPixelpark und Novomind“, sagt der parteilose Wirtschaftssenator Frank Horch. Laut „Hamburg Start-up-Monitor“ gibt es 140 E-Commerce-Start-ups.

(© Hamburg Start-up-Monitor)

Ähnlich sieht das Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Start-ups: „In Hamburg trifft ein starkes Tech-Cluster auf ein deutschlandweit einmalig dichtes Netzwerk von Unternehmen aus der Medien-, Kultur- und Kreativwirtschaft.“

Auch für die Zeit nach der ersten Gründungsphase wird in Hamburg gesorgt, denn Finanzierungsrunden sind für Start-ups nicht immer unproblematisch und Beteiligungen wie von SportScheck bei Fitfox.de nicht die Regel. So wurde im Januar 2016 in der Bürgerschaft die Einrichtung eines mit 100 Millionen Euro gefüllten Fördertopfes beschlossen mit dem Ziel, bereits existierende jungen Unternehmen finanziell zu unterstützen. Denn anders als in der Gründungsphase, für die es genug Mittel gebe, fehle solche Hilfe für Wachstumsphasen junger Unternehmen, in denen es darum gehe, den Markt zu durchdringen. Noch wird die Vergabe der Fördergelder geprüft.

Grünen-Fraktionschef Dr. Anjes Tjarks betonte gegenüber dem „Hamburger Abendblatt“: „Wir wollen privates Risikokapital nach Hamburg holen und damit junge Unternehmen unterstützen. Da hierfür aber auch Steuermittel gebraucht werden, gilt in der Vorbereitung: Sorgfalt vor Schnelligkeit."

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