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Von Mario Draghi werden klare Worte erwartet (© Getty Images)
Rentenmärkte
01.09.2017

„Neue Hinweise über die Reduzierung des QE-Volumens könnten bei der EZB-Sitzung am Donnerstag erfolgen“, so Marius Schad. Geopolitisches Säbelrasseln gibt sicheren Häfen Zulauf. US-Anleihemarkt antizipiert Hängepartie bei Erhöhung der US-Schuldenobergrenze.

Die Rentenmärkte werden gegenwärtig stark von politischen Entwicklungen in Fernost getragen. Nordkoreas Raketenstart löste eine Fluchtbewegung in sichere Staatsanleihen aus, während konjunkturelle Indikatoren in den Hintergrund gerieten. Die Renditen für Bundesanleihen und für US-Treasuries gaben nach und notieren aktuell bei 0,37 % bzw. 2,14 % respektive (Vorwoche 0,40 % bzw. 2,19 %).

Die andauernden Provokationen Nordkoreas gipfelten am Montag (28.08.) erneut in einem Raketenstart. Insgesamt scheint eine neue Eskalationsstufe erreicht, da die US-Regierung fortan offenbar auch militärische Optionen prüfen wird. Die Marktteilnehmer quittierten dies mit einer starken Nachfrage nach sicheren Assets. Die zehnjährigen Bundesanleihen verloren in der Spitze der geopolitischen Eskalation fast 8 Basispunkte, gewannen jedoch an den Folgetagen wieder hinzu. Auch ihre US-Pendants gaben zeitweise auf 2,09 % nach; ein Renditeniveau, welches zuletzt am Tag nach der US-Präsidentenwahl realisiert wurde. Der Aufwärtstrend in den US-Renditen scheint endgültig zum Erliegen gekommen zu sein und das trotz starker Konjunkturdaten. Das US-BIP wuchs im zweiten Quartal auf annualisierter Basis um 3,0 % und übertraf damit die ersten Schätzungen. Mit den US-Arbeitsmarktzahlen und dem ISM-Index (beide 01.09.) schließt die Woche mit weiteren wichtigen Konjunkturindikatoren.

Nach einem verhältnismäßig ruhigen August könnte zum September die Spannung im US-Rentenmarkt zurückkehren. Denn der Kongress muss bis Ende September die Anhebung der Schuldenobergrenze beschließen. Laut Analysteneinschätzung reicht das Federal Budget noch bis zum 30. September, bevor die aktuelle Schuldenobergrenze von 19,8 Billionen US-Dollar erreicht ist. Der kurzfristige Anleihemarkt preist bereits eine gewisse Skepsis ein, ob im zähen Ringen zwischen beiden Parteien ein Konsens erzielt werden kann. T-Bills mit Fälligkeit zwischen dem 05. und 19. Oktober rentieren bis zu 10 Basispunkte über denen mit den nächstkürzeren und längeren Laufzeiten (s. Grafik). Die kurzfristige Zinsstruktur im US-Anleihemarkt kann insoweit als Warnsignal auf einen zwei- bis dreiwöchigen „Government-Shutdown“ interpretiert werden.

Neben der aufgewühlten geopolitischen Gemengelage wird in der kommenden Woche die EZB-Sitzung (07.09.) die Anleihemärkte beschäftigen. Im Vergleich zum Notenbank-Treffen in Jackson Hole am vergangenen Wochenende wird ein klares Statement von EZB-Chef Draghi erwartet, wie sich Europas Währungshüter ihre geldpolitische Zukunft vorstellen. Andeutungen zu einem Ende der QE-Politik, die allgemeine Markterwartung ist hierfür Ende Dezember 2017, dürften die Renditen positiv auffassen. Insgesamt gehen wir von einer Verlängerung der EZB-Kaufprogramme aus, wenngleich zu reduzierteren Kaufvolumina als die gegenwärtigen 60 Mrd. Euro. Erste Hinweise hierfür könnten am Donnerstag erfolgen, ehe der endgültige Beschluss zum Anleihekaufprogramm bei der nächsten Sitzung im Oktober aufwarten könnte.