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Spannungsgeladene Stimmung: Aktienhändler an der New York Stock Exchange. (© Getty Images)
Aktienmärkte
21.06.2017

„Trumps Affären machen eine Einführung von Steuer- und Ausgabenmaßnahmen immer unwahrscheinlicher und das spürt der Markt“, meint Patrick Harms, Analyst der HSH Nordbank.

Die Berichtsperiode verlief an den Aktienmärkten gemischt: Während der S&P 500 weiter deutliche Zuwächse aufweisen kann, waren in den Europäischen Indizes – trotz guter Konjunktur und abnehmenden politischen Risiken – teilweise deutliche Rückgänge zu verzeichnen. Dabei gerät US-Präsident Donald Trump offensichtlich verstärkt in Bedrängnis, während die Eurozone nun viele ihrer Stolpersteine aus dem Weg geräumt hat. Dennoch mehren sich die Zweifel daran, ob die Aktienmärkte ihre hohen Bewertungsniveaus noch lange werden halten können.

Was hat die Aktienmärkte bewegt?

An den Aktienmärkten ging es in der Berichtsperiode (seit dem 13 Mai) gemischt zu. Innerhalb von vier Wochen konnte der S&P 500 1,48 % zulegen und erreicht zwischendurch mit 2446 Punkten ein neues Rekordniveau. Deutlich weniger positiv verlief diese Periode im DAX, der mit gegenwärtig 12707 Punkten im Vergleich zu vor einem Monat einen Kursrückgang von knapp 0,8 % hinnehmen musste. Der Eurostoxx 50 verlor sogar 3,28 % und steht gegenwärtig bei 3522 Punkten.

Das politische Umfeld war weiteren Zuwächsen an den Aktienmärkten in letzter Zeit nur bedingt zuträglich. Nicht zuletzt sorgte US-Präsident Donald Trump an den Märkten für Bewegung: Seit der Entlassung von FBI-Direktor Comey und dessen Aussagen über Zwiegespräche mit dem Präsidenten sehen einige Kommentatoren aufgrund von Justizbehinderung einen hinreichenden Grund für ein Amtsenthebungsverfahren gegeben. Dadurch ist Trump ein hohes Maß an politischer Bewegungsfreiheit abhandengekommen, was seine von den Märkten erhofften Steuer- und Ausgabenmaßnahmen immer unwahrscheinlicher macht. Darüber hinaus hat die US-Regierung angekündigt, sie werde vom Pariser Klimaabkommen (über 200 Länder waren dem beigetreten) zurücktreten, was auf einen künftig noch unkooperativeren Stil in der Außenpolitik schließen lässt. Darüber hinaus spitzt sich die Lage in der Golfregion mit der diplomatischen Isolierung Katars zu. Als der Iran zum ersten Mal Opfer eines Terroranschlags des IS wurde, gab der Wächterrat in Teheran direkt Saudi-Arabien die Schuld. Diese Entwicklungen kommen einem globalen Anstieg politischer Risiken gleich, die beim Erreichen eines weiteren Eskalationsniveaus die Finanzmärkte schwer treffen könnten. In der Eurozone ist hingegen ein weiterer Rückgang der politischen Unsicherheit zu beobachten gewesen. Eine deutliche absolute Mehrheit in der Nationalversammlung könnte Emmanuel Macrons Partei La République En Marche nach dem starken ersten Wahlgang erreichen. Dies würde die Umsetzung des reformorientierten Programms deutlich erleichtern und der französischen Wirtschaft sowie der Eurozone mehr Stabilität verleihen. Darüber hinaus wird abzuwarten sein, welche Reformvorschläge Frankreich für die Zukunft der Eurozone unterbreiten wird. Die bisherigen Auftritte des neuen Präsidenten auf internationaler Ebene sind jedenfalls ein Indiz dafür, dass Frankreich seine Interessen auch Deutschland gegenüber in Zukunft deutlich selbstbewusster vertreten wird.

Die Volatilität an den Aktienmärkten bleibt indes gering. Der in der Berichtsperiode im S&P 500 erreichte Durchschnittswert des VIX von etwa 10,9 Punkten liegt weiterhin deutlich unter historischen Normalwerten. Mit dem gegenwärtig fast wöchentlichen Erreichen von neuen Rekordständen wird die Wahrscheinlichkeit von Gewinnmitnahme-Bewegungen und einer breiten Korrektur immer größer. In der von der Bank of America Merril Lynch durchgeführten Hedge-Fonds-Manager-Umfrage gab ein Rekordanteil von 44 % der Befragten an, dass er Aktien derzeit für überbewertet hält. Eine Korrektur hat es bei einigen Tech-Aktien bereits gegeben, wie die Korrektur im Nasdaq zeigt. Manche Kommentatoren nahmen dies bereits zum Anlass, die Neuauflage des Platzens einer neuen „Tech-Bubble“ analog zum Anfang des Millenniums zu sehen. Wir halten diese Kommentierung vor allem deshalb für übertrieben, weil die jüngsten Kursanstiege bei diesen Unternehmen nicht zuletzt auf sich deutlich verbesserten Geschäftszahlen und Fundamentaldaten basieren. Von einer Blase kann daher an den US-Aktienmärkten bei diesen Werten noch am wenigsten die Rede sein.

Die Grafik unten zeigt die Entwicklung der einzelnen Sektoren im DAX seit dem 15. Mai. Einen eindeutigen Trend gab es nur im größten und kleinsten DAX-Sektor (Konsumgüter und Versorger). Der Konsumgütersektor – wo Daimler und BMW einen großen Anteil ausmachen – legte knapp 3,1 % zu, wobei die Zuwächse zeitlich gesehen vor allem um das Aufkündigen des Pariser Klimaabkommens seitens der USA herum erfolgten. Die Versorger im DAX legten mit knapp 4,7 % im noch deutlicher zu, was mit dem für die Unternehmen positiven Urteil des Bundesverfassungsgerichts über die Brennelementesteuer zusammenhing. Den in Deutschland betroffenen Unternehmen werden insgesamt wohl 6 Milliarden Euro an bereits gezahlten Steuern zurückerstattet, was den Effekten auf den Aktienkurs nach einer fundamentalen Verbesserung der Geschäftslage der Unternehmen gleichkommt.

Was sind die größten Risiken?

Wie geht es an den Aktienmärkten von diesem Niveau aus weiter? In den kommenden Sommermonaten bereits könnten sich diverse politische Konflikte zuspitzen, die eine Gefahr für die hohen Bewertungslevels darstellen: Trumps Lage könnte sich im Zuge des Ermittlungsverfahrens drastisch verschlechtern, die kommende Woche beginnenden Brexit-Verhandlungen könnten mit der geschwächten Premierministerin Theresa May zügig eskalieren und im Nahen Osten droht Katar bereits ein ökonomisches Chaos. Aus geldpolitischer Sicht stellen vor allem der Fed-Zinsanhebungskurs und das mögliche EZB-Tapering (monatliche Reduktion der Anleihekäufe bis auf 0) ein Risiko dar. Beide Notenbanken waren bisher aber sehr darauf bedacht, ihre Operationen möglichst marktschonend zu gestalten. Dies würde sich nur ändern, wenn die Inflationsraten in diesen Volkswirtschaften drastisch ansteigen würden, wofür es derzeit aber keinerlei Indizien gibt. Ein deutliches Abflachen des konjunkturellen Aufschwungs könnte eher in den USA ein Grund für ein baldiges Eintrüben an den Aktienmärkten sein. Der Aufschwung in den USA dauert schon deutlich länger als in der Eurozone und hat die Wirtschaft näher an die Vollauslastung der Kapazitäten gebracht. Die Eurozone ist in Wahrheit gerade erst jetzt in der aussichtsreichsten Position für einen längeren Aufschwung angekommen. In den USA hingegen zeigen sich auf dem Arbeitsmarkt erste Anzeichen der Verlangsamung, die aber noch nicht überbewertet werden sollten. Abgesehen von den politischen Risiken stehen die Zeichen für die Aktienmärkte daher weiterhin eher günstig.