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Das saudische Königshaus zürnt Katar (© Getty Images)
Aktienmärkte
09.06.2017

„Nach Geopolitischen Unsicherheiten zeigen die Aktienmärkte keine klare Tendenz.“, meint Patrick Harms, Analyst der HSH Nordbank. Auch in der kommenden Berichtswoche dürften politische Ereignisse die Agenda an den Finanzmärkten bestimmen.

In dieser Woche war das Geschehen an den Aktienmärkten vor allem von politischen Ereignissen und das Warten auf solche geprägt. Neben den Terroranschlägen von London kam es über das Wochenende auch noch zu der diplomatischen Krise im arabischen Golf, wo Katar anscheinend mehr und mehr isoliert wird. Am Mittwochmorgen wurde dann auch noch der sonst als sicher geltende Iran von einem Terroranschlag getroffen, zu dem sich der „Islamische Staat“ bekannte. Da die im Iran mächtigen Revolutionsgarden bereits Saudi-Arabien die Schuld gaben scheint sich hier in Kombination mit der diplomatischen Krise im Golf eine neue Eskalationsstufe anzubahnen. In diesem Umfeld zeigten die Aktienmärkte keine klare Tendenz: Der DAX legte im Wochenvergleich 0,63 % zu – wobei Zuwächse im Energiesektor aufgrund der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über die Brennelementesteuer und bei den Autobauern im Zuge des von den USA aufgekündigten Klimadeals den Index am stärksten bewegten. Ebenfalls zulegen konnte der S&P 500 mit einem Zuwachs von 0,7 %, der Eurostoxx 50 hingegen blieb per Saldo unverändert.

Auch in der kommenden Berichtswoche dürften politische Ereignisse die Agenda an den Finanzmärkten bestimmen: Die Aussage des entlassenen FBI-Direktors James Comey am Donnerstag (8.6.) vor dem Senat dürfte US-Präsident Trump in Bedrängnis bringen und die Rufe nach einem Amtsenthebungsverfahren (Grund: mögliche Justizbehinderung) noch einmal befeuern. Am Sonntag findet in Frankreich der erste Wahlgang der Parlamentswahl statt. Der als Reformer gewählte Präsident Emmanuel Macron kann sich laut Umfragen möglicherweise auf eine komfortable Mehrheit freuen, was von den meisten Kommentatoren noch vor etwa einem Monat ausgeschlossen wurde. Die Grafik unten zeigt den Index für wirtschaftspolitische Unsicherheit in den USA und den drei größten Ländern der Eurozone. Frankreich hat im Zuge der Präsidentschaftswahl bereits den größten gemessenen Monatsrückgang an Unsicherheit erlebt. Sollte Macron die Mehrheit im Parlament gewinnen, wird er es deutlich leichter haben, seine Reformvorhaben durchzubringen und ein weiterer Rückgang der politischen Unsicherheit in Europa wäre die Folge. In den USA hingegen könnten die Rufe nach einem Amtsenthebungsverfahren gegen Trump lauter werden, was dort die Unsicherheit deutlich erhöhen könnte. Daraus könnte sich in nächster Zeit ein Vorteil für die europäischen Märkte im Vergleich zu US-Titeln ergeben.

Am Donnerstag (8.6.) wird in Großbritannien ein neues Parlament gewählt. Alles andere als ein Ausbau der Mehrheit der Konservativen im Unterhaus würde May politisch schwer beschädigen. Ebenfalls am Donnerstag wird die EZB das Ergebnis ihrer geldpolitischen Sitzung verkünden. Trotz des robusten Aufschwungs bleibt die Inflationsentwicklung weiterhin verhalten. Da sich die EZB vollständig der Inflationssteuerung verschrieben hat, ist eine Anpassung der Strategie nicht angezeigt. Kaum jemand rechnet daher mit einer geldpolitischen Änderung, die über kleinere Anpassungen der Formulierungen hinausgeht. Alles andere wäre eine Überraschung und würde die Märkte bewegen. Bei der Fed-Sitzung in der nächsten Woche hingegen ist eine Anhebung der Fed Funds Rate auf dann 1-1,25 % - trotz des zuletzt schwachen Arbeitsmarktes – vollständig eingepreist. Die politischen Entwicklungen haben aus unserer Sicht in der kommenden Woche das deutlich größere Marktbewegungspotential als die Geldpolitik.