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Die Aktienmärkte tendieren seitwärts (© Getty Images)
Aktienmärkte
23.06.2017

„Die Schwankungsintensität ist an den Märkten so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr“, meint Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank.

Die Aktienmärkte legten in den vergangenen Tagen eine kleine Verschnaufpause ein, nachdem diese, vor allem in Europa, zu Beginn der Berichtswoche von einem Rekord zum nächsten jagten. Der Eurostoxx 50 gab im Zuge dieser Entwicklungen knapp 0,5 % im Vergleich zur Vorwoche ab und liegt gegenwärtig bei 3554 Punkten, der DAX gewann dagegen leicht um 0,25 % und liegt bei 12774 Punkten. Der S&P 500 notiert im Vergleich zur Vorwoche ebenfalls nahezu unverändert bei 2435 Punkten. Die erwartete Zinsanhebung der Fed auf nun 1,00 – 1,25 % hat an den Märkten keine größeren Spuren hinterlassen. Zwischenzeitlich erreichte der Dax mit 12942 sogar einen neuen Rekordstand. Doch unmittelbar vor der 13.000 Punkte-Marke hat die DAX-Anleger dann offenbar doch der Mut verlassen und Gewinne wurde mitgenommen. Daher stellt sich grundsätzlich die Frage, ob in den kommenden Wochen eine breiter angelegte Konsolidierungsphase auf eine Phase der Rekordjagd folgen könnte. Für die nun anstehenden Sommermonate könnten durchaus ein paar Bärentrends eine DAX-Konsolidierung auslösen: So konnte das BIP-Wachstum in den USA und China keine zusätzlichen Impulse freisetzen, der US-Dollar leidet unter der Trump-Unsicherheit, DAX-Auto-Aktien legten aufgrund der anhaltenden Dieselthematik nur unterdurchschnittlich zu. Die Grafik unten zeigt die Bewertungsniveaus von S&P 500 und DAX basierend auf diversen Fundamentalwerten. Gemessen an historischen Durchschnittsbewertungen, die im Bereich von 0,9 bis 1,1 liegen, sind beide Indizes gegenwärtig teuer. Hinzu kommen die am Montag gestarteten Verhandlungen bezüglich des EU-Austritts Großbritanniens. Bisher hatte dies kaum Einfluss auf die Entwicklung an den Märkten. Angesichts der politischen Patt-Situation in Großbritannien wird weiter über Neuwahlen spekuliert, was die Unsicherheit grundsätzlich erhöht. Andererseits ist die Schwankungsintensität an den Märkten so niedrig wie seit vielen Jahren nicht mehr. Dies stellt für viele Privatanleger eine willkommene Entwicklung dar und könnte durchaus auch weitere bisher weniger stark investierte Anleger anziehen.

Von konjunktureller Seite gab es vor allem in Deutschland erfreuliche Meldungen: So hob das Münchener Ifo-Instituts die Konjunkturprognose für dieses und nächstes Jahr nach oben an. Das Wirtschaftsforschungsinstitut rechnet damit, dass das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland in diesem Jahr um 1,8 Prozent steigt und 2018 noch einmal um 2,0 Prozent zulegen wird. Für die deutschen Aktienmärkte ergibt sich damit eigentlich eine Kombination aus einem starken konjunkturellen Ausblick und einem deutlichen Rückgang der politischen Unsicherheit in Kontinentaleuropa seit der Präsidentschafts- und Parlamentswahl in Frankreich. Die Franzosen haben ihrem Präsidenten Emmanuel Macron eine stabile Mehrheit im Parlament verschafft, womit sich nun Macrons Reformpläne leichter umsetzen lassen. All dies könnte das Vertrauen in die französische Wirtschaft deutlich erhöhen, wovon auch die international aufgestellten deutschen Firmen profitieren könnten.

In der kommenden Woche rücken wieder vermehrt die fundamentalen Daten in den Vordergrund. So steht u.a. der Ifo-Index zur Veröffentlichung an. Sollte der Index ähnlich hervorragende Zahlen ausweisen wie im Mai, dürften die europäischen Aktienindizes, insbesondere der Dax, wieder zulegen. Als wichtigster Risikofaktor ist ein protektionistisches Maßnahmenpaket von Seiten des US-Präsidenten zu nennen, das von seiner Signalwirkung besonders deutsche Unternehmen treffen könnte (siehe dazu Rentenmärkte in dieser Publikation).