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Beim Goldpreis steht eine Erholung an (© Getty Images)
Fokus Gold
28.04.2017

Das Frankreichrisiko entfällt als stützender Faktor. Dagegen rückt die zyklische Komponente in den Vordergrund.

Der Goldpreis musste in den vergangenen Tagen die bisher stärksten Preisrückgänge in diesem Jahr hinnehmen. Aktuell notiert der Preis für das Edelmetall bei rund 1270 US-Dollar/Feinunze und damit 25 US-Dollar unterhalb des Jahreshöchststandes. Der Grund für diese Preisbewegung ist vor allem in Zusammenhang mit den Präsidentschaftswahlen in Frankreich zu suchen. Die Erleichterung über ein Erreichen der Stichwahl des Kandidaten Emmanuel Macron führte zu Risk-on Bewegungen in anderen Asset-Klassen - wie auch an der Abwertung des japanischen Yen ggü. anderen Währungen gut zu erkennen ist. Zudem stiegen die Opportunitätskosten der Goldhaltung, durch einen Anstieg der Renditen von Staatsanleihen. Der Goldpreis folgte schließlich einer Einengung des Basisspreads von französischen zu deutschen Staatsanleihen und einer Abnahme der anhand des VIX gemessenen Volatilität an den Aktienmärkten. Wir erwarten, dass die Volatilität bei Gold in den kommenden Wochen weiter hoch sein dürfte, da die Realzinsen in der kurzen Frist ansteigen dürften und somit weitere Preisnachlässe bei Gold auslösen dürften. Hintergrund dieser Erwartung ist die Fokussierung der Anleger auf die Themen Wirtschaftswachstum und Reflation nach einer langen Phase von politisch dominierten Märkten.

Bisherige Rallye war getrieben durch Flucht in sichere Anlagen

Der jüngste Preisrückgang bei Gold folgte auf einer Rallye in den ersten drei Monaten des Jahres von 1130 auf zwischenzeitliche 1295 US-Dollar/Feinunze, angetrieben durch eine Umkehrung der durch die Wahl von Donald Trump ausgelösten Kursanstiege bei den meisten Rohstoffen, eines mehr verhaltenen Tonfalls der Fed und erhöhte politische Unsicherheiten. Letzteres bezieht sich nicht nur auf Frankreich, sondern auch auf eine Eskalation der Spannungen zwischen den USA und der Furcht eines stärkeren Interventionismus im Nahen und Mittleren Osten. Diese Faktoren trugen zu einem Rückgang der Realzinsen und einer Dollarabwertung bei und machten Gold attraktiver. Begünstigt wurde der positive Start in 2017, wie auch in den beiden vorangegangenen Jahren, durch Zuflüsse in Gold-ETFs (Januar-April: +85 Tonnen). Anfang 2015 kam es zu Turbulenzen an den Finanzmärkten, der Aufgabe des Mindestkurses des Schweizer Franken zum Euro durch die SNB und der Ankündigung des Anleihekaufprogramms durch die EZB. Den Gold ETFs flossen damals in den ersten beiden Monaten fast 80 Tonnen zu, bevor im März Abflüsse einsetzten. Im ersten Quartal 2016 verzeichneten die Gold-ETFs sogar Zuflüsse von fast 300 Tonnen, ausgelöst durch Sorgen um China und dem Absturz des Ölpreises, bevor es dann wenige Tage nach dem Brexit-Referendum die ersten Abflüsse aus Gold-ETFs zu beobachten waren. In diesem Jahr waren es bisher vor allem die politische Unsicherheit, die, wie wir es erwarten, mit den französischen Präsidentschaftswahlen ihren Höhepunkt erreicht haben dürfte, welche die Anleger in den sicheren Hafen Gold hat fliehen lassen.

In unserem Jahresausblick für 2017 argumentierten wir, dass rund um die Frankreich-Wahl wohl die Höchststände bei den Goldnotierungen in diesem Jahr zu beobachten sein werden. Die Gefahr von einem Wahlsieg der rechtspopulistischen und eurokritischen Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen und der darauf aufbauenden Angst vor einem Auseinanderbrechen der EU, dürfte in der nun höheren Wahrscheinlichkeit eines Wahlsiegs des europanahen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron deutlich gemildert sein. Die Marktteilnehmer werden sich nun mehrheitlich auf eine konjunkturelle Erholung und einer graduellen Straffung der US-Geldpolitik fokussieren, was tendenziell das Gold belasten dürfte. Insofern ist es vorstellbar, dass sich das gängige Muster der letzten Jahre – Stärke im ersten Halbjahr, Schwäche im zweiten Halbjahr –erneut wiederholt.

Ausblick auf die kommenden 12 Monate

Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir, dass Gold in den nächsten drei Monaten mit einem neuen kurzfristigen Preisziel von nun 1.220 US-Dollar/Feinunze unter Druck geraten dürfte. In der Tat dürften in den kommenden Wochen mehrere Faktoren zu beobachten sein, die den Goldpreis kurzfristig unter Druck setzen könnten. Zum Einen dürfte die Risk-on-Bewegung zunächst anhalten, d.h. risikoreichere Anlageklassen erhalten einen relativ höheren Zufluss als weniger risikoreiche Anlagen. Zum Anderen ist mit einem Anstieg der Realzinsen zu rechnen, sollten sich Donald Trumps Steuerpläne (die diese Woche vorgestellt wurden) weiter konkretisieren, denn dies dürfte unmittelbar zu einem Anstieg der Anleiherenditen führen.

Über die kommende Woche hinaus erwarten wir ein solides Wachstum der Weltwirtschaft. Der daraus resultierende Anstieg der Realzinsen erhöht die Opportunitätskosten der Goldhaltung und dürfte somit auf dessen Preis lasten. Genauer gesagt erwarten wir zwei Zinserhöhungen in den USA bis Jahresende. Mittelfristig besteht dagegen unserer Ansicht nach größeres Upside-Potential für Gold, wobei wir zwei Faktoren identifizieren, die die Preisentwicklung maßgeblich mitbestimmten dürften. Einerseits könnte der tatsächliche Beginn der Brexit-Verhandlungen den Goldpreis unterstützen. Andererseits dürfte Gold perspektivisch primär von einer zyklischen Erholung bei den Rohstoffpreisen profitieren. Weiteres Upside-Risiko für unsere Prognose stellt zudem ein möglicherweise schwächer als erwartetes Wachstum der Weltwirtschaft dar - was allerdings gegenwärtig nicht unser Basisszenario ist.

Daher rechnen wir auf zwölf-Monatssicht mit einer erneuten Preiserholung bei Gold auf 1250 US-Dollar/Feinunze. Das Edelmetall dürfte durch drei Faktoren Unterstützung erhalten:

  • Höhere Kaufkraft in Emerging Markets: Wir glauben, dass einer der Hauptgründe des Goldpreisanstiegs seit 2000 auf die Zunahme der Dollarkaufkraft der aufstrebenden Volkswirtschaften (und insbesondere denen in Asien) zurückzuführen ist. In diesen Ländern gibt es eine starke Neigung Gold zu besitzen. Nachdem die Kaufkraft in diesen Ländern zwischen 2013-16 stark gesunken ist, dürfte diese sich in den Jahren zwischen 2017-20, aufgrund einer erwarteten (moderaten) Beschleunigung des BIP-Wachstums, wieder erholen. Eine Aufwertung der Emerging-Asia-Währungen ggü. dem US-Dollar dürfte zu den Faktoren zählen, die den Goldpreis in diesem Jahr unterstützen dürften. Denn eine Aufwertung der Währungen ggü. dem Greenback verbilligt den Import des in US-Dollar gehandelten Edelmetalls.
  • Rückläufige Minenproduktion: Die historische Verknüpfung zwischen Goldminenexpansion, Investitionsausgaben und Goldminenproduktion deutet auf einen Produktions-Peak im Jahr 2017 und Rückgang bei der Minenproduktion bis in das Jahr 2020. In der Vergangenheit stützten ein niedrigeres Angebot den Goldpreis, da weniger Material zur Verfügung stand, um Schmuck- und Investitionsnachfrage zu bedienen.
  • Schwache konkurrierende Anlageklassendynamik: US-Aktien sehen gegenwärtig besonders überbewertet aus und unser Aktienstratege erwartet, dass der S&P 500 am Jahresende bei 2400 gegenüber dem aktuellen Niveau von 2386 Punkten gegenwärtig liegen dürfte. Beim DAX dürfte die Rendite bei einem Einstieg heute gar rückläufig sein. In einem Umfeld mit niedrigen erwarteten Aktienrenditen kann Gold relativ ansprechend sein, da Gold auf lange Sicht reale Kaufkraft bewahrt hat und als Absicherung gegen geopolitische Risiken, die das globale Wachstum beeinflussen können, sowie zur Portfoliodiversifizierung dienen kann.

Wir bekräftigen unsere Preisprognose bei Gold zum Jahresende von 1160 US-Dollar/Feinunze, da wir glauben, dass der Goldpreis kurzfristig unter Risk-on-Bewegungen leiden dürfte. Zum Ende des ersten Halbjahres erwarten wir nun einen Goldpreis von 1220 US-Dollar/Feinunze. Allerdings dürfte Gold zum Jahresende 2017 seinen Tiefpunkt erreichen und im Anschluss aufgrund der zyklischen Erholung, von der Rohstoffe im Allgemeinen besonders profitieren, wieder kräftig zulegen.