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Derzeit herrscht mehr Bullen- als Bär-Stimmung (© Getty Images)
Renditen
23.03.2017

Dr. Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts, rät den Deutschen dazu, die Scheu vor Aktien abzulegen.

Befürwortet eine bessere Schulausbildung in punkto Wirtschaft: Dr. Christine Bortenlänger (© Deutsches Aktieninstitut)

Befürwortet eine bessere Schulausbildung in punkto Wirtschaft: Dr. Christine Bortenlänger (© Deutsches Aktieninstitut)

Frau Dr. Bortenlänger, trotz historisch niedrigen Zinsen und sehr guter Börsenperformance in den vergangenen Jahren legen nur sehr wenige Deutsche Geld in Aktien an. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Dr. Christine Bortenlänger: Die Deutschen haben offenbar Angst vor den Risiken der Aktien. Selbst wenn man Fonds dazurechnet, investieren nur etwa 14 Prozent ihr Geld in Aktien. Dabei haben Aktien, Studien belegen das, gerade langfristig viele Vorteile. Über einen längeren Zeitraum betrachtet und eine gewisse Streuung vorausgesetzt, ist das Risiko minimal – und die Rendite deutlich höher als bei festverzinslichen Anlagen, allein schon wegen der Dividende.

Woher kommt diese Angst?

Dr. Christine Bortenlänger: Das hängt sicher damit zusammen, dass die Deutschen kaum Erfahrungen mit Aktien haben. Wir orientieren uns stark am umlagefinanzierten, staatlichen Rentensystem. Das ist in anderen Ländern mit einer höheren Aktienquote – beispielsweise in den USA und in Schweden – anders. Dort investieren viele langfristig in Aktien und bekommen immer Abrechnungen, in denen sie sehen, dass ihre Anlage zwar Schwankungen unterworfen ist, sich langfristig aber positiv entwickelt – meist mit einem durchschnittlichen Plus von mehr als sechs Prozent pro Jahr.

Welche Rolle spielt der Staat bei der Frage der Aktienkultur?

Dr. Christine Bortenlänger: Wenn wir eine Aktienkultur etablieren wollen, brauchen wir eine positive Haltung der Politik zu Aktien. Steuerlich wird die Aktie aber eher diskriminiert. Es gibt die Abgeltungssteuer in Höhe von 25 Prozent auf alle Erträge. Dabei ist der Gewinn des Unternehmens, aus dem die Dividende bezahlt wird, bereits besteuert worden. Gleichzeitig finanziert sich der Staat über festverzinsliche Wertpapiere und profitiert deshalb enorm von den niedrigen Zinsen, während die Bevölkerung Probleme hat, den Wert des Ersparten zu erhalten. Sparern droht eine Entwertung ihres Vermögens. In so einer Situation wäre es schön, wenn die Aktie gefördert werden würde.

Fehlt es an Vorbildung bei den Deutschen? Wissen sie zu wenig über Aktien?

Dr. Christine Bortenlänger: Absolut, insofern ist es vorbildlich, dass Baden-Württemberg das Schulfach Wirtschaft in die Lehrerausbildung integriert hat. Aber es wird lange dauern, bis sich das auswirkt.

Sollten Unternehmen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zumindest teilweise mit Aktien entlohnen?

Dr. Christine Bortenlänger: Klar ist das eine Möglichkeit. Es gibt viele Unternehmen, die das bereits machen. Dax-Unternehmen wie BASF und Thyssen-Krupp fördern beispielsweise Mitarbeiteraktien über betriebliche Altersvorsorge.

Ist es eine Mentalitätsfrage, dass gerade die Deutschen so risikoscheu sind?

Dr. Christine Bortenlänger: Wir leben in einem Land, das immer auf eine staatliche Rente gebaut hat. In dieser Welt sind die Bürger groß geworden. So etwas prägt. Und ja, die Deutschen sind sehr genau, sie wollen genau wissen, wo sie Geld investieren. Und da sie wenig über Aktien wissen, investieren sie wenig. Dabei sind diejenigen am schlechtesten aufgestellt, die keine Aktien in ihren Depots haben.

Wissenswertes

Aktien lohnen sich und sind deshalb eine attraktive Geldanlage. Das zeigt das neue Rendite-Dreieck des Deutschen Aktieninstituts. Das Renditedreieck visualisiert die Kurs- und Dividendenentwicklung in Aktien des DAX über Zeiträume von einem bis zu 50 Jahren. Es beweist, dass bei einem Anlagehorizont von 20 bis 30 Jahren die jährliche Rendite in der Vergangenheit zwischen sechs und neun Prozent lag. Kurz- und mittelfristige Kursschwankungen bei Aktien werden in diesen Zeiträumen kompensiert. Bei diesen Renditen verdoppelt sich das eingesetzte Vermögen in etwa 10 Jahren. Mit festverzinslichen Anlagen benötigt man beim aktuellen Zinsniveau dagegen etwa drei- bis viermal so lange. Das Rendite-Dreieck steht zum Herunterladen bereit unter www.dai.de

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