SUCHE

Sanja Stankovic und Sina Gritzuhn von der Startup-Plattform „Hamburg Startups" (©Hamburg Startups)
Startup-Förderung im Norden
01.03.2017

Mit Initiativen wie dem „Next Commerce Accelerator“ will Hamburg Startups anlocken, die sich idealerweise auch langfristig in der Hansestadt niederlassen. Dass Hamburg beim Wagniskapital gegenüber Berlin noch zurückhängt, soll sich ändern. Dennoch sei der Austausch zwischen den beiden Standorten sei schon jetzt sehr gut, finden Sanja Stankovic und Sina Gritzuhn von der Startup-Plattform „Hamburg Startups“.

Gründerinnen und Gründern hilft es sehr, wenn sie in einer frühen Phase der Unternehmensgründung ein intensives Coaching durchlaufen und Kontakt zu erfahrenen Managern aus etablierten Firmen bekommen. All dies bieten Startups sogenannten „Acceleratoren“, was man am ehesten mit „Beschleuniger“ übersetzen kann. Es geht darum, die Entwicklung eines Startups innerhalb eines zuvor festgelegten Zeitraums stark voranzutreiben. Der Accelerator greift den Gründern mit Kapital, Wissen und technischen Ressourcen unter die Arme – im Gegenzug erhält er zum Beispiel einen Anteil am Startup-Unternehmen und der zukünftigen Gewinnausschüttung.

Nach einem ähnlichen Prinzip soll der neue E-Commerce-Accelerator funktionieren, den die Hamburger Sparkasse (Haspa) und die HSH Nordbank gemeinsam mit der Stadt Hamburg als Partner als Joint Venture gründen wollen. Der Next Commerce Accelerator (NCA) soll Startups mit etablierten Unternehmen und Experten zusammenführen, um zusammen Geschäftsinnovationen im Bereich des elektronischen Handels zu entwickeln.

Sanja Stankovic, Co-Gründerin der Startup-Plattform „Hamburg Startups“, sieht die Intiative als sinnvolle Unterstützung an. „Das Modell NCA lehnt ja an das Modell des Next Media Accelerators an, der sich gut entwickelt hat und einen sinnvollen Brückenschlag zwischen etablierten Unternehmen aus dem Medienbereich und Startups macht.“ Den größten Vorteil bei dem Konzept hätten die etablierten, auf dem Weg zur digitalen Transformation befindlichen Unternehmen.

E-Commerce passt zu Hamburg

Die Stadt Hamburg könne allerdings noch mehr tun, um Gründer zu unterstützen. „Im administrativen oder auch steuerlichen Bereich wird seitens der Stadt unseres Wissen nach gar nichts getan. Auch Förderungen für E-Commerce Modelle im Speziellen gibt es von städtischer Seite nicht,“ sagt Stankovic. Auch beim Wagniskapital kann Norddeutschland noch zulegen. „Der aktuelle EY Barometer aus Februar 2017 zeigt, dass das Venture Capital-Volumen für Hamburg im Vergleich zum Vorjahr (2015) um mehr als 60% gesunken ist, was sich mit unseren Aufzeichnungen deckt“, sagt Sina Gritzuhn, Geschäftsführerin von „Hamburg Startups“. Das Volumen entspräche nur dem Zehntel der Summe, die Berliner Startups einsammeln konnten. „Das meiste Risikokapital ging hier an FinTechs. Daher ist ist hier deutlich Luft nach oben“, so Gritzuhn.

Die Hinwendung auf E-Commerce deckt sich mit den Bedürfnissen der Szene. „Von einer Nische kann man bei E-Commerce in Hamburg nicht sprechen, denn im Hamburger Ökosystem ist mehr als jedes fünfte Startup ein E-Commerce Startup“, sagt Gritzuhn. Mit Blick auf die Investitions-Volumina im Venture Capital läge der Fokus deutschlandweit derzeit auf E-Commerce Projekten in den Bereichen Food und Möbel. „Besonders Food entwickelt sich in Hamburg stark und hat mit Foodist nicht nur ein Vorzeige Beispiel“, so Gritzuhn. Weitere erfolgreiche Startups aus Hamburg seien zum Beispiel das Kreuzfahrt-Portal „Dreamlines“, Modehändler wie „Rebelle“ oder „About You“ sowie „Geschenke.de“.

Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch sieht die Hansestadt bereits als idealen Standort für das Thema E-Commerce an. Handelsunternehmen wie Edeka, Otto, Helm, Cremer, Tchibo und Hawesko träfen hier auf Dienstleister wie SinnerSchrader, pilot, Publicis Pixelpark und Novomind. Zudem beherberge die Stadt ein dynamisches Startup-Ökosystem mit jährlich über 1.000 Gründungen im IT- und E-Commerce-Umfeld.

Kontakt zu Anschlussfinanzierungen ist Startups wichtig

Mit Veranstaltungen wie der "Social Media Week Hamburg" (27.02. bis 01.03.2017), die sich mit Themen wie Spracherkennungs-Software oder automatisierte Kommunikation mit Chat-Bots beschäftigt, finden in der Hansestadt zunehmend Veranstaltungsformate statt, die einen Bezug zu technologisch inspirierten Startups haben und an denen sich die Szene trifft. Einen Betrag zur Vernetzung will auch der NCA-Accelerator leisten, indem er den Startups Zugang zu 5000 Handelskunden und Geschäftspartnern eröffnen will. „Zugang zu Kunden, Partner und Investoren sind essentiell“, sagt Gritzuhn. „Ob der NCA das in der Höhe leisten kann, wird sich dann noch zeigen. Das Idee ist gut, jetzt muss sie auch so umgesetzt werden.“ Positiv am Modell des NCA sei laut Stankovic der Kontakt zu Anschlussfinanzierungen, was für die Startups in Kombination mit den Kontakten und möglichen Kooperationspartner ein fairer Deal sei.

Gegenüber dem stark wachsenden Startup-Standort Berlin muss sich Hamburg keinesfalls verstecken. „Hamburg hat eine etablierte Wirtschaft, die meisten Mittelständler in Deutschland und ist eine Handelsstadt. Praktisch ist, dass Berlin in 90 Minuten mit dem ICE erreichbar ist und man seine Kontakte nach Berlin so einfach pflegen kann, denn dort liegt das Geld und die Anschlussfinanzierung.“ Der Austausch zwischen den beiden Standorten sei schon jetzt sehr gut. Das große Wunsch von Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch ist natürlich, dass die teilnehmenden Startups idealerweise auch langfristig in Hamburg niederlassen. Die erste „Klasse“ des NCA mit fünf Startups soll bereits im Sommer 2017 in Hamburg starten. Jährlich sollen dann jeweils zwei weitere Klassen folgen.