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21.08.2015

Es ist kaum eine Woche her, da hat China die internationalen Finanzmärkte mit der überraschenden Abwertung des Yuan in Turbulenzen gestürzt. Insbesondere die Aktienmärkte reagierten mit heftigen Verlusten.

Zwar haben sich inzwischen die Wogen wieder geglättet, aber die Angst ist geblieben. Gründe dafür gibt es genug – unter anderem die Überbewertung der Aktienmärkte. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise haben die Notenbanken durch die Öffnung der Geldschleusen die Aktienmärkte mit Liquidität überflutet. Angesichts historisch niedriger Zinsen blieb den Anlegern, die höhere Renditen erwirtschaften wollten, keine Wahl. Sie mussten ihr Geld in Dividendentiteln anlegen und trieben die Kurse in schwindelerregende Höhen. Allein der DAX kletterte von Anfang Januar bis Mitte April um mehr 25% auf über 12.000 Punkte. Doch auf diesem hohen Niveau wird es für die Unternehmen immer schwieriger, den Gewinnerwartungen der Märkte gerecht zu werden.

Die Sorgen der Investoren kommen nicht von ungefähr. Die globale Konjunktur wächst langsamer als erwartet. Sie wird wohl vorerst nicht mehr die Dynamik der Vorkrisenjahre entfalten können. Das liegt vor allem an China. Der über viele Jahre verlässliche Motor der Weltwirtschaft ist ins Stottern geraten und hat deutlich an Schwungkraft verloren. Aufgrund der schwächeren Konjunkturdaten nimmt nun die Skepsis gegenüber der Erreichbarkeit des offiziellen Wachstumsziels von 7,0% zu. Derzeit leiden die wichtigsten Rohstofflieferanten Chinas unter der stark gesunkenen Nachfrage. Hinzu kommt, dass dadurch nicht nur Preise von Eisen, Kohle oder Öl, sondern auch von vielen anderen Rohstoffen unter Druck geraten sind. Betroffen sind dadurch vor allem Schwellenländer wie Brasilien oder Russland, die besonders von Rohstoffexporten abhängig sind. Leidtragende sind ebenfalls die asiatischen Nachbarn, die wie Japan stark von der Entwicklung in China abhängig sind.

Dennoch ist die Wachstumsschwäche von China und der gesamten Weltwirtschaft nur ein Grund von vielen für die Sorgen der Investoren. Nach Jahren immer weiter sinkender Anleiherenditen dürften die Zeiten niedriger Zinsen zu Ende gehen. Die baldige Leitzinswende in den USA wird nur der erste Schritt eines voraussichtlich langsamen Anpassungsprozesses sein. Das bleibt nicht ohne Folgen. Denn sichere Anlagen wie Staatsanleihen werden attraktiver. Gleichzeitig verlieren die Aktien ihren Glanz. Betroffen sind vor allem Unternehmen, deren globale Wachstumsstory erste Risse bekommen hat. Bestes Beispiel dafür sind die deutschen Automobilhersteller, die im Sommer in China kräftige Umsatzeinbußen hinnehmen mussten. Kein Wunder, dass jetzt bei den Investoren die Höhenangst grassiert.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank