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22.11.2012

Frankreich ist nicht Europas nächstes Sorgenkind. Zwar wurde das Rating der „Grande Nation“ herabgestuft, aber Angst um Frankreich muss man keine haben, trotz der schwachen Konjunktur, der hohen Arbeitslosigkeit und der pessimistischen Konjunkturprognosen, meint Stefan Gäde.

Nein, Frankreich ist nicht Europas nächstes Sorgenkind. Zwar hat nach Standard & Poor‘s jetzt auch Moody’s das Rating der „Grande Nation“ herabgestuft. Überraschen tut das nicht und die Gründe dafür sind bekannt: ungewisse Haushaltslage und langfristig schlechtere Wachstumsaussichten sowie gesunkene Wettbewerbsfähigkeit und verkrustete Strukturen auf dem Arbeitsmarkt. Aber die Kapitalmärkte kann das nicht weiter beeindrucken. So befinden sich die Renditen der französischen Staatsanleihen in der Nähe ihrer Tiefststände.


Angst um Frankreich muss man keine haben, trotz der schwachen Konjunktur, der hohen Arbeitslosigkeit und der pessimistischen Konjunkturprognosen. Unser Nachbarland hat die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt. Seine Industrie ist modern, breitgefächert und verfügt über eine Vielzahl innovativer Unternehmen. Stark und bekannt sind beispielsweise die Firmen der Pharma- und Luxusgüterbranche. Ein weiterer wichtiger Pluspunkt ist, dass die Franzosen Kinder mögen und anders als viele ihrer Nachbarländer wie Deutschland kein demografisches Problem haben.


Dessen ungeachtet macht sich die Bundesregierung Sorgen, besonders Finanzminister Schäuble. Wenig taktvoll gegenüber der französischen Regierung hat er dem deutschen Sachverständigenrat vorgeschlagen, eine Reformagenda für Frankreich auszuarbeiten. Sicherlich muss die neue Regierung in Paris mehr liefern als bisher. Dennoch: Ein Anfang ist gemacht. Zu Beginn des Monats wurde der „Wettbewerbspakt“ auf den Weg gebracht. Er sieht Steuerentlastungen für Unternehmen in Milliardenhöhe vor. Allerdings werden sich zusätzliche schmerzhafte Einschnitte in Form von Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen nicht vermeiden lassen. Davon geht auch der ehemalige EADS-Chef Gallois aus, der im Auftrag des Präsidenten ein Reformkonzept ausgearbeitet hat.


Dass Staatspräsident Holland die starke wirtschaftliche und politische Position, die Frankreich in Europa und der Welt einnimmt, leichtsinnig aufs Spiel setzen wird, ist mehr als unwahrscheinlich. Die nächsten beherzten Reformschritte sollten aber nicht zu lange auf sich warten lassen.


Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

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