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Wochenkommentar
11.08.2017

„Rohstoffe profitieren von einer breit angelegten zyklischen Erholung“, so Jan Edelmann, Analyst der HSH Nordbank.

Die Rohstoffpreise sind in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen. Wichtige Rohstoffe, wie zum Beispiel Kupfer, werden gegenwärtig zu Preisen gehandelt, die wir seit über zwei Jahren nicht mehr beobachten konnten. Aber auch Rohöl notiert wieder deutlich erholt von den Jahrestiefstständen von Ende Juni. Obwohl es verlockend klingt, spekulativ orientierte Anleger für den Preisanstieg verantwortlich zu machen, dürfte die jüngste Rallye vor allem der sehr positiven fundamentalen Entwicklung geschuldet sein. Dies deutet auf eine breiter angelegte zyklische Erholung hin. Aus der Historie haben wir gelernt, dass, wenn sich die Produktionslücken in den Volkswirtschaften schließen und der inflationäre Druck beginnt zu steigen, dies ein Kaufsignal für Rohstoffe bedeutet. Innerhalb weniger Wochen konnten wir konjunkturellen Datenveröffentlichungen entgegenblicken, die auf einen Anstieg der weltweiten Industrieaktivitäten hindeuten. Auch in den westlichen Industrieländern steht es um die konjunkturelle Dynamik relativ gut. Insgesamt ist das weltwirtschaftliche Wachstum so breit wie noch nie im vergangenen Jahrzehnt.

Auch wenn sich die Wachstumsraten bald verlangsamen sollten, spricht das gegenwärtige konjunkturelle Umfeld für Rohstoffe. Der Grund dafür ist, dass Rohstoffrenditen nicht so sehr von der Rate des Wirtschaftswachstums abhängen, sondern vielmehr vom absoluten Niveau der Nachfrage im Verhältnis zum Angebot. Dies liegt daran, dass die Rohstoffproduktion in der kurzen Frist lediglich über eine nur begrenzte Kapazitätserweiterungsfähigkeit verfügt. Dies gilt auch für die sehr flexible US-Schieferölindustrie, bei der es etwa 3 bis 6 Monate in Anspruch nimmt, um auf ein höheres Nachfrageniveau reagieren zu können. So tendieren Rohstoffproduzenten dazu, während konjunktureller Tiefs mehr zu produzieren als nachgefragt wird. In der Folge werden Lagerbestände aufgebaut, wodurch Rohstoffpreise unter Druck geraten. Sobald die Nachfrage während der Expansionsphase das Angebot übersteigt und die Lagervorräte verwertet werden, steigen die Preise an.

Bedeutet dies nun, dass die Rohstoffpreise bald stark ansteigen werden? Nein! Unser optimistischer Ausblick für Rohstoffe ist vielmehr der Form der Terminkurve geschuldet. Zwar ist damit zu rechnen, dass die Preise am Spotmarkt moderat ansteigen, sobald die Nachfrage das Angebot übersteigt und Lagerbestände abgebaut werden. Viel wichtiger allerdings ist, dass bei einer relativen „Knappheit“ heute die Preise des am nächst fälligen Kontraktes oberhalb der Preise für später fällige Kontrakte ansteigen (Backwardation). Dadurch, dass die Terminkurve sich in Backwardation befindet, wird ein zusätzlicher Ertrag (positive Rollrendite), neben den Preisanstiegen, generiert. Dieser Rolleffekt kommt dadurch zustande, dass einmal im Monat ein Kontraktwechsel zustande kommt. Da ein Finanzanleger den Rohstoff am Ende nicht physisch in den Händen halten will, wechselt er in den darauffolgenden Future-Kontrakt. Da bei Kontraktwechsel der Nachfolgekontrakt nahezu den Wert seines Vorgängers annimmt, springt der Preis, im Falle von Backwardation, nach oben. Diese Rollrenditen sind umso höher, je stärker das Gefälle der Terminkurve ist.

Wir glauben, dass wir in Kürze in ein solches Marktumfeld, also Backwardation, eintreten werden. Der Finanzanleger kann zu dieser Zeit die höchsten Renditen mit Rohstoffen erzielen, ohne dass dabei die Preise massiv ansteigen müssen.