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Kommentar
25.08.2017

„Die Erwartung an Jackson Hole ist niedrig, doch das könnte die Anleger auf dem falschen Fuß erwischen“, meint Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.

Jackson Hole, Wyoming. Für viele Finanzmarktteilnehmer ein mythischer Ort, denn hier treffen sich seit 1978 Jahr für Jahr wichtige Notenbanker, aber auch Finanzminister und Ökonomen zu einem Symposium, bei dem sie über relevante Wirtschaftsthemen in Bezug auf die USA und die Weltwirtschaft diskutieren. Vom 24. bis 26. August wird der beschauliche Ort in den Rocky Mountains erneut zur Showbühne und dürfte alle Augen der Finanzwelt auf sich ziehen. Thema der diesjährigen Veranstaltung: Eine dynamische Weltwirtschaft unterstützen.

Das klingt zunächst nicht wirklich nach großem Kino, doch die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass vielfach Notenbanker die Konferenz genutzt haben, um einschneidende Änderungen ihrer Geldpolitik vorzubereiten oder zu kommunizieren. So zum Beispiel EZB-Präsident Mario Draghi, der auf dem Symposium 2014 die Inflationserwartungen in der Eurozone als zu niedrig benannte und damit den Grundstein für den Beschluss des Anleiheankaufprogramms Anfang 2015 legte. Oder Ben Bernanke, Vorgänger von Janet Yellen als Fed-Chef, der in den Jahren 2010 und 2012 große Anleihekaufprogramme der Notenbank ankündigte.

Und dieses Jahr? Werden die Notenbankchefs wieder diese traditionsreiche Bühne wählen, um große Ankündigungen zu machen? Genügend Themen dazu hätten sie. Denn die Fed befindet sich mitten in einem Ende 2015 begonnenen Zinserhöhungszyklus, bei dem eine Fortsetzung anvisiert ist, doch die derzeit im Vergleich zur Zielmarke der Notenbank zu niedrigen Inflationsraten könnten die Leitzinsanhebungen bremsen. Eine eindeutige Positionierung der Fed, ob die Leitzinsen noch in diesem Jahr weiter steigen oder neue Zinsschritte erst 2018 zu erwarten sind, ist bislang nicht erfolgt. Daneben haben die Notenbanker eine Reduzierung ihrer Bilanzsumme ins Spiel gebracht, d.h. sie wollen fällig werdende Treasuries, MBS und Agency Bonds nicht mehr in andere Papiere reinvestieren, sondern auslaufen lassen. Damit würde die Bilanzsumme über die Zeit sukzessive abschmelzen. Eine offizielle Ankündigung darüber hat es aber noch nicht gegeben – bisher wird damit für den September gerechnet.

Auch die EZB hätte ausreichend Zündstoff für die Märkte. Ihr Anleiheankaufprogramm läuft noch bis Ende 2017. Zuletzt hat sie signalisiert, dass ihre Käufe von privaten und öffentlichen Anleihen allmählich zurückgefahren werden könnten, womit auch die EZB einen vorsichtigen Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik wagt. Doch noch ist wenig Konkretes dazu bekannt, viel sollte von der weiteren Entwicklung der Inflationsrate abhängen, die ähnlich wie in den USA deutlich unterhalb des Preisziels der EZB bei knapp 2 % verharrt. Neuigkeiten im Hinblick darauf könnte es im Herbst geben oder eben schon auf dem Treffen in Jackson Hole.

Die europäischen Währungshüter haben bereits Erwartungsmanagement bei den Marktteilnehmern betrieben und große Bekanntmachungen für Jackson Hole ausgeschlossen. Laut einem EZB-Pressesprecher soll sich die Rede von EZB-Präsident Mario Draghi eng am Thema der Konferenz halten. Anscheinend setzt man auf eine Diskussion im gesamten EZB-Rat im Herbst, bevor konkrete Beschlüsse gefasst werden. Die Fed dürfte sich wohl auch noch nicht in Bezug auf die Geschwindigkeit neuer Zinsanhebungen aus der Deckung wagen. So erscheinen große Ankündigungen auf den ersten Blick recht unwahrscheinlich, doch umso größer wäre das Überraschungspotenzial für den Markt.