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Kommentar
09.06.2017

„Kryptowährungen wie der Bitcoin erfreuen sich in diesen Tagen einer nie da gewesenen Beliebtheit“, meint Enno Philipps, Gast-Researcher der HSH Nordbank.

Wer früher um den Werterhalt seines Geldes fürchtete, investierte häufig in Gold. Auch heute ist dieses Phänomen in Zeiten von Niedrigzinsen und politischen Spannungen natürlich immer noch zu beobachten, doch das Gold des 21. Jahrhunderts glänzt nicht, es besteht aus Zahlen und Buchstaben.

Kryptowährungen wie der Bitcoin erfreuen sich in diesen Tagen einer nie da gewesenen Beliebtheit. Seitdem der Wert der Währung Anfang März den Goldpreis überschritten hat, gibt es kein Halten mehr. Mittlerweile notiert ein Bitcoin bei 2780 US-Dollar und ist somit doppelt so teuer wie eine Feinunze des glänzenden Edelmetalls. Aktuell ist der Bitcoin damit wohl eines der aufsehenerregendsten Investitionsobjekte. Seit der Markteinführung im Jahr 2009 ist der Wert um absurd anmutende 4,5 Millionen Prozent gestiegen. In den letzten Tagen legte er pro Tag teilweise mehr als zehn Prozent zu. Doch diese Entwicklung nur als Blase abzutun, die kurz davor ist zu platzen, wäre zu einfach.

Natürlich ist die Preisentwicklung außergewöhnlich, nicht jedoch vollkommen aus der Luft gegriffen. Hierbei spielt Asien eine wichtige Rolle. Seit Anfang April wird der Bitcoin in Japan, dem zweitgrößten Markt der Währung, als Zahlungsmittel offiziell anerkannt. Die damit einhergehenden Kontrollen und Regulierungen sorgten zuerst für Kritik von Seiten der Bitcoinnutzer, da diese die Währung vor allem für ihre Unabhängigkeit von Regierungen und Zentralbanken schätzen. Insgesamt profitiert das Cybergeld aber von diesem Schritt. Nicht nur, dass bestehende Bitcoin-Konten nun besser gegen Hackerangriffe geschützt werden müssen, auch die breite Masse hat den Bitcoin nun für sich entdeckt. Einige große Supermarktketten und die Fluggesellschaft Peach akzeptieren die Computercodes bereits als Zahlungsmittel. Desweiteren sorgten regulatorische Erleichterungen in China für steigende Kurse. Im Februar hatten chinesische Behörden zunächst den Druck auf die Börsen erhöht, da sie Geldwäsche und Kapitalabflüsse aus dem Land befürchtet hatten. Daraufhin wurden Abhebungen von den Bitcoin-Konten ausgesetzt. Dieser Schritt traf auch viele Nicht-Chinesen, da die chinesischen Börsen aufgrund nicht anfallender Transaktionskosten bei Investoren weltweit sehr beliebt sind. Diese Regelung wurde nunmehr wieder aufgehoben, so dass die Kunden wieder Zugang zu ihren Bitcoin-Konten haben.

Zwar legt der Bitcoin Schritt für Schritt nun sein Image als Währung für Hobbyprogrammierer und Kriminelle ab, aber gleichzeitig werden der Kryptowährung auch Grenzen aufgezeigt. Die US-Börsenaufsicht beispielsweise untersagte im März die Einführung eines Bitcoin-ETF mit der Begründung, dass Kontrollen und Überwachung ebenso schwer möglich seien wie eine Regulierung der Währung. Entwicklungen wie die in Japan könnten aber dafür sorgen, dass der Bitcoin vielleicht schon in einigen Jahren an der Börse gehandelt werden könnte. Das würde ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung der Währung sein und damit wäre auch ein weiterer Kursanstieg nicht auszuschließen. Schließlich ist die Währung ähnlich wie Gold endlich und auf 21 Millionen Einheiten begrenzt. Allerdings: Es sind immer wieder extreme Kursschwankungen zu beobachten. Investoren sollten sich dem stets bewusst sein und niemand kann sagen, ob der nächste Bitcoinboom morgen einsetzten wird, in fünf Jahren oder vielleicht gar nicht. Gerade deshalb wird es interessant sein, die Entwicklung der Währung und seiner Popularität weiter im Auge zu behalten.