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07.04.2017

„Trump kann eine stärkere Öffnung für Auslandsinvestitionen in den USA in Aussicht stellen“, meint HSH-Analyst Marius Schad.

Am heutigen Donnerstag werden beide Staatschefs nun erstmalig in der pompösen Florida-Residenz des US-Präsidenten zusammenkommen und womöglich ein neues Kapitel in den Beziehungen zwischen den USA und China aufschlagen. Das Treffen ist besonders im Hinblick auf die Äußerungen Trumps im Wahlkampf spannend. Schon frühzeitig hat der US-Präsident China der Währungsmanipulation bezichtigt. Außerdem drohte er zum Schutz amerikanischer Arbeitsplätze mit einem Strafzoll für chinesische Produkte. Hierdurch solle das 350 Milliarden US-Dollar schwere Handelsbilanzdefizit der USA mit China, in den Augen Trumps das Zeichen des industriellen Niedergangs der USA, massiv reduziert werden. Doch der Weg zur Reindustrialisierung Amerikas ist steinig und über einen Handelskrieg nicht zu erreichen. Im Gegenteil, die USA muss begreifen, dass China langfristig der integrale Partner für die Wiederbelebung der US-Industrie sein könnte.

Zunächst verstehen sich der exzentrische Reality-TV-Star und der mächtige Bürokrat aus Peking in ihrem Selbstverständnis als Volkstribune. Dabei machten sie auf dem Weg ins höchste Staatsamt ihrer Länder jedoch fundamental unterschiedliche Werdegänge. Während sich der heutige US-Präsident seit den 1980ern aus seinem New Yorker Trump Tower als Mann der kleinen Leute und Anführer des Anti-Establishments in den USA aufspielt, hat Chinas Staatspräsident nach der Verbannung seiner Familie infolge Maos Kulturrevolution in seiner Jugend das karge Landleben und die Armut am eigenen Leib gespürt. Chinas Exportmodell hat die Lebensbedingungen für diese Bevölkerungsschicht seitdem dramatisch verbessert. Die stark gewachsenen Einkommen der chinesischen Mittelschicht könnten nun der Schlüssel zur Wiederbelebung der US-Produktion und des globalen Warenverkehrs sein. Besonders in Chinas großen Städten sind die Pro-Kopf-Einkommen in der zurückliegenden Dekade so stark gewachsen, dass sie sogar in die OECD-Klassifizierung der Länder mit hohem Einkommen fallen. Durch eine Öffnung der bislang stark abgeschotteten und auf Inlandsproduktion ausgerichtete Märkte für Konsumgüter könnte die US-Industrie tatsächlich eine Renaissance erleben, da sich hierdurch neue Absatzmöglichkeiten ergeben. Gleichzeitig könnte China seinen Wandel zur konsumorientierten Volkswirtschaft vollziehen und seine Abhängigkeit von Investitionen reduzieren. Auch die negativen Auswirkungen von Chinas Leistungsbilanzüberschüssen ließen sich so abmildern. Die hohen Exportüberschüsse haben in Verbindung mit der hohen Sparquote der Chinesen die Verschuldung innerhalb der staatseigenen Unternehmen auf ein bedrohliches Niveau ansteigen lassen. Ein Rückgang des beängstigenden Verschuldungsgrades chinesischer Unternehmen von 156 % des BIPs und ein deutlicher konsumgetriebenes Wirtschaftswachstum in China würde letztendlich auch die globalen Stabilität fördern.

Hierfür ist jedoch großes Verhandlungsschick nötig. Trump könnte seinem chinesischen Pendant eine stärkere Öffnung für Auslandsinvestitionen in den USA in Aussicht stellen oder für chinesische Investitionen in US-Unternehmen werben. Dies wäre auch für Xi von großem Interesse, will man doch künftig vermehrt wertschöpfungsintensivere Produkte herstellen. Die bloße Androhung eines Handelskrieges wird die chinesische Seite nicht beeindrucken, da in einem solchen Szenario die US-Konjunktur ebenfalls massiv in Mitleidenschaft gezogen würde. Von einer Vertiefung der Wirtschaftsbeziehungen und einer gemeinsamen Partnerschaft hingegen würden beide profitieren.