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Wochenkommentar
16.03.2017

Ein Öl-Investment lohnt sich nur, solange die OPEC-Staaten die Fördermenge einschränken, meint Analyst J. Edelmann.

In den vergangenen Tagen sind die Preise für Rohöl gefallen wie ein Stein. Das Minus seit vergangener Woche betrug zwischenzeitlich mehr als 10 %. Dabei begann das Jahr 2017 wie das vergangene Jahr endete – verheißungsvoll. Nachdem sich die Preise für den wichtigen Rohstoff in Folge der (angekündigten) Angebotsverknappung durch die OPEC-Staaten bei etwa 55 US-Dollar/Barrel einpendelten, kam der Einbruch der Preise in der vergangenen Woche aus heiterem Himmel. Am Markt wird vor allem die Effektivität der Kürzungen in Frage gestellt, da diese in den ersten Wochen des Jahres nicht in einen Rückgang der Lagerbestände zu beobachten war. Im Gegenteil. In den USA wurden neue Höchststände bei den Ölreserven markiert.

Doch gestern (15.03.) vermeldete das US-Energieministerium den ersten (unerwarteten) Rückgang der Ölreserven, was vor allem auf den Rückgang der Importe zurückzuführen ist und somit eine Konsequenz der OPEC-Kürzungen. Die Märkte reagierten auf die Nachricht prompt und bewerteten die Preise für Öl höher. Eine Frage die nun berechtigterweise in den Raum gestellt werden kann ist: Lohnt sich der Einstieg bei Öl?

Nicht von der Hand zu weisen, ist, dass wir uns in einem Umfeld befinden, in dem alles vorstellbar ist. Die Mehrheit der Marktbeobachter hatte den plötzlichen Preisrutsch nicht auf dem Schirm. Alles deutete darauf hin, dass die Ölpreise einen Gravitationspunkt bei 55 US-Dollar/Barrel gefunden haben und einiges spricht dafür, dass die Ölpreise bald wieder höher notieren werden. Denn in den kommenden Wochen dürften weitere Rückgänge bei der Lagerhaltung beobachtet werden. Jetzt, wo sich die Kürzungen in niedrigeren US-Importen widerspiegeln, dürften die Marktteilnehmer recht schnell ihr Vertrauen in die OPEC-Kürzungen widergewinnen. Zudem berichtete die Internationale Energieagentur in ihrem jüngsten Monatsbericht von einer Umsetzungsquote bei den Förderkürzungen von mehr als 110 % der angekündigten Volumina. Damit deutet sich ein schnellerer Abbau der Angebotsüberschüsse an, was den Anlegern Mut machen sollte und was entsprechend in einem neuerlichen Preisanstieg umgemünzt werden könnte.

Sollte die OPEC ihr Förderabkommen über Ende Juni hinaus verlängern, dürfte der Preisanstieg hierdurch verstärkt werden. Allerdings ist dies kein Szenario, dem wir die größte Wahrscheinlichkeit beimessen. Unseres Erachtens wird Saudi-Arabien einer Verlängerung nicht zustimmen und das Abkommen Ende Juni auslaufen lassen, da es darum geht, die Ölvorräte zu normalisieren und nicht die Preise nachhaltig nach oben zu treiben. Im Gegenteil, wir erwarten, dass die Preise im Jahresverlauf wieder rückläufig sein werden, begründet dadurch, dass den Produktionskürzungen neue Produktionsrekorde folgen werden. Kombiniert mit dem Comeback der US-Schieferölindustrie und dem Fokus multinationaler Ölkonzerne, langfristig Marktanteile zu halten bzw. auszubauen, sehen wir, dass die mittelfristige Ölpreisentwicklung in Richtung unterhalb von 50 US-Dollar/Barrel tendieren wird.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass sich ein Investment solange lohnt, wie die OPEC-Staaten die Fördermenge einschränken, und die Umsetzungsquote bei den Förderkürzungen hoch ist. Nach Ablauf des Abkommens ist eher mit fallenden Preisen zu rechnen und von einem langfristigen Einstieg wäre somit abzuraten.