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Wochenkommentar
16.09.2016

Vorhersagen über die Entwicklung der Aktienkurse unter Trump oder Clinton sind nur bedingt relevant

Es ist eine immer wieder gern durchgeführte Übung: Wie haben die Aktien unter den verschiedenen US-Präsidenten abgeschnitten? War der US-Dollar unter einer demokratischen oder unter einer republikanischen Präsidentschaft stärker? Schaut man sich die letzten 45 Jahre an, lautet die Antwort: Im Durchschnitt sind demokratische Staatschefs den Aktien und der US-Währung besser bekommen als ihre republikanischen Pendants.

Und dennoch: Die Übung ist weitestgehend nutzlos, falls man damit die Zukunft vorhersagen will, insbesondere in Bezug auf Aktienindizes. Das beste Beispiel dafür ist die Ära von George W. Bush. In beiden Amtszeiten (2001 bis 2004 und 2005 bis 2009) hat der Aktienindex S&P 500 kräftige Verluste verzeichnet. Ein Blick auf die Jahreszahlen von Bushs Regierungszeit offenbart jedoch, dass auch ein Harry Potter die Aktienmärkte nicht in positives Terrain hätte drehen können: Im März 2000 platzte die Internetblase, gefolgt von den Terroranschlägen am 11. September. Nachdem sich die Kurse in der zweiten Amtszeit mühsam erholten, schlug 2008/2009 die globale Finanz- und Wirtschaftskrise zu.

Umgekehrt hat Bill Clinton von dem Aufbau der Internetblase an der Börse Nasdaq profitiert. Die dynamische Verbreitung des Internets, das bereits in den 1970er Jahren erfunden worden war, in der Amtszeit des Demokraten aus Arkansas war für ihn ein reiner Glücksfall. Und dass die Blase erst platzte, als Clintons zweite Amtszeit beendet war, ebenso.

Beim US-Dollar muss man etwas genauer hinschauen. So hat die Währung stets darunter gelitten, wenn die USA in den Krieg gezogen sind. Das war unter Bush Senior 1991 im Kuwait/Irak-Krieg so und Anfang des Jahrtausends ergab sich eine ähnliche Situation, als W. Bush im Irak einmarschierte. Tendenziell könnte man die Aussage wagen, republikanische Präsidenten gingen außenpolitisch robuster vor als demokratische, womit eine höhere Wahrscheinlichkeit besteht, dass unter ihrer Herrschaft der US-Dollar an Wert verliert. Einseitige Erklärungsmuster sind hier aber ebenfalls nicht angemessen. 9/11 hat dem US-Dollar mindestens so stark zugesetzt wie das militärische Einschreiten im Irak. Und der Demokrat Carter (1977 bis 1981), unter dem der US-Dollar knapp 20% gegenüber der Deutschen Mark verlor, zeigt darüber hinaus: die angebliche Regel mag zwar im Durchschnitt gelten, aber eben nur im Durchschnitt.

Heute stellt sich die Frage, ob die „Regel“ auch für Donald Trump angewendet werden kann. Würde ein Präsident Trump überhaupt eine typische republikanische Außenpolitik verfolgen? Es gibt keine Absichtserklärungen von ihm darüber, irgendwo in der Welt militärisch einzugreifen. Abgesehen davon spielen in den nächsten Quartalen und Jahren vermutlich andere Faktoren eine dominierende Rolle. Da ist zum einen die Bereitschaft der FED, die Leitzinsen weiter anzuheben, was seinerseits natürlich abhängig ist von der konjunkturellen Lage. Zum anderen wird die US-Dollarentwicklung unter anderem davon bestimmt, was fiskalpolitisch unternommen wird. Sowohl die demokratische Kandidatin Hillary Clinton als auch Donald Trump haben höhere Infrastrukturinvestitionen versprochen, so dass sich hier kein großer Unterschied für die Wirkung auf den US-Dollar ergibt. Fazit: Von der politischen Zugehörigkeit eines US-Präsidenten auf die zukünftige Entwicklung an den Finanzmärkten zu schließen, ist ein im Großen und Ganzen kaum nützliches Unterfangen.

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