SUCHE

26.08.2016

Die Spekulationen um eine Produktionsobergrenze der OPEC-Staaten sind nichts als heiße Luft, sagt Jan Edelmann.

In zweieinhalb Wochen einen Gewinn von 20% zu erzielen: Klingt Unglaublich? Doch auf dem Ölmarkt ist das tatsächlich möglich. Seit Beginn des Monats haben die Ölpreise den Preisrückgang im Juli und Anfang August wieder vollständig wettgemacht. Dabei gründet der rasante Preisanstieg auf einer Drohung der OPEC. Erneut wird eine mögliche Produktionsobergrenze zur Stützung der Preise diskutiert. Dies ist allerdings vollkommen unglaubwürdig.

Das liegt nicht so sehr daran, dass der politische Wille fehlt. Vielmehr ist das mit dem Gewinnmaximierungskalkül der Ölproduzenten zu begründen. Das Nichtzustandekommen eines Förderabkommens lässt sich aus den Besonderheiten der US-Schieferölproduktion ableiten. Diese hat den Ölmarkt in den vergangenen Jahren revolutioniert und die OPEC als Grenzproduzenten abgelöst. Während herkömmliche Ölprojekte mehrere Milliarden Dollar verschlingen sowie Jahre brauchen, um diese auf die Beine zu stellen, umfasst die Zeitspanne zwischen der Investition und der Förderung im Schieferölsektor nur wenige Wochen. Folglich kann die Fördermenge der „Fracker“ sehr schnell auf neue Investitionen reagieren. Das bedeutet, sollte die OPEC auf ihrem Septembertreffen eine Kürzung der Fördermenge beschließen, käme es zu einem unmittelbaren Anstieg des Ölpreises bzw. wurde dieser bereits vorweggenommen. Das wiederum hätte, mit einer kleinen Zeitverzögerung, einen Anstieg der Investitionstätigkeit zur Folge und damit eine Ausdehnung des Angebots von US-Schieferöl. Daraufhin wird auch der Ölpreis wieder nachgeben.

Was hätten die Staaten, die sich an einem Abkommen beteiligen, gewonnen? – Nichts. Denn, die Länder würden mit dieser Strategie nicht nur Marktanteile einbüßen, sie würden damit auch die Ölpreise auf relativ niedrigem Niveau halten. Dies sollte die ärmeren OPEC-Länder, die derzeit am stärksten auf ein Abkommen pochen, noch härter treffen als ohnehin schon.

Hinzu kommt, dass ein Abkommen für viele OPEC-Länder zur Unzeit kommt. Zum einen ist Saudi-Arabien gerade dabei einen Prozess einzuleiten, der das Land unabhängiger von Rohöl machen soll. Ein höherer Ölpreis könnte saudische Politiker auf den Plan rufen, die Reformen zu verschleppen. Zum anderen geben einige Länder wie der Irak sogar offen zu, dass sie ihre Produktion ausweiten wollen. Auch werden Länder wie Nigeria und Libyen, die derzeit mit unfreiwilligen Produktionsausfällen zu kämpfen haben, kaum ernsthaft über freiwillige Mengenbegrenzungen auf den derzeitigen Produktionsniveaus nachdenken.

Der Erfolg eines Abkommens erscheint aus diesen Gründen zweifelhaft. Der jüngste Preisanstieg, getrieben durch die verbale Intervention der OPEC, könnte abrupt beendet sein, wenn die Marktteilnehmer realisieren, dass ein Abkommen sich als heiße Luft herauskristallisiert. Ein möglicher Preisrückgang in der Folge könnte dadurch dann umso stärker ausfallen.


Jan Edelmann