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29.07.2016

Geld verschenken ist kein Ausweg, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

 „Lassen Sie uns annehmen, dass eines Tages ein Hubschrauber über eine Gemeinde fliegt und 1000 US-Dollar in Form von Scheinen vom Himmel fallen lässt, die (…) eilig von den Bürgern dieser Gemeinde eingesammelt [und ausgegeben] werden.“ Mit diesem etwas merkwürdig erscheinenden Bild beginnt Milton Friedman, einer der Gründungsväter des Monetarismus, das dritte Kapitel seines Buches „The optimum quantity of money“, das Generationen von Zentralbankern bis in die heutige Zeit geprägt hat. Es soll letztlich illustrieren, wie die Zentralbank Inflation generieren kann. Vor allem aber hält das Helikoptergeld Einzug in die aktuelle Wirtschaftspolitik. Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda lehnt zwar zum jetzigen Zeitpunkt diese Form der Geldpolitik ab. Sollte der Yen jedoch wieder stärker aufwerten und sich die Deflation vertiefen, dann dürfte der Druck auf die Bank of Japan steigen, dieses Rezept auszuprobieren. Auch für die Eurozone ist die Anwendung dieses Konzeptes keineswegs ausgeschlossen.

Natürlich geht es beim Helikoptergeld nicht darum, tatsächlich Geldscheine über Japan oder die Währungsunion regnen zu lassen. Die Grundidee ist schlicht, zusätzlich in die Wirtschaft fließendes Geld den entsprechenden Marktteilnehmern quasi zu schenken. Das ist weniger abwegig als es klingt. Wenn die Notenbank vom Staat eine Anleihe in Höhe von 100 Mrd. Euro kaufen würde, die eine unendliche Laufzeit und eine Verzinsung von Null Prozent hat, dann könnte der Staat dieses Geld an seine Bürger verschenken, ohne dass dadurch seine Zahlungsverpflichtungen in der Zukunft stiegen. Die Regierung hätte die Möglichkeit, Steuergutschriften zu verteilen, das zusätzliche Geld für Investitionen zu verwenden oder die Löhne im öffentlichen Sektor zu erhöhen. Jede dieser Ausgabenerhöhungen sollte zu Inflation führen. Ein weiterer Vorteil der Helikoptergeldpolitik, der von den Befürwortern dieses Konzeptes betont wird, ist, dass man bei dieser Art der Politik die Geschäftsbanken umgehen kann. Denn das Geld fließt etwa bei einer Steuergutschrift den Bürgern direkt zu und nicht wie bei der bislang betriebenen Staatsanleiheankaufpolitik über die Banken. Das klingt alles recht verlockend. Wo ist der Haken?

Damit das vom Staat geschenkte Geld nicht nur einmalig einen Wachstums- und Inflationseffekt entfaltet, muss jedes Jahr eine steigende Menge an Geld verschenkt werden. Dazu kommen so genannte Antizipationseffekte: So könnte jeder Bürger beispielsweise heute zu seiner Bank gehen und einen Kredit über den Betrag aufnehmen, den er in den nächsten Jahren vom Staat geschenkt bekommt und das Geld bereits heute ausgeben. Der Wachstums- und Inflationseffekt im ersten Jahr wäre dann besonders hoch, der anschließende Kater umso größer. Ein Ausweg aus diesen Problemen scheint auf den ersten Blick zu sein, dass der Staat zusammen mit der Zentralbank die Helikopterpolitik überraschend durchführt und jedes Mal so tut, als ob es sich um eine einmalige Maßnahme handelt. Spätestens nach dem zweiten Mal wird kaum ein Bürger den Ankündigungen des Staates noch Glauben schenken. Darüber hinaus schadet diese Vorgehensweise nachhaltig der ordnungspolitischen Idee einer vorhersehbaren Wirtschaftspolitik, die für langfristige Investitionen von privaten Unternehmen unerlässlich ist. Auch die Glaubwürdigkeit des Geldsystems würde erheblich leiden. Diese Werte sollte man nicht leichtfertig zugunsten eines zum Scheitern verurteilten Experiments über Bord werfen.

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