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18.03.2016

Die Fed agiert übervorsichtig und macht gerade dadurch die Investoren nervös, beobachtet Cyrus de la Rubia.

Das Warten geht weiter. Die Fed hat bei ihrer März-Sitzung erneut unklar gelassen, in welchem Tempo sie bei den Zinserhöhungen vorzugehen gedenkt. Die Bewertung der Wirtschaftslage war verbal eher freundlich gehalten, die Prognosen für Inflation und Wachstum wurden jedoch leicht zurückgenommen und gleichzeitig betonte Fed-Präsidentin Janet Yellen vorsichtig vorgehen zu wollen. Dazu passt auch die numerisch erfasste Einschätzung der Fed-Mitglieder über den angemessenen Zinspfad. Der Median dieser Einschätzung liegt bei nur noch 0,875% per Jahresende. Im Dezember 2015 lag dieser Wert noch bei 1,4%. Angesichts dieser Volatilität ist der Wert als Orientierungsgröße nahezu wertlos.

Wir wagen dennoch eine Prognose und erwarten für Juni den zweiten Zinsschritt, wenngleich die Futuremärkte diesen nunmehr auf September verschoben haben. Der zweite Zinsschritt ist wichtig, weil er die beste Auskunft über das zukünftige Tempo der geldpolitischen Straffung geben wird. Wenn es also im Juni zu einem Zinsschritt käme, dann könnte man festhalten: Ein Mal pro Halbjahr wird die Fed die Zügel anziehen, solange sich das Preisumfeld und die Arbeitsmarktlage nicht wesentlich ändert. Das heißt, wir dürften in diesem Jahr noch mit zwei Zinsschritten rechnen.

Einige Unbekannte gibt es natürlich auf dem weiteren Weg. Die eine ist Donald Trump, der wahrscheinliche Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Auch wenn die Präsidentschaftswahlen erst im November stattfinden, könnte sich grundsätzlich im Zuge von entsprechende Pro-Trump Umfrageergebnissen die Stimmung in der Wirtschaft bereits in der zweiten Jahreshälfte deutlich eintrüben und die Fed zu größerer Vorsicht veranlassen. Die zweite Unbekannte ist die Inflation. Die CPI-Kerninflation (also ohne Energie und Lebensmittel) ist im Februar auf 2,2% gestiegen, während die PCE-Kernrate, an der sich die Fed hauptsächlich orientiert, bei 1,7% liegt (Januar: 1,5%). Der Preisdruck kommt in erster Linie von den Mieten bzw. dem durch Umfragen ermittelten Mietäquivalent. Sollte die überraschende Dynamik der Preisentwicklung anhalten, so könnte sich die Fed sogar zu einem dritten Schritt veranlasst sehen. Und schließlich ist da noch das internationale Umfeld: Der Ölpreis, die Stabilität Chinas und die Expansionsrate in den Schwellenländern spielen hierbei eine wichtige Rolle. Die Entscheidung Großbritanniens über einen Verbleib in der Europäischen Union wird ebenfalls in die Entscheidungsfindung der Fed einfließen, da ein Brexit potenziell zu schweren Finanzmarktturbulenzen führen kann.

Wie würde es dann weitergehen? Unter der Annahme, dass die Fed tatsächlich zwei Zinsschritte in diesem Jahr durchführt, dürfte sie bei einer Fortsetzung der moderaten Expansionsrate das Zinsanhebungstempo im kommenden Jahr leicht beschleunigen und drei bis vier Zinsschritte durchführen. An dem Volumen der angekauften Anleihen würde man bis dahin nicht rühren, wohl aber allmählich eine Diskussion darüber beginnen, wann und wie der Berg von 4500 Mrd. US-Dollar an Anleihen auf den Büchern der Fed allmählich abgebaut werden sollen. Bis zu einem "Mission accomplished" wäre es dann immer noch ein weiter Weg.

Für die Märkte bedeutet die zögerliche Haltung der Fed vor allem Verunsicherung. Selbst der amerikanische Bankenverband hatte im Vorfeld der Sitzung von der Notenbank Zinsanhebungen gefordert. Die Welt ist schon unsicher genug, da sollte die Geldpolitik keine zusätzliche schaffen und dem Warten ein Ende bereiten.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank