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25.02.2016

Die deutschen Unternehmen sind immer pessimistischer, sagt Sintje Boie.

Der ifo Geschäftsklimaindex ist mit einem Niveau von 105,7 Punkten im Februar das dritte Mal in Folge gesunken. Die Stimmung bei den 7.000 befragten Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Bauhauptgewerbe sowie dem Groß- und Einzelhandel verschlechtert sich damit zusehends – auch der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe hatte schon mit einem signifikanten Rückgang auf einen zunehmenden Pessimismus hingedeutet. Besonders alarmierend ist, dass wie schon beim letzten Mal der spürbare Rückgang der Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate und nicht die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage ausschlaggebend für den Rückgang des Indikators war.

Der ifo Index gilt als guter Frühindikator für die Konjunkturentwicklung in Deutschland. Drei Rückgänge in Folge werden als Zeichen für einen einsetzenden Abschwung interpretiert. Droht der deutschen Wirtschaft jetzt ein solcher Konjunktureinbruch, nachdem das BIP-Wachstum 2015 mit 1,4% (saison- und kalenderbereinigt) schon vergleichsweise enttäuschend ausgefallen ist? Zumal die Konjunktur eigentlich von einer ganzen Reihe von Sonderfaktoren hätte profitieren müssen: Dem niedrigen Ölpreis, dem schwachen Euro und den sehr günstigen Finanzierungsbedingungen.

Seit Jahresbeginn hat die Unsicherheit der Anleger an den internationalen Finanzmärkten zugenommen. Grund dafür ist eine Eintrübung des weltwirtschaftlichen Umfeldes – viele Schwellenländer schwächen sich stärker ab als erwartet, was zu steigenden Abwärtsrisiken für den Konjunkturpfad der Industrieländer führt. Auch die deutschen Handelspartner stehen unter Druck, was den Außenhandel zukünftig bremsen dürfte. Schon im Schlussquartal 2015 sind die Exporte um 0,6% gegenüber dem Vorquartal zurückgegangen, und es zeichnet sich ab, dass die Exportentwicklung in den kommenden Monaten weiterhin schwach ausfallen sollte und der Außenhandel einen negativen Beitrag zum Wachstum liefern dürfte. Zwar geht der überwältigende Anteil der deutschen Exporte in andere Industrieländer – knapp 60% der Exporte gehen in die EU und rund 8% in die USA – und nicht in die Schwellenländer. Jedoch sind die indirekten Handelsverflechtungen nicht zu vernachlässigen und dürften die Exporteure zusätzlich in Bedrängnis bringen.

Anders als in früheren Zeiten ist die deutsche Wirtschaft aber keinesfalls nur auf den Export angewiesen. Denn der inländische Konsum bleibt 2016 stark: Sowohl der private als auch der staatliche Verbrauch werden das Wachstum stützen. Der private Konsum dürfte durch die gute Arbeitsmarktentwicklung, die Reallohnzuwächse sowie die niedrige Inflationsrate ein Wachstumstreiber sein, während der Staatskonsum durch die Bewältigung der Flüchtlingskrise angeheizt wird. Auch die Investitionen könnten anziehen. Entsprechend halten wir den derzeit in den Stimmungsindikatoren zum Ausdruck kommenden Pessimismus für übertrieben und erwarten keinen Zusammenbruch der Konjunktur, rechnen allerdings schon mit einer Verlangsamung der Konjunkturerholung in der ersten Jahreshälfte. Damit sollte das Wachstum 2016 kaum höher ausfallen als 2015. Und das ist für sich genommen bereits ein herber Schlag ins Gesicht, denn zum Jahresende 2015 wurde noch mit einer Beschleunigung der Wachstumsdynamik im Vergleich zum Vorjahr gerechnet.

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank

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