SUCHE

28.01.2016

Die Fed sollte an ihrem Zinserhöhungspfad festhalten und die Geldpolitik normalisieren. Es wäre ein Gewinn für die Weltwirtschaft, meint Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank.

Die US-Notenbank hat bei ihrer Sitzung am 27. Januar entschieden, dass sie noch nichts entscheidet. Und das ist gut so. Warum sollte sie sechs Wochen vor dem nächsten Zinssitzungstermin bereits das Handtuch werfen und angesichts der Marktturbulenzen eine Zinspause ankündigen? Damit würde die Fed ihre Probleme, sich aus der selbstgebauten Falle zu befreien, verschärfen.

Angenommen, die Fed hätte mit einem Hinweis auf die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft - im Statement ist dazu keine Bemerkung zu finden - das Signal gegeben: Im März lassen wir den Leitzins unverändert. Höchstwahrscheinlich hätte dies zu einer nur kurzlebigen Erleichterungsrallye an den Börsen geführt und dann hätte sich das Spiel vom Vorjahr wiederholt: Zunehmende Unsicherheit angesichts der bangen Frage, wann denn die Fed den Leitzins anhebt. Nachdem man es also endlich geschafft hat, den Leitzinsmotor, der seit 2008 still stand, im Dezember flott zu kriegen, würde man ihn gleich wieder abwürgen.

Die Befürworter einer Zinspause argumentieren mit zunehmenden Zeichen einer Rezession in den USA. In der Tat: Die Industrie ist in Bedrängnis. Der ISM-Index für das Verarbeitende Gewerbe liegt deutlich unter der Expansionsgrenze von 50 Punkten und die Industrieproduktion ist seit drei Monaten durchgängig rückläufig. Die Exporte laufen nicht mehr so gut und an den Finanzmärkten ziehen schwarze Wolken herauf in Form sinkender Aktienkurse und nach oben schießender Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen niedriger Bonität. Außerdem verweist man auf die niedrige Inflation, die unter dem Zielwert von 2% liegt.

Die USA kennt durchaus Phasen, in denen die Industrie in der Rezession war, der Rest der Wirtschaft und insbesondere der Dienstleistungssektor jedoch florierte. Beispielsweise war das in den Jahren 2003 und 1998 der Fall. Auch jetzt scheint sich die USA in dieser Situation zu befinden. Der ISM-Geschäftsklimaindex signalisiert mit über 55 Punkten eine robuste Expansionsrate. Dazu passt der kräftige Anstieg der Beschäftigung über die letzten Monate.

Was die Inflation angeht, ist die PCE-Kernrate (Konsumentenpreisdeflator ohne Lebensmittel und Energie) die Größe, an der sich die Fed orientiert. Die Teuerungsrate liegt demnach bei 1,3%. Der Hinweis auf die Gesamtinflation von nur 0,7% sticht hier nicht, denn der Sinn der Kernrate ist es ja gerade, den eigentlichen Trend der Inflation zu erkennen und z.B. um Ölpreisveränderungen zu bereinigen.

Schließlich spricht noch etwas anderes dafür, dass sich die Fed von einzelnen  Schwächesignalen der US-Wirtschaft nicht irritieren lässt und im März den nächsten Zinsschritt durchführen könnte: Die Angst vor den Auswirkungen eines zu lange zu niedrig gehaltenen Zinsniveaus, das zum Aufbau von Vermögenspreisblasen führt.

Dies wird verstärkt in der Fed diskutiert, beispielsweise von Vize-Chef Stanley Fischer. Insgesamt ist daher unsere Erwartung, sowohl im März als auch im Juni jeweils einen Zinsschritt zu sehen. Damit dürfte die Fed die Ernsthaftigkeit des Vorhabens unterstreichen, die Geldpolitik zu normalisieren. Der Zinsmotor würde allmählich Betriebstemperatur erreichen, wodurch sich die Unsicherheit auf globaler Ebene erheblich reduzieren sollte. Es wäre ein Gewinn für die Weltwirtschaft.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank