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Wochenkommentar
29.10.2015

China hat zumindest vorerst mit der Zinssenkung der Notenbank und guten Wachstumsdaten die Finanzmärkte beruhigt, meint Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank.

In China lassen Politik und Wirtschaft nichts anbrennen. Mit klaren Signalen wurden in den letzten Tagen die seit Monaten besorgten Finanzmärkte beruhigt. Die Wirtschaft wächst wie geplant und die Notenbank tritt den konjunkturellen Schwächesignalen durch eine Lockerung der Geldpolitik entschieden entgegen. Eins sollte dies deutlich machen: China ist aus globaler Sicht kein Wackelkandidat.

Im Reich der Mitte sind die Zeiten des stürmischen und unkontrollierten Wachstums vorbei. Letztes Jahr kletterte das BIP nur um 7,4%. Das war der schlechteste Wert seit knapp 25 Jahren. Es wurde sogar befürchtet, dass dieses Jahr das Wachstumstempo spürbar unter das staatlich geplante Plus von 6,9% fallen würde und China die Weltwirtschaft in einen Abwärtsstrudel reißen könnte. Geschürt wurde dies durch Serien unerfreulicher Wirtschaftsdaten, der Abwertung des Yuan gegenüber dem US-Dollar und vor allem durch die sommerlichen Turbulenzen am chinesischen Aktienmarkt. Gleichwohl ist die Angst überzogen. So hat die Regierung mit einem ganzen Bündel an Maßnahmen die Lage am Aktienmarkt stabilisiert. In Hinblick auf die Konjunktur wurden die internationalen Investoren ebenfalls beruhigt. Wider Erwarten legte die chinesische Wirtschaft im dritten Quartal 2015 kräftiger zu und erreichte punktgenau die Vorgabe der Politik. Außerdem sind die Perspektiven für das vierte Quartal alles andere als schlecht, denn das angekündigte Konjunkturprogramm sollte dafür sorgen, dass der staatliche Zielwert nicht unterschritten wird.

Zusätzliche Unterstützung kommt von der unter staatlicher Knute stehenden chinesischen Notenbank. Sie hat Ende der vergangenen Woche überraschend Leitzins, Einlagenzins und Mindestreservesatz gesenkt. Das ist bereits der sechste abwärts gerichtete Zinsschritt in diesem Jahr. Beachtenswert ist dabei das Timing, da in dieser Woche vom Plenum der Kommunistischen Partei Chinas der neue Fünfjahresplan verabschiedet wird. Nicht zuletzt war die Zinssenkung auch eine klare Ansage an die amerikanische Notenbank, die diese Woche tagte, sich mit der Zinswende Zeit zu lassen.

Nachhaltig wachsen wird die chinesische Wirtschaft jedoch nur, wenn die Politik den Reformkurs entschieden vorantreibt. Der neue Fünfjahresplan wird dazu Ziele und Leitplanken liefern. Im Kern geht es darum, die Industrie in Richtung Qualität und Innovationen zu trimmen und die Binnenwirtschaft durch mehr Dienstleistungen und Konsum zu stärken. Darüber hinaus bedarf es einer umfassenden Liberalisierung des Finanzsystems. Weitere wichtige Ziele sind die Bekämpfung der Armut und der Schutz der Umwelt. Ohne kräftiges Wachstum wird das alles kaum gelingen, ansonsten würde Millionen von industriellen Arbeitskräften der Gang in die Arbeitslosigkeit drohen. Die Aufgabe ist schwer und ohne Rückschläge wird die Transformation der Wirtschaft nicht ablaufen. Deshalb werden die Finanzmärkte sicherlich auch im kommenden Jahr häufiger mit bangen Blicken in Richtung China schauen.

Stefan Gäde, Analyst der HSH Nordbank

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