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30.07.2015

Die Zinswende in den USA steht vor der Tür, ist Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank, überzeugt.

Etwas müssen wir uns noch gedulden. Um genau zu sein, 40 Tage. Dann dürfte die US-Zentralbankchefin Janet Yellen endlich an der Zinsschraube drehen. Aber, was sind schon 40 gegen die 2418 Tage, die die ZIRP-Politik (Zero Interest Rate Policy) der US-Notenbank währt? Zwar sucht man in dem jüngsten Statement vergeblich nach eindeutigen Hinweisen auf einen September-Schritt. Zwischen den Zeilen erkennt man jedoch den Wunsch, möglichst bald tätig zu werden.

Zwei Bedingungen sind nach Angaben der Fed erforderlich, um den Leitzins anzuheben. Erstens, dass die Fed "hinreichend zuversichtlich" in Bezug auf das mittelfristige Erreichen des Inflationsziels von 2% ist. Dazu gibt das Statement bereits eine positive Einschätzung: "... das Komitee erwartet mittelfristig einen Anstieg der Inflation auf 2%, da der Arbeitsmarkt sich weiter erholen dürfte und die temporären Effekte der Rückgänge der Rohstoffpreise an Bedeutung verlieren sollten." Zweitens, in Bezug auf den Arbeitsmarkt genügt der Fed nicht die Zuversicht alleine, hier möchte sehen, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt noch „etwas“ verbessert. Allerdings deute eine "breite Palette" an Indikatoren auf eine stärkere Auslastung des Arbeitsmarktes hin. Bis zur nächsten Sitzung werden noch zwei Arbeitsmarktberichte veröffentlicht. Wenn in diesen beiden Monaten die Beschäftigung wie in den vergangenen Monaten um mehr als 200.000 Personen zunimmt, dürfte die Zinsanhebung am 17. September nur noch eine Formalität darstellen.

Von Zinserhöhungsgegnern sind häufig Argumente zu hören, der Dollar werde bei einer geldpolitischen Straffung zu stark, die globalen Risiken seien gestiegen und überhaupt vertrügen die überschuldeten Haushalte und Unternehmen keine höheren Zinsen. Kurz, die Wirtschaft ginge bei einem höheren Zinsniveau sofort wieder in die Knie. Was die globalen Risiken angeht, gibt sich die Fed gelassen. Sie hält diese für "ausgeglichen", sprich: Gefahren und Chancen hielten sich die Waage. Der US-Dollar findet explizit keine Erwähnung. Zuletzt hatte sich die Währung recht stabil gezeigt, so dass dieser Punkt in der Öffentlichkeit weniger Durchsetzungskraft hatte. Die relative Geschlossenheit der amerikanischen Volkswirtschaft – nur 13% des BIP wird exportiert, in Deutschland sind es 45% – mindert zudem die Auswirkungen von Währungsschwankungen auf die Wirtschaft. Bezüglich der Verschuldungssituation der privaten Haushalte und Unternehmen ist grundsätzlich folgendes festzustellen: Zinserhöhungen wirken nur dann schockartig, wenn die Kreditnehmer sich variabel verschuldet haben. Das ist bei einigen Projektkrediten der Fall, in der Breite aber nicht die vorherrschende Finanzierungsart. Außerdem steht den höheren Zinsbelastungen auch ein höheres Wirtschaftswachstum gegenüber, das mit höheren Umsätzen, Löhnen und einer besseren Beschäftigungssituation einhergeht und somit die Zahlungsfähigkeit der Schuldner verbessert.

Auch wenn der Leitzins bald steigen dürfte, ist dieser Weg kein Spaziergang. Der größte Stolperstein ist die Stabilität der Finanzmärkte. Turbulenzen an Finanzmärkten sind jederzeit möglich. Frau Yellen möchte sich aus diesem Dilemma herauswinden, in dem sie einen bedächtigen Zinserhöhungspfad verspricht. Wenn Sie also auf ein höheres Zinsniveau von beispielsweise 3,5% hoffen, dann müssen Sie sich noch gedulden, wahrscheinlich bis Ende 2017 oder 1460 Tage.

Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt der HSH Nordbank

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