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25.06.2015

Das Comeback des Euros kommt nicht von ungefähr, meint Jan-Ole Rosenhauser, Gast-Researcher der HSH Nordbank.

Parität, 0,95, 0,90, 0,85. Es ist noch keine vier Monate her, da unterboten sich die Analysten weltweit geradezu in ihren Prognosen, wie weit der Euro-Dollar-Kurs noch fallen würde. Der Kurs war nach einem mehrmonatigen Sturzflug unter die 1,05 gesunken, dem niedrigsten Stand seit 2003. Die anhaltende europäische Konjunkturschwäche, das EZB-Anleiheankaufprogramm sowie das Damoklesschwert Griechenland ließen kaum jemanden auch nur einen Pfifferling auf den Euro setzten. Doch es kam alles anders. Obwohl die Verhandlungen zwischen Hellas und seinen Geberländern kaum zäher laufen könnten und bis heute keine Einigung erzielt wurde, wertete der Euro seit Mitte März um fast 8% gegenüber dem Dollar auf. Was sind die Gründe für dieses Comeback?

1. Die Konjunktur in der Eurozone erholt sich schneller als erwartet. Während zu Beginn des Jahres noch allgemeiner Konjunkturpessimismus vorherrschte, hat sich die Stimmung mittlerweile spürbar verbessert. Angetrieben vom geringen Ölpreis, den niedrigen Zinsen sowie den Strukturreformen in einigen Peripherie-Ländern konnte die Wirtschaft in der Eurozone im ersten Quartal um 0,4% qoq zulegen. So haben auch der IWF und die Europäische Kommission ihre Wachstumsprognosen angehoben. Zudem ist das Deflationsgespenst in der Eurozone überraschend schnell wieder vertrieben worden. Die Teuerungsrate, die im Januar mit -0,6% yoy noch tief im negativen Bereich lag, konnte bereits im Mai wieder ins Plus drehen.

2. Die Eurostärke ist verbunden mit einer Dollarschwäche, denn auch gegenüber anderen Währungen wie Pfund oder Franken wertete der Greenback zuletzt ab. Ursache war das enttäuschende erste Quartal (-0,2% qoq annualisiertes Wirtschaftswachstum) in den USA. Die Zinswende wurde erst einmal verschoben und auch der Ausblick auf den weiteren Zinspfad der Fed hat sich nach hinten verlagert bzw. verflacht. Damit ist dem Haupttreiber der Dollaraufwertung seit dem vergangenen Herbst, die Erwartung zeitnah steigender Zinsen, etwas die Luft ausgegangen.

3. Die kräftig steigenden Renditen in der Eurozone sorgen für eine Einengung der Spreads zwischen europäischen und US-Anleihen. Die 10-jährigen Bunds notierten noch im April bei ihrem historischen Tiefstand von 5 Basispunkten und kannten nur eine Richtung: bergab. Negative Renditen gab es auf deutsche Staatsanleihen mit einer Laufzeit von bis zu acht Jahren, es schien nur eine Frage der Zeit bis die 10-jährigen folgen würden. Doch mit dem Aufleben der Konjunktur und dem Ende der Deflationsängste in der Eurozone zogen die Renditen trotz des QE-Programms deutlich an und sorgten für zusätzliche Nachfrage nach der Gemeinschaftswährung.

Wie geht es weiter? Kurzfristig wird das Währungspaar stark vom weiteren Verlauf des Schuldenstreits mit Griechenland beeinflusst werden – mittelfristig werden die fundamentalen Faktoren wie Konjunktur und Geldpolitik von zentraler Bedeutung sein. Mit einer zunehmenden Dynamik der US-Wirtschaft sollte der erste Zinsschritt der Fed im September erfolgen und dem Dollar Rückenwind geben. So stark wie zu Beginn des Jahres dürfte der Euro jedoch nicht unter Druck geraten – dem konjunkturellen Aufschwung in Euroland sei Dank. Aber Vorsicht: Die letzten Monate haben gezeigt, wie schnell sich das Blatt an den Devisenmärkten wieder wenden kann.

Jan-Ole Rosenhauer, Gast-Researcher der HSH Nordbank