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01.04.2015

Unter der Oberfläche bestehen erhebliche Risiken, meint Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank.

Ein Vierteljahr ist 2015 bereits alt. Zeit, die vergangenen Monate einmal Revue passieren zu lassen. Es gibt durchaus viele Entwicklungen, die positiv stimmen. In den USA nimmt der Aufschwung in diesem Jahr an Fahrt auf, was die US-Notenbank Fed dazu verleiten sollte, erstmals seit der Finanzkrise die Leitzinsen von ihrem rekordniedrigen Niveau aus anzuheben und damit nach dem Ende der Anleiheankäufe die Normalisierung der Geldpolitik fortzusetzen. Die Konjunkturdynamik zeigt sich erfreulicherweise zunehmend auf dem US-Arbeitsmarkt, wo über die vergangenen zwölf Monate im Durchschnitt ein Stellenzuwachs von 274 Tsd. erzielt wurde.

Seit Juni 2014 ist der Ölpreis in US-Dollar gerechnet um rund 50% gesunken, was für viele Industrieländer wie ein umfangreiches Konjunkturpaket wirkt. Der niedrige Ölpreis stärkt die Kaufkraft der privaten Haushalte und reduziert die Produktionskosten der Unternehmen, was die Preise tendenziell drückt und das Realeinkommen der Konsumenten zusätzlich erhöht.

In Kombination mit der kräftigen Abwertung des Euros gegenüber dem Greenback hat dies die Konjunkturperspektiven für die Eurozone merklich aufgehellt. Die Frühindikatoren signalisieren eine Stimmungsverbesserung, die sich zudem in ersten harten Daten niederschlägt – Treiber ist hier vor allem Deutschland. Darüber hinaus hat die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik erneut gelockert und Ende Januar ein umfangreiches öffentliches Anleiheankaufprogramm beschlossen. Dies hat die Zinsen auf neue Tiefststände gedrückt und sorgt für noch günstigere Finanzierungsbedingungen, was ebenfalls einen stimulierenden Effekt auf die Wirtschaft haben sollte.

Mit den Anleiheankäufen der EZB – wesentlich später als viele andere Notenbanken – steigt die sich im System befindende Liquidität weiter an, was sich in einer Rallye am Aktienmarkt niederschlägt. Seit Jahresbeginn hat der Dax um 22% und der Euro Stoxx 50 um 18% zugelegt. Dies erhöht das Vermögen vieler privater Haushalte und kurbelt den privaten Konsum an.

Auch in anderen Industrieländern kommt die Konjunktur besser in Tritt, womit die Weltwirtschaft stärker expandieren dürfte. Doch bei allen positiv stimmenden Entwicklungen sollten die Risiken nicht außer Acht gelassen werden. Es sind vor allem geopolitische Krisenherde, die das Potenzial haben, den Aufschwung ins Stocken geraten zu lassen. Das militärische Eingreifen Saudi-Arabiens im Jemen hat zuletzt vor Augen geführt, wie sehr der Nahe Osten am Brodeln ist. Brandherde wie der Bürgerkrieg in Syrien oder der IS-Terror im Irak können in absehbarer Zeit kaum gelöscht werden und stellen die internationale Gemeinschaft vor enorme Herausforderungen. Nicht zu vergessen der Ukraine-Konflikt, um den es zwar etwas ruhiger geworden ist, der aber zeigt, dass die russischen Ansprüche nicht von der Hand zu weisen sind. Eine Eskalation eines oder mehrerer dieser Konflikte könnte schnell wieder zu einer Stimmungsverschlechterung führen, die Unsicherheit erhöhen und damit die Investitionen hemmen. Das Wachstumsumfeld bleibt fragil und mit Risiken behaftet – für allzu große Euphorie ist noch kein Platz.

Sintje Boie, Analystin der HSH Nordbank

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